Einschießen von Twinsight Montagen

Twinsight(AD) Twinsights sind Leuchtpunktvisiere, die zusätzlich auf Zielfernrohre montiert werden. Diese Kombination erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit, um die Vorteile beider Optiken miteinander zu kombinieren. Fragt sich nun nur noch, wie man diese Lösung nun passend einschießt. Dabei gibt es gleich mehrere Möglichkeiten, welche wir in diesem Artikel vorstellen möchten.

Die meisten Jäger stehen bei Twinsight Montagen vor der gleichen Herausforderung: Man hat die Büchse mit Zielfernrohr mit einem 4cm Hochschuss auf 100m eingeschossen und möchte nun das Rotpunktvisier „synchronisieren“. Es soll daher ebenfalls auf 100m mit einem 4cm Hochschuss eingeschossen sein und ein annähernd ähnliches Trefferbild ergeben.

Es stellt sich allerdings die Frage wieso man dies zwingend tun sollte? Was möchte man mit dieser Kombination im Anschluss jagdlich erreichen? Die Synchronisierung der beiden Optiken würde bedeuten, dass beide Visierlinien sich auf 100m schneiden würden. Beide Visierungen würden damit auf 100m einen 4cm Hochschuss erzeugen.

Die Reflexvisiere dienen auch bei einer Twinsight Montage dazu Ziele auf kurze Distanzen schnell aufzufassen. Der Zielvorgang mit einer Rotpunktvisierung spielt seine Stärke in der Bewegungsjagd und bei der Jagd auf flüchtiges Wild aus. Die jagdliche Distanz für das Antragen eines solchen Schusses würde also 100m nicht überschreiten. Ein Schuss auf größere Entfernungen ist zwar auf Ziele in Ruhe ebenfalls möglich, sollte aber bei einer Twinsight dennoch stets mit dem Zielfernrohr vorgenommen werden. Das Rotpunktvisier der Twinsight  dient dem Zweck mit bloßem Auge angesprochene Stücke in Bewegung auf deutlich unter 100m zu beschießen, wobei je nach Revier hauptsächlich Distanzen von 10 – 50 m relevant sein dürften.

Bevor wir also die Möglichkeiten des Einschießens aufzeigen, stellen wir zunächst die Besonderheiten der Twinsight Montagen dar.

Offset und Größe des Rotpunktes

Als erstes steht man vor der Herausforderung des größer werdenden Offsets von „Turmvisieren“, sprich dem größeren Abstand der Visierlinie des Leuchtpunktvisieres zur Laufseelenachse. Während die Visierlinie des Zielfernrohres, je nach Montage 3 – 7 cm über der Laufseelenachse liegt, erhöht sich die Visierlinie des Reflexvisieres nochmals um 2 – 3 cm. Wir nutzen im weiteren Verlauf des Artikels als Beispiel ein Offset von 4 cm des Zielfernrohres zur Laufseelenachse und ein zusätzliches Offset von 2,5 cm des Rotpunktvisieres, so dass wir in der Summe 6,5 cm Offset beim Reflexvisier annehmen.

Bereits jetzt wird deutlich, dass beide Visierlinien de facto nicht zu synchroniseren sind, da das höher werdende Rotpunktvisier keine identische Visierlinie zum Zielfernrohr bilden kann. Wie wir sehen werden, ist dies im Weiteren nicht weiter tragisch. Wichtig ist es jedoch daraus abzuleiten, dass bei Entfernungen im Nähstbereich ein Tiefschuss von 6,5 cm zu Stande kommen würde.

