Team DJB fragt nach! Das Experteninterview mit Dr. Christian Neitzel

InterviewHerr Dr. Christian Neitzel ist Unfallchirurg im Bundeswehrkrankenhaus Westerstede. Nebenberuflich arbeitet er als Waffensachverständiger und freier Autor für Jagdzeitschriften. Im Jahr 2014 hat Dr. Neitzel ein Buch mit dem Titel „Jagd mit Schalldämpfer“ veröffentlicht und einige Artikel zu diesem Thema in diversen Jagdmagazinen geschrieben. Die Artikel stellt Dr. Neitzel auf seiner Homepage kostenlos zur Verfügung. Neben Martin Erbinger, der das Geleitwort zu Dr. Neitzels Buch geschrieben hat, ist er der deutsche Experte für den Einsatz von Schalldämpfern auf der Jagd und steht uns heute Rede und Antwort zu diesem Thema.

Team DJB: Guten Tag Herr Dr. Neitzel, als Experte für den Einsatz von Schalldämpfern auf der Jagd, können Sie auf eine jahrelange Erfahrung zurückblicken. Wir hoffen, dass wir in unserem heutigen Gespräch mit vielen Mythen aufräumen und den Lesern einen Überblick über den Nutzen von Schalldämpfern geben können.

Könnten Sie uns zum Einstieg Erläutern, um was es sich bei einem Schalldämpfer aus technischer handelt?

Dr. Neitzel: Wenn das Geschoss die Mündung verlässt, können die mit einem Druck von vielen hundert barSchnittmodell Schalldämpfer gespannten Gase plötzlich aus dem Lauf austreten und verursachen den Mündungsknall. Ein Schalldämpfer stellt letztlich im Wesentlichen eine Kammer vor der Laufmündung dar, in der dieser enorme Gasdruck sich erstmal entspannen kann, bevor er dann aus dem Schalldämpferkörper austritt. Dadurch wird der Mündungsknall erheblich leiser. Neben der reinen Entspannung spielen auch andere Effekte eine Rolle. So verwirbeln Blendenkonstruktionen den Gasstrom und strecken dadurch den Gasaustritt über einen längeren Zeitraum. Und die Erwärmung des Dämpferkörpers ist gleichbedeutend mit einer Abkühlung der Gase, was wiederum physikalisch einer Minderung des Druckes entspricht. Schalldämpfer erreichen so eine deutliche Reduktion des Schalldruckes. Dennoch sind die Schüsse immer noch laut zu hören – ihnen fehlt nur die schmerzhafte Lärmspitze.

Team DJB: Wie schädlich ist die Lärmbelastung des Schützen aber auch die des Jagdhundes bei der Schussabgabe und wie können diese Lärmbelastungen effektiv gemindert werden?

Dr. Neitzel: Die Schädlichkeit des Schusslärmes aus nächster Nähe wird von den meisten Jägern erheblich unterschätzt! Auf das Schützenohr wirken selbst bei eher schwachen Patronen, wie der .222 Remington, Schalldruckpegel von 150-160 Dezibel ein. Medizinisch ist es unstrittig, dass ab einem Grenzwert von 140 Dezibel selbst kürzeste Lärmexpositionen Gehörschäden nach sich ziehen können. Ab 150 Dezibel sind Gehörschäden eigentlich unvermeidlich. Das bedeutet natürlich nicht, dass man mit einem einzelnen Schuss schlagartig taub wird. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass bei jedem ungeschützten Schuss ein Teil des Gehörs unwiederbringlich kaputt geht. Das liegt an den empfindlichen Haarzellen in unserem Innenohr, die ganz ähnlichHaarzellenschädigung aussehen wie die Halme eines Getreidefeldes. Werden sie durch Schallwellen bewegt, nehmen wir das als Geräusche wahr. Wenn extremer Lärm auf sie einwirkt, können die Haare abgebrochen oder ausgerissen werden, und letztlich stirbt die Haarzelle ab. Da es sich um Nervenzellen handelt, kann unser Körper entstandene Schäden nicht heilen. Durch Lärmeinwirkung abgestorbene Zellen sind für uns also für immer verloren. Irgendwann werden die entstandenen Schäden so groß, dass es zu Schwerhörigkeit oder Tinnitus kommt. In seltenen Einzelfällen kann es auch bei einzelnen Schüssen schon zu einer schwerwiegenden Schädigung kommen. Wer ohne Schutz schießt, handelt also äußerst fahrlässig! Dankenswerterweise findet diese Tatsache immer mehr Beachtung, und die Zahl der Jäger, die auch auf dem Ansitz Gehörschutz tragen, steigt. Noch effektiver schützen allerdings Schalldämpfer. Sie sind dem Gehörschutz nicht nur in der Effektivität der Lärmminderung überlegen, wie verschiedene wissenschaftliche Studien zeigen konnten, sondern können auch nicht vergessen werden, verrutschen oder durch Bart oder Brille in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden. Schalldämpfer verringern den Schalldruckpegel je nach Modell um 20 bis 30 Dezibel. Eine Reduktion von 20 Dezibel ist gleichbedeutend mit einer Minderung des auf das Ohr einwirkenden Schalldruckes um 90%. Es fällt leicht, den außerordentlichen Schutzeffekt für das Gehör schon bei den weniger leistungsstarken Dämpfern zu erkennen.

