Auf Bock im Mai

Silvester ist am 30. April! – Denn die Bockjagd in Mai stellt für meisten Jäger praktisch den Beginn des neuen Jagdjahres dar. Gleich in ersten Tagen können einige Waidgenossen einen schönes Bock im Revier strecken. Andere wiederum sitzen und sitzen und haben keinen Jagderfolg. Wir schreiben welche Besonderheiten die Jagd auf den Bock Anfang Mai mit sich bringt und wie sich die Chancen zum Jagderfolg erhöhen lassen.

Der Jagdmonat Mai wird zwar traditionell als Monat zur Bockjagd bezeichnet, jedoch gilt es besonders Jährlinge und Schmalrehe in dieser Zeit effektiv zu bejagen. Im Artikel zur Jagd auf Rehwild im Frühjahr, haben wir dies bereits erläutert. Auch für die gezielte Bockjagd ist die Vorbereitung die Grundlage für die erfolgreiche Jagd. Um speziell einen Bock im Mai im Revier anzugehen, sollte man daher die speziellen Gewohnheiten des Wildes beachten. Dabei geht es in der Vorbereitung vor allem darum Böcke im Revier zu bestätigen. Dazu eignen sich kurze Reviergänge bei denen es gilt das Revier gründlich zu erkunden. Diese Reviergänge sollten dabei nur vereinzelt, jedoch intensiv und genau sein, um das Wild nicht unnötig zu beunruhigen. Wildwechsel, Äsungsflächen und Einstände gilt es auszumachen. Ganz besonders sollte man zusätzlich nach Fegestellen Ausschau halten. An diesen markanten, ausgewählten Plätzen ist es im Anschluss zweckmäßig Wildkameras anzubringen. Dies stellt eine sehr gute Methode dar, um die Populationsdichte in einem bestimmten Raum im Revier nachzuvollziehen. Böcke lassen sich so bereits gezielt bestätigen und ansprechen.

In der Nähe dieser Räume sollte man im Vorfeld auch bereits ganz bewusst Ansitzmöglichkeiten erkunden und vorhandene Kanzeln wieder ordentlich vorbereiten. Auch hier ist es Ziel das Wild möglichst ungestört zu belassen. Der Freizeitdruck in den Revieren steigt bei zunehmendem schönem Wetter wieder an. Wildkameras bilden auch deshalb einen gute Option, und können den ein oder anderen Reviergang ersetzen. Somit wird das Wild vor allem nicht von beliebten Plätzen ferngehalten und ist nicht gezwungen Angewohnheiten im bereits abgesteckten Territorium zu ändern. Man kann dadurch zu Beginn der Jagdsaison bereits Grundsätze der Intervalljagd anwenden.

Aus dem gleichen Grund sollte man bei Jagdbeginn auf die reine Pirschjagd verzichten. Mit den gut vorbereiteten Ansitzmöglichkeiten bieten sich dem Jäger effektive Chancen. Der Ansitz kann je nach Wetter und Windverhältnissen an geeigneten Plätzen beinahe durchgehend durchgeführt werden. Immer wieder passiert es, dass unser Rehwild direkt wenige Meter neben der Kanzel vorbezieht ohne uns zu bemerken. Auch auf diese Weise lassen sich Böcke im Revier bestätigen und ansprechen, ohne dass man Stücke schießen müsste.

Die Sprünge haben sich im April aufgelöst und die älteren Böcke ihre Territorien aufgeteilt. Dennoch kann es dabei durchaus vorkommen, dass mehrere Böcke im Revier zu gegen sind. Territorien können sich überschneiden, Grenzen sind noch nicht klar abgesteckt. Vor allem die Jährlinge sorgen durch ihr recht unruhiges, aufgewecktes Verhalten für Bewegung im Revier. Jährlinge wechseln dabei im Vergleich zu den älteren Böcken unregelmäßig. Auch wenn sie noch bei Ricke und Schmalreh in der Sippe stehen, wird der ältere Bock sie auf den Läufen halten. Jüngere Böcke sind ständig auf der Hut vor einem Älteren. Daher finden sich 2 oder 3 Jährige Böcke im Mai häufig gesprengt an den Territoriumsgrenzen. Auch sie verhalten sich noch unruhig oder unvorsichtig. Der ältere, territoriale Bock hingegen wird sich dem Jäger nicht so schnell zeigen, obwohl er sich im Revier wechsel- und standorttreu verhält.

Er ist vorsichtig, verfügt über Erfahrung und wird seine gewohnten Plätze im Revier erst aufsuchen, wenn er sich sicher fühlt. Seinen Tageseinstand wird er dabei erst sehr spät verlassen. Dies geschieht zumeist erst nach Sonnenuntergang in der späten Dämmerungsphase. Gleiches Phänomen kann man auch bei aufgehender Morgensonne beobachten, wenn die älteren Böcke wieder ihre Tageseinstände beziehen. Der ältere Bock wird dabei die bekannten Äsungsflächen auch wechseltreu angehen. Die Herausforderung für den Jäger ist es nun diese Phase auf einen älteren Bock abzupassen. Dies bedeutet den Ansitz am frühen Abend beziehen und Geduld haben, auch wenn die Sonne bereits untergegangen ist und die Dämmerung an der Schwelle zur Nacht steht. Zahlreiche Bockabschüsse werden bekanntlich in den sehr späten Dämmerungsstunden verzeichnet. Auch am Morgen sollte der Jäger sehr früh an bekannten Äsungsplätzen oder Wechseln ansitzen, um im allerersten Büchsenlicht die Jagderfolgschancen zu steigern.