Die Zweite kleine Herausforderung, die es zu bedenken gilt, ist die Größe des Rotpunktes. Dieser erzeugt einen nicht zu vernachlässigenden Unterschied in der Zielabdeckung. Ein 1 MOA Rotpunkt deckt auf 100 m bereits 2,9 cm ab. Nutzt man bereits eine Rotpunktvisierung von 2 MOA werden 5,8 cm auf 100 m abgedeckt. In der Folge wird damit ein präzises Zielen im Vergleich zum Zielfernrohr für den Schützen erschwert. Damit ein annähernd ähnliches Trefferbild auf 100m zu erzielen ist sehr schwer. Die Streukreise sind im Vergleich zum Zielfernrohr bei vielen Schützen deutlich größer.

Einschießen des Rotpunktvisiers

Zunächst ist es wichtig die Büchse richtig einzuschießen. In einem zweiten Schritt empfehlen wir sich nun geistig völlig vom Zielfernrohr zu trennen und das Reflexvisier als eine eigenständige Optik zu betrachten. Diese erfüllt auch einen eigenen Zweck. Jetzt ist es wichtig diesen für die Anforderungen im Revier zu ermitteln. Für die Bewegungsjagd in einem bewaldeten Revier können lediglich Entfernungen von unter 50 m relevant sein. In der Feldmark, wo die Entfernungen größer sind, kann es unter Umständen dennoch Sinn ergeben, sich auch auf Entfernungen bis 100 m einzustellen. Ein plötzlich verhoffendes Stück kann mit etwas Übung auf 80 m durchaus präzise und waidgerecht gestreckt werden.

Die jagdliche Schussentfernung

Es gilt sich nun also Gedanken zu machen auf welche Entfernungen man das Reflexvisier jagdlich nutzen und dementsprechend einschießen möchte. Dabei soll als Anhalt unsere schematische Skizze helfen. Diese hilft abzuleiten, welche Auswirkungen die Einschießentfernungen auf die Trefferlage für die Entfernungen bis 100 m haben.

In der Feldmark kann es daher durchaus Sinn machen das Reflexvisier auf 100 m fleck einzuschießen. Psychologisch hat dies zur Folge, dass der Schütze auf diese Entfernung Ziel- und Haltepunkt synchronisiert. Bei den größeren Entfernungen hat dies den Vorteil, dass vor allem bei 2 MOA Rotpunkten der größere Streukreis auf 100 m gut kompensiert werden kann. Für den Schützen einfach zu handeln ist auch die Tatsache, dass er bei kleiner werdenden Distanzen nur auf einen größer werdenden Tiefschuss achten muss.

In einem Waldrevier, bei Entfernungen von maximal 50 wäre es jedoch zweckmäßiger das Reflexvisier gleich auf 30 m Fleck einzuschießen. Das Offset erzeugt sowieso einen Tiefschuss im Nahbereich, auf Diestanzen um die 20 – 50m aber kann der Schütze intuitiv fleck anhalten.

Drei verschiedene Methoden

Hat man nun seinen Zweck und die Schussentfernung für das Reflexvisier bestimmt, kann man dieses nun einschießen. Dies ist je nach Schießstand auf 50 m oder 100 m möglich. Dazu gibt man auf diese Entfernung wie gehabt 3-5 Schuss pro Gruppe ab, ermittelt den mittleren Treffpunkt und korrigiert je nach Bedarf den Rotpunkt in Seite und Höhe bis der Streukreis auf diese Entfernung mittig passt.

Hat man diese Möglichkeit nicht gibt es eine behelfsmäßige Methode, um den Rotpunkt grob zu justieren. Dazu spannt man nach dem Einschießen des Zielfernrohres die Waffe nach Möglichkeit ein. Je nach größe des Rotpunktes klebt man nun als Hilfsmittel einen farbigen Kreis auf die Zielscheibe, so dass dieser auf 100 m vom Rotpunkt vollständig abgedeckt werden kann. Diesen Kreis visiert man mit dem Zielfernrohr ebenfalls mittig an, und fixiert nach Möglichkeit im Anschluss die Waffe. Nun korrigiert man den Rotpunkt dahingehende, dass er auf 100 m den Zielkreis mittig voll abdeckt. Beide Visierlinien der Optiken sollten sich damit auf 100 m schneiden. Dies hat zur Folge, dass die Waffe mit dem Rotpunkt auf größere Entfernungen bis 100 m eine ähnliche Treffpunktlage beim Schießen mit den Rotpunktvisier aufweist. Das Reflexvisier kann damit bereits als Fluchtvisierung genutzt werden, ohne dies wirklich eingeschossen zu haben. Die Schematische Abbildung verdeutlicht dies in der skizzierten Möglichkeit 3.