Team DJB: Das Bedeutet, der „James-Bond-Mythos“ eines völlig lautlosen Schusses ist nicht ohne weiteres zu erreichen. Auf welches Minimum kann man den Schussknall durch den Einsatz von einem Schalldämpfer regulieren?

Dr. Neitzel: Ein schallgedämpfter Schuss ist einen Meter neben der Mündung immer noch 140-150 Dezibel laut, am Ohr kommen etwa 130-140 Dezibel an. Das entspricht dem Niveau der Schmerzschwelle unseres Gehörs und ist damit alles andere als leise. Anders ausgedrückt: Würde der Schusslärm deutlich länger anhalten, würden wir uns vor Schmerzen am Boden winden. Nur die Tatsache, dass die Lärmexposition mit 1,5 Millisekunden ultrakurz ist, lässt sie vorbeigehen, bevor wir richtig darauf reagieren können. Zum Vergleich: Ein Presslufthammer erreicht mit dem gleichen Abstand etwa 110 Dezibel.

Neben dem Mündungsknall entsteht durch das mit Überschallgeschwindigkeit fliegende Geschoss auch der Geschossknall, ähnlich wie bei einem Düsenjäger. Er wird vom Projektil während seines gesamten Fluges ununterbrochen erzeugt, der Schalldämpfer hat also keinen Einfluss darauf. Dieser Knall ist aus einem Abstand von 10 Metern etwa 140 Dezibel laut. Alle auf Schalenwild gemäß der Vorgaben des Bundesjagdgesetzes taugliche Munition fliegt mit Geschwindigkeiten, die weit im Überschallbereich liegen.

Nur wenn man Unterschallmunition nutzt, kann man deutlich leiser schießen. Diese Munition hat allerdings nicht nur eine Mündungsenergie, die bei allen gängigen Kalibern deutlich unter 1000 Joule liegt und somit nicht einmal für Rehwild erlaubt ist. Ihre Flugbahn gleicht auch eher einem Mörsergeschoss: die GEE bei Unterschallmunition liegt bei 70 Meter. Wer deutlich darüber hinausschießen will, ist zwingend auf einen Laserentfernungsmesser angewiesen und muss seine Ablagen sehr genau kennen. Der ganze Aufwand ist allerdings nicht viel Wert: speziell für heimliche leise Schüsse mit Unterschallmunition ausgelegte Scharfschützengewehre, wie das G 25 der Bundeswehr oder das DSR-1 der Bundespolizei, erzeugen einen Meter neben der Mündung damit noch einen Schalldruckpegel, der über 120 Dezibel liegt. Das nahezu lautlose „Plopp“, das jeder beim Gedanken an Schalldämpfer aus den Hollywood-Filmen vor Auge hat, ist also Quatsch.

Team DJB: Was sind die rechtlichen Voraussetzungen in Deutschland, um an ein Nutzungsrecht für Schalldämpfer zu gelangen und wann kann man dies beantragen.

Dr. Neitzel: Schalldämpfer unterscheiden sich waffenrechtlich eigentlich nicht von anderen Waffen, das Waffengesetz stellt sie ihnen sogar explizit gleich. Wer also einen Schalldämpfer für sein erlaubnisfreies Luftgewehr erwerben will, kann das ohne Genehmigung im Waffenladen tun. Der Erwerb eines Schalldämpfers für eine genehmigungspflichtige Schusswaffe dagegen bedarf ebenfalls der Genehmigung. Hier sind die üblichen Voraussetzungen zu erfüllen: Zuverlässigkeit, Sachkunde und ein Bedürfnis. Zuverlässigkeit und Sachkunde sind beim Legalwaffenbesitzer ja gegeben. Problematisch ist das Bedürnfis. Nach der gängigen Rechtsprechung muss der Antragsteller nachweisen, dass ein Schalldämpfer für seine Jagdausübung erforderlich ist. Es reicht also nicht, damit zu argumentieren, dass er nützlich oder sinnvoll ist. Leider lenkt die Waffenverwaltungsvorschrift des Bundesinnenministeriums die ausführenden Waffenbehörden hier zwangsläufig in Richtung Ablehnung, indem sie ihnen auferlegt, Genehmigungen nur in absoluten Einzelfällen zu erteilen.