Bockansitz MaiBesonders gute Möglichkeiten ergeben sich dabei, wenn man im Revier Äsungsflächen, Wechsel, den Stand der Sonne und die Hauptwindrichtung in Übereinklang mit der Ansitzmöglichkeit bringt. Am sehr späten Abend wird auch der ältere Bock, vor allem bei sonnigem Wetter versuchen, die noch wärmenden Sonnenstrahlen zu erhaschen. Rehwild allgemein findet man in der Dämmerung immer wieder auf nach Westen hin offen ausgerichteten Äsungsflächen. Dies sollte man am Stand der Sonne vorab beim Reviergang erkunden. Zweckmäßig ist es nun noch westlich davon, am besten an einem Waldrand eine Ansitzmöglichkeit zu finden. Diese sollte sogar einige Meter im Wald sein und nicht über die Baumwipfel emporragen. Der Bewuchs bildet den natürlichen Windschutz, sorgt an der Waldkante für Verwirbelungen und treibt dem Wild dadurch die Witterung des Jägers nicht direkt in den Windfang. Aus Westen kann der Jäger nun das Wild wesentlich besser ansprechen. Es wird durch die Sonne angestrahlt und erscheint dadurch kontrastreicher. Gleichzeitig ist der Waidmann nicht gezwungen gegen die tief stehende, blendende Sonne anzusprechen und im Bedarfsfall zu schießen.

Ähnlich verhält es sich am Morgen. Ansitzen mit der aufgehenden Sonne im Rücken, nun jedoch gegen den meist aus Westen wehenden Wind. Rehwild wird auch hier allgemein gewillt sein, die ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf der Decke zu spüren. Sowohl in der offenen Feldmark, wie auch auf Waldlichtungen verfügt der Jäger damit über eine vielversprechende Taktik.

Den älteren Bock (4-5 Jahre) anzusprechen, gestaltet sich im Gegensatz zu Jährlingen und Schmalreh deutlich einfacher. Die Decke sollte in der Regel noch in der grauen Winterdecke erscheinen. Der ältere Bock verfärbt spät. Haupt und Träger sind breit und kräftig. Der ältere Bock steht vom Körperbau her breit nach vorn. Die Rosenstöcke sind stark ausgeprägt, sie stehen gabelförmig schräg nach außen. Das Gehörn ist ausgewachsen. Der Bock hat verfegt. Der Bock kann einen ausgeprägten Widerrist aufweisen. Klar sollte auch der Pinsel zu erkennen sein. Es ist allerdings explizit zu betonen, dass alle Kriterien zum ansprechen lediglich Indizien bilden. Ein jeder Jäger wird schon selbst die Erfahrung gemacht haben, wie trügerisch sich einige Merkmale in der Praxis gestalten.

Tagsüber können dennoch an den bekannten Äsungsflächen Jährlinge und mittelalte Böcke plötzlich auftauchen. Sie werden ein unruhigeres Verhalten an den Tag legen, öfter sichern, um dem älteren territorialen Bock nicht ins Gehege zu geraten. Auch dies kann eine Chance darstellen einen älteren Bock zufällig am Tage aufzunehmen. Mit etwas Glück kann man dabei den älteren Bock erleben, wie er versuchen wird, potentiale Rivalen zu sprengen und an die Territoriumsgrenze zu drängen. Aufgrund dieses Verhaltens kann es eine Alternative sein, die Methode der Blattjagd einzusetzen. Wir selbst hatten damit persönlich noch keinen Erfolg, was wohl auch daran legen mag, dass das Nachahmen eines Kontrahenten von uns wohl nicht recht beherrscht wird. Dennoch hörten wir von einigen bekannten Jägersmannen, die mit dieser Kunst auch bereits im Mai einen Bock zum „zustehen“ gebracht haben.

Die Bockjagd im Mai sollte dennoch nicht das Hauptanliegen des Jägers sein. Im Schwerpunkt sollten nach wie vor Jährlinge und Schmalrehe geschossen werden. Mit Blick auf die jeweiligen Abschussquoten empfehlen wir 2/3 der Strecke auf Jungtiere zu verteilen. Wenn dann bereits zu Beginn im Mai noch ein schöner Maibock die Strecke ergänzt, ist dem nichts entgegenzusetzen. Die Hege der männlichen Stücke aller Altersklassen sollte jedoch mit Ende der Blattzeit weitestgehend abgeschlossen sein, um sich im Herbst dann auf die weiblichen Stücke zu konzentrieren.

Wir wünschen damit allen Jägern beim Ansitz auf den Maibock viel Waidmannsheil.

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