Buchtipp – Hofjagd, Weidwerk, Wilderei

Hofjagd, Waidwerk, WildereiVorsicht! Dieses Buch dient der Bildung und stellt keine süffisante Trivialliteratur dar. Folgt man den Diskussionen zur Jagd in heutigen Tagen, ist diese oft stark emotionalisiert. Unsere Jagd unterliegt außerdem einem starken Wandel. Dieser spiegelt sich nicht nur in der Gesetzgebung, sondern auch im gesellschaftlichen Bild wieder. Doch wer wirklich verstehen möchte warum unsere Jagd eigentlich so besteht wie sie heute ist, muss einen Blick in die Geschichte werfen. Das Buch Hofjagd, Weidwerk, Wilderei wird dabei den ein oder anderen überraschen.

Schon der Untertitel verrät, dass es sich um ein geschichtswissenschaftliches Werk handelt. Im Zentrum der Betrachtung steht dabei die Kulturgeschichte der Jagd im 19. Jahrhundert. Der schweizer Historiker Carl Alexander Krethlow von der Universität Bern hat sich intensiv mit der Geschichte und Entwicklung der Jagd befasst. Auf 276 Seite und einem anschließenden Bildteil stellt er seine spannenden Ergebnisse vor, die eine wirklich umfassende Darstellung jagdlicher Kulturgeschichte ermöglichen. Anders als der Titel Hofjagd, Weidwerk, Wilderei es  vermuten lässt, werden nicht nur diese drei Facetten beleuchtet, sondern Zusammenhänge der Jagd in ihrer kulturellen Entwicklung und ihren Einfluss auf andere Aspekte der Gesellschaft aufgezeigt.

Chronologisch behandelt Krethlow die Entwicklung der Jagdpraxis bereits im 18. Jahrhundert, um einen Einstieg in die Thematik zu finden. Er beantwortet damit unter anderem die Frage, warum die Jagd im 19. Jahrhundert sich einem starken Wandel unterziehen musste. Dieser Wandlungsprozess in all seinen Ausprägungen im 19. Jahrhundert bildet heute den Grundstein für die uns bekannte Jagd. Mit dem Blick ins 18. Jahrhundert legt Krethlow zunächst die Grundlage für die weitere Betrachtung. Im Kern beschreibt er hier zunächst die damals gängigen Jagdarten und Jagdpraktiken, die unter dem Begriff Hofjagd vereint, adliges Vergnügen darstellten. Der Leser erfährt dabei spannende Hintergründe zur Beiz-, zur Parforce- und zur deutschen eingestellten Jagd. Schnell wird dadurch klar, dass der Blick auf die Jagdgeschichte kein rein deutscher Blick sein kann.

Bewusst wird die Jagd im europäischen Ausland betrachtet. Frankreich, Großbritannien und Rußland zeichnen dabei schon ein unterschiedliches Bild. Beispielsweise werden Facetten der Hundezucht oder die Ausgestaltungen des Jagdrechts und verschieden gewachsene Jagdpraktiken skizziert. Auch wird man erstaunt sein, wie kritisch sich, vor dem Hintergrund damals geltender kultureller Überzeugungen, mit der Jagd auseinandergesetzt wurde.

Im Kern handelt das Buch dann von der deutschen Entwicklung der Jagd und Ihren Traditionen. Krethlow erklärt wie der Adel die Jagdprivilegien verlor und sich schließlich Bauern und Bürgertum unter die Jäger mischten. Er schildert die Gründe klar im Zusammenhang mit der allgemeinen geschichtlichen Entwicklung. Es ist spannend zu lesen, wie eng verwoben die Jagd mit dem politischen Wandel einherging. Vor allem aber erfährt man wie und aus welcher Motivation heraus sich Werte, Traditionen und der waidmännische Gedanke entwickelten. Wer wissen will, worauf sich unsere noch heute viel gepredigte Waidgerechtigkeit begründet, muss genau diese Entwicklungen verstehen.

Wem dass noch nicht genug ist, muss sich die nächsten Kapitel zu Gemüte führen: Das Bild der Jagd im Kaiserreich, mit der Pirsch als reinste Jagdart, der Ursprung von Hege als Bestandteil der Wissenschaft und Forschung, Wilderei in verschiedensten Ausprägungen und Interpretationen, Frauen in der Jagd und damit die Erkenntniss, dass dies keine neue Erfindung heutiger Tage ist, die Abhängigkeit von Mode und Jagd, die intensiv voneinander abhängigen Entwicklungen in Waffentechnik, Militär und Jagd und die Betrachtung der Jagd als Ausgangspunkt und Ursprung für moderne Sportarten, wie Biathlon oder Speerwerfen.

Zu guter letzt aber wird der vermeintliche Wunsch nach rein unterhaltender Trivialliteratur doch noch befriedigt, indem der Autor Zitate aus der Jagdliteratur präsentiert, von Dichtkunst bis zu glorifizierenden Jagdgeschichten. Es ist wirklich wunderbar, dass dann ein „Geschichtsbuch“ nicht chronologisch in der Abhandlung, sondern auf diese Weise schließt.

image1 Parforce image2 Weidwerk image3 Wilderei image4 Schwarzwild

Da das Buch zusätzlich noch mit zeitgenössichen Bildern, Gemälden und Photos versehen ist, bekommt man schnell einen Einblick in das damalige Treiben und kann den Inhalt bildlich fassen und zuordnen. Wir können daher nur sagen, dass das Buch „Hofjagd, Weidwerk, Wilderei – Kulturgeschichte der Jagd im 19. Jahrhundert“ sich einfach hervorragend eignet, um die Jagd mit samt ihrer historischen Entwicklung zu verstehen. Wir müssen daher als Fazit dieses Buch jedem Jäger ans Herz legen. Waidmannsheil!

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