Sollte man die Waffe nicht fixieren können empfiehlt es sich einen zweite Person mit auf den Stand zu nehmen. Diese verstellt den Rotpunkt gemäß den Anweisungen des Schützen, der in der Zwischenzeit seinen Anschlag nicht ändert und abwechselnd beide Optiken überprüft.

Im Revier kann man nun diese Grobjustierung überprüfen und die Waffe auf unterschiedliche Entfernungen anschießen und so die Treffpunktlage ermitteln. Dazu stellt man in 30 m, 50 m und 100 m Scheiben ins Revier und überprüft die Trefferlagen des Rotpunktvisieres direkt vom Hochsitz aus.

Die dritte Möglichkeit bildet die Grobjustierung des Rotpunktvisieres mittels einer Laserpatrone. Bei dieser Methode sollte ebenfalls eine zweite Person anwesend sein. Ebenfalls sollte sie in der Dämmerung oder Dunkelheit durchegührt werden. Dazu wählt man seine gewünschte Entfernung und stellt dort eine Scheibe auf. Man lädt die Laserpatrone ins Patronenlager und richtet die Waffe auf die Scheibe. Die zweite Person dient zur Unterstützung den Laser auf der Scheibe zu markieren, falls der Punkt vom Schützen nicht erkannt werden kann. Der Schütze stellt nun den Rotpunkt auf die Laserpunkt auf der Scheibe ein. Durch die gestreckte Flugbahn des Geschosses ist diese Grobjustierung bei Entfernungen von 100 m in der Regel völlig ausreichend, damit das Reflexvisier* seinen Zweck erfüllt. Besonders vorteilhaft entpuppt sich diese Methode bei einer Entfernung von 30 m, da man sie binnen 2 Minuten selbst durchführen werden kann und keinen Schuss abgeben werden muss. Zur Überprüfung wiederum kann man die Trefferpunkt im Revier kontrollieren.

Hinweise

An dieser Stelle sei ebenfalls darauf hingewiesen, dass man bei der Arbeit mit dem Laser aus Sicherheitsgründen nie Personen oder Fahrzeuge anvisieren sollte. Hier besteht die Gefahr Mitmenschen zu blenden die die Augen zu verletzten.

Als zweiten Hinweis möchten wir für noch Ungeübte den Hinweis aussprechen, das Offset nicht zwingend durch eine seitliche Anbringung des Reflexvisieres am Zielfernrohr zu verringern. Die Auswirkungen auf die jagdlichen Situationen sind dabei minimal. Die Schwierigkeit für den Schützen liegt dabei im sich verändernden Anschlag, der bei noch weniger versierten Schützen oft zu Lasten der Präzision führt.

Fazit

Aufgrund des großen Offsets und der Größe des Zielpunktes erfüllen die vorgestellten Methoden zum Einschießen von Twinsight Montagen für das schnelle Auffassen und Schiessen bei der Bewegungsjagd auf bis zu maximal 100 m ihren Zweck. Wichtig ist dass man sich zunächst über die Entfernungen im Revier Gedanken macht und die Auswirkungen des Zielvorganges auf davon abweichenden Entfernungen beachtet. Für das Justieren des Rotpunktvisieres kann es empfehlenswert sein eine Laserpatrone* zur Verfügung zu haben, da man so schnell und einfach daheim den Rotpunkt als Fluchtvisierung einstellen kann.

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