Ein Welpe kommt ins Haus: Teil II – Das kleine 1×1 des Stubengehorsams

Welpe auf Decke(mb) Im vorangegangenen Artikel haben wir über die allgemeine Eingewöhnung des Welpen an sein neues zu Hause geschrieben. In diesem Artikel soll es darum gehen, wie wir mit dem Welpen innerhalb der Wohnung so interagieren, dass er uns zum einen mit seinen Eigenarten als Hundekind nicht zur Last wird, und andererseits, damit er weiß wie die Umgangsregeln funktionieren.

Meine Nachbarin würde dazu sagen: „Das ist ja so ein lieber Hund!“

Was ist ein lieber Hund im Sprachgebrauch der Menschen? Aus meiner Sicht sind alle Hunde erst mal lieb. Nicht alle Hunde haben jedoch einen an den menschlichen Alltag angepassten Gehorsam, der dann als „Lieb sein“ interpretiert wird. Warum ist das so? Ganz einfach, weil der Mensch den Hund nicht ausbildet und führt. Ein Hund benötigt klare Regeln und Strukturen. Jedoch nicht im Sinne unserer menschlichen Gedankenwelt. Die kann ein Hund nicht nachvollziehen. Gleich gar nicht in mehreren Zeitebenen. Zum Wesen des Hundes gibt es hervorragende Literatur, die man in ihrer Vielfalt lesen sollte, um den Hund zu verstehen. Umgekehrt ist das Verständnis nicht in gleicher Art und Weise da. Zumindest nicht am Beginn unseres Zusammenlebens mit dem Hund. Wir können empfehlen auch Literatur aus allen Bereichen des Hundewesens zu studieren. Sei es Hundesport, Diensthundewesen, Rettungshundewesen oder das Gebiet unserer Jagdhunde. Es ist alles sehr spannend. Und genetisch ist eine Dogge von einem Teckel ja nicht weit entfernt. Wenn überhaupt. Aber das wissen Biologen besser. Was wir damit sagen möchten, ist, dass man fast jeden Hund ausbilden kann. Nur etwas Geduld und Wissen gepaart mit dem Willen es konsequent zu tun führen zum Erfolg.

Früh übt es sich

Und damit es funktioniert fangen wir gleich im Welpenalter an. Ein Hund ist entgegen der weitläufigen Meinung nie zu alt zum Lernen. Einen nicht mal 10kg schweren Hund kann man allerdings besser bewältigen, als einen ausgewachsenen. Zum Stubengehorsam gehören unserer Meinung nach folgende Disziplinen:

  • Ruhe in der Box,
  • Aufsuchen der Box auf Kommando,
  • Aufsuchen eines festgelegten Platzes auf Kommando,
  • Herauskommen auf Kommando,
  • Sitz auf Kommando.

Zu Hause hat der Welpe in seiner bequemen Hundebox seinen Platz im Haus angenommen.

Kommt es vor, dass der Hund in der Box scharrt, wimmert, oder wild umherspringt, sprich ein Verhalten zeigt, was alles andere als förderlich für ein normales Miteinander in einem Raum ist, dann muss man dem entgegenwirken. Man sei allerdings sicher, dass der Hund sein Geschäft erledigt hat und zuvor auch seiner Art entsprechend seinen Bewegungsdrang im Laufe des Tages stillen konnte. Wenn das erfüllt ist, dann kann man mit einem bestimmten „Pfui“ oder auch mal einem geworfenen Gegenstand an die Box, die Aufmerksamkeit des Welpen auf sich lenken.

Konsequenz zahlt sich aus

Welpe auf Decke

Eigentlich ist bei solch einem Einwirken sofort Ruhe und man lobt den Welpen für sein stilles Benehmen. Man lässt den Hund nicht aus der Box, wenn er die vorher genannten Anzeichen zeigt. Die Verknüpfung „Lärm= Raus aus der Box“ lernt der kleine Hund sofort. Haben Sie Geduld dabei. Auch im Auto neigen die Welpen in der Box in den ersten Tagen zu einem herzzerreisenden Heulen. Wenn man diese Phase aber übersteht und kein falsches Mitleid an den Tag legt, hat man einen Hund, der begriffen hat, dass die Transportbox sein Rückzugsort ist. Kauknochen können die in der Box befindliche Zeit für den Welpen verkürzen. Während einer intensiven Jagdsaison verbringen unsere Hunde sehr viel Zeit in den Transportboxen. Mit beheizbaren Decken können sie sich zum Beispiel darin nach der Jagd ausruhen, und sind während der Fahrt vor den Ausrüstungsgegenständen geschützt.