Diese „nachgewiesene Unumgänglichkeit“ ist in der Fläche Deutschlands derzeit meist nur über einen bereits vorhandenen Gehörschaden erreichbar, was natürlich grotesk ist: um mein Gehör schützen zu dürfen, muss ich es zuerst schädigen. Der mittlerweile in Deutschland häufigste Genehmigungsgrund ist eine arbeitsschutzrechtliche Regelung in der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung, nach der Lärm über 137 Dezibel an der Quelle gedämpft werden muss. Beschäftigte, also Angestellte oder Beamte, zu deren Aufgaben die Jagdausübung gehört, bekommen damit z. B. in Brandenburg, Schleswig-Holstein, Hessen oder Rheinland-Pfalz mittlerweile regelmäßig Erlaubnisse erteilt, während die Waffenbehörden in Nordrhein-Westfalen angewiesen sind, auch in diesem Fall keine Genehmigungen auszustellen. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Jagdgesetze der Länder Bayern, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ein sachliches Verbot für die Jagd mit Schalldämpfern enthalten. Wer in einem dieser Länder jagen geht, kann also per definitionem kein Bedürfnis begründen, schließlich dürfte er mit dem Dämpfer ja nicht jagen gehen. Es bleibt zu hoffen, dass diese antiquierten Regelungen in den nächsten Novellen gestrichen werden. Das Saarland hat dies im April 2014 bereits getan und damit die Zeichen der Zeit erkannt.

Der Grund für die restriktive Genehmigungspraxis ist letztlich eine Urangst vor dem lautlosen Schuss. Quer durch alle Urteilsbegründungen fällt dem Sachkundigen immer wieder auf, dass die an den Verhandlungen Beteiligten offenbar nie einen Schuss aus einer schallgedämpften Waffe gehört hatten. Entsprechend aus der Luft geholt sind die Ablehnungsgründe. Die immer wieder zitierte „Deliktrelevanz“ von Schalldämpfer die eine erhebliche „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ bedeuten würde, ist offenbar nicht mehr als eine bloße Behauptung. Auf mehrere Anfragen, die ich diesbezüglich bei Behörden gestellt hatte, kam jedenfalls keine Substanz. Und in einem bemerkenswerten Urteil am Verwaltungsgericht Freiburg, das gerade rechtskräftig geworden ist, war das Gericht unvoreingenommen genug, die richtigen Fragen zu stellen. Das zu einer diesbezüglichen Stellungnahme aufgeforderte LKA Baden-Württemberg musst einräumen, dass nach Auskunft des BKA keine besondere Gefährlichkeit von Langwaffen-Schalldämpfern zu erkennen ist. Dies ist bahnbrechend, weil es der derzeitigen Verwaltungspraxis den Boden unter den Füßen wegzieht und uns ein sicherlich sehr spannendes Jahr 2015 mit einigen Umbrüchen in dieser Hinsicht bescheren wird.

Jagd mit SchalldämpferTeam DJB: Nun haben wir einiges zu den technischen Hintergründen und den rechtlichen Voraussetzungen für den Einsatz von Schalldämpfern erfahren. Wie soll der Schalldämpfer Ihrer Meinung nach jagdlich genutzt werden und welche Vor-/ Nachteile bringt die Jagd mit Schalldämpfer mit sich?

Dr. Neitzel: Ich möchte auf den Dämpfer bei der Jagd nicht mehr verzichten. Wenn die Situation es erfordert, verzichte ich jetzt guten Gewissens auf Gehörschutz. Bei Drückjagd empfinde ich es als äußerst wertvoll, mein natürliches Hörgefühl mit einem exakten Richtungshören nutzen zu können, ohne mir beim Schießen die Ohren zu zerstören – das gleiche gilt beim Pirschen, wo man mit Gehörschutz einfach nicht zurechtkommt. Wenn die