Während wir unseren Welpen nach Spaziergängen, nach dem Füttern, oder jedweden anderen Beschäftigungen zu seiner Box mit der kleinen Leine begleiten, verdeutlichen wir ihm mit einem Zeigen auf die Box und einem selbst gewählten Kommando das Hereingehen in die Box. Normalerweise, weiß der Hund nach wenigen Tagen, dass der ihm angestammte Platz beim Hereinkommen in den Raum sofort anzunehmen ist. Für ihn ist dann klar, dass nirgends außer dort, Ruhe herrscht. Man vermeidet damit wildes Umhergelaufe im Haus, bespringen von Möbelstücken und das Verteilen von Dreck der an den Pfoten hängen kann. Macht es der kleine Hund nicht, dann bringen Sie den Hund bestimmt und konsequent immer wieder in die Box bzw. verschließen sie. Macht der Welpe das gänzlich von allein, loben wir ihn und können ihn in der Box dafür belohnen.

Der Hundeplatz im Alltag

Wie machen wir das Ganze nun außerhalb unserer Wohnung? Man schleppt ja nicht überall die Vielfalt an Boxen mit hin, wenn man sich woanders nur ein paar Stunden aufhält. Das ist eigentlich ganz einfach gelöst, indem man eine Decke oder ein Hundekissen verwendet. Der Welpe, der begriffen hat seine Box anzunehmen, wird auch jeden von uns gezeigten Platz relativ schnell akzeptieren. Man nimmt dazu die Decke und setzt den Welpen darauf. Man legt eine zweite Decke in Sichtweite aus und lockt den Welpen nun auf diese mit dem Kommando „auf Deinen Platz“. Der Welpe wird sich freudig nähern. Auf der Decke angekommen gibt es Lob. Nun geht man zur ersten Decke und wiederholt das Ganze, bis es sitzt. Achtung! Der Welpe will natürlich folgen. Setzen Sie den Welpen immer auf die verlassene Decke und machen ihm mit einer Geste und dem Kommando „Bleib“ deutlich, dass er den Platz bis auf weiteres nicht zu verlassen hat. Alles in allem schlagen wir da schon mehrere Fliegen mit einer Klappe.

  1. Der Hund bleibt auf Kommando am befohlenen Platz,
  2. Der Hund kommt auf Kommando zu mir (in dem Fall zur zweiten Decke) und
  3. Der Hund nimmt auf Kommando einen festgelegten Platz an.

Letztendlich wird es so sein, dass ich an einen beliebigen Platz eine Decke/ Jacke hinlegen kann und der Hund wird sie selbständig annehmen und dort verweilen, bis wir es von ihm verlangen bzw. es ihm erlauben.

Sind das regelmäßig wiederkehrende Orte, z.B. Büro, dann kann man dort eine Decke belassen und den gehorsamen Hund an der Eingangstür zum Zimmer von der Leine lösen. Der Hund wird selbständig auf die Decke gehen. Als weitere Unterstützung kann man eine Öse an der Wand oder Sockelleiste anbringen, um daran die Leine zu befestigen. Das verhindert ein unerlaubtes Entfernen vom Platz, wenn man mal nicht im Raum ist.

Exkurs: An diesem Beispiel sieht man, dass man sich darauf einrichten muss, den Hund in Modulen auszubilden! Man muss das Lernziel in kleine Abschnitte zerlegen. Jeder Abschnitt muss erfolgreich abgeschlossen sein, um den nächsten anzuschließen. Der Hund muss wissen wo sein Platz ist bevor er auf Kommando einen Platz einnehmen kann. Die Decke ist dabei eine optische und materielle Unterstützung. In der Hundeausbildung kommt es vor, dass man einen Schritt rückwärtsgehen muss, bevor man erfolgreich den nächsten umsetzt.

Disziplin ist eine wesentliche Eigenschaft eines Jagdhundes

Den Übergang zum Befehl zum Herauskommen aus der Box hat man mit dieser Übung auch ziemlich schnell geschaffen. Worum geht es insbesondere? Wer kennt das nicht? Wir betreten den Raum und das erste was uns entgegen kommt ist der Hund. Er stört jegliche Begrüßungszeremonie innerhalb der Familie und kämpft um Aufmerksamkeit. Wir wünschen uns einen Hund, der seinen Platz nur auf Kommando verlässt. Das Üben wir in dem wir mit dem gelerntenDeutschdrahthaar auf Hundedecke Kommando „Bleib“ den Hund in der geöffneten Box belassen. Wir provozieren Ablenkung durch einen rollenden Ball oder eine andere Person, die den Raum durchquert. Was nun, wenn der Welpe die geöffnete Box verlässt? Unmittelbar im selben Moment befiehlt man dem Hund mit einem „Pfui“ o.ä. und „Bleib“, zurück an seinen Platz. Falls er sich dennoch nicht abbringen lässt los zu stürzen, dann kommt ein für den Welpen lautes unbekanntes Flugobjekt zum Greifen oder wir können den Welpen einfach aufnehmen und bringen ihn zurück in die Box. Diese Ablenkungen und Verführungen provozieren wir so lange, bis der Hund gleichgültig in der Box verweilt. Danach gehen wir wieder zum freundlichen Heranrufen über und belohnen ihn auch wieder bei der Rückkehr zum Platz.

All diese Übungen machen wir mit Verstand. Schüchtern sie den kleinen Hund nicht so ein, dass er gar nicht mehr weiß, was er davon halten soll. Der Grat ist bei manchem Charakter schmal. Seien sie da sehr vorsichtig. Und wenn es viele Tage dauern sollte, am Ende gewinnt die Geduld. Und was sind ein paar Wochen in einem Hundeleben?

Sitz!

Zu Guter Letzt möchten wir noch auf das beliebte und notwendige Kommando „Sitz“ eingehen. Die Methoden zum Beibringen des Sitzens beim Hund sind nicht allzu vielfältig. Wir können auf das Kommando allerdings nicht verzichten, da es im Alltag und in der weiteren Ausbildung eine wesentliche Rolle spielt. Nur ein Hund der fest sitzt und sich auf mich als seinen Ausbilder und Führer konzentrieren kann, wird auch ein gehorsamer und gut zu führender Hund sein. Nicht umsonst beginnen alle bekannten Bücher über die Abrichtung von Hunden mit „Sitz“. Man kann das „Sitz“ im Alltag einbauen. Sei es vor verschlossenen Türen, vor dem Einstieg ins Auto, usw. . Im späteren jagdlichen Gebrauch unserer Hunde ist es essentiell für die Standruhe, das Einweisen in einen Anschuss oder auch einfach das verbleiben an einem bestimmten Ort. Wie bringen wir den Welpen zum Sitzen? Den kleinen Welpen animieren wir am besten über kleine Futterbrocken zum Sitzen und geduldigen Warten auf die Belohnung. Rufen Sie den Welpen heran und halten sie die Belohnung knapp über die Nase. Dabei kann man den Zeigefinger heben und das Kommando „Sitz“ sagen. Das kann einige Versuche dauern. Also Geduld und freuen, wenn es die ersten Male klappt.

Tipp: Benutzen Sie immer eine ruhige Stimmlage. Das Geschrei von Kommandos ist für einen mit einem guten Gehörsinn ausgestatteten Tier wie dem Hund nicht notwendig. Selbst auf größere Entfernung wird der Hund ihre normale Tonlage vernehmen. Es macht übrigens nicht nur einen guten und harmonischen Eindruck, wenn man sich ruhig und normal mit seinem Hund „unterhält“, es führt auch zu mehr Akzeptanz gegenüber Menschen, die eher eine Abneigung gegen Hunde und deren Halter hegen. Und außerdem macht es für den Hund keinen Unterschied, ob laut oder leise, wenn er überhaupt nicht weiß, was wir von ihm wollen.

Wenn Sie möchten können sie bei den Übungen in der Wohnung auch schon eine leichte Halsung und Leine verwenden. Besonders beim Heranrufen hilft es wenn man mit einem leichten Zug an der Leine, den Hund zum zügigen Entgegenkommen bringt. Beim Erlernen des Kommandos Sitz, kann die Leine dafür sorgen, dass der Hund sich nicht von uns entfernen kann und wir ihm in Ruhe die Futterbröckchen über die Nase halten, bis er sich setzt.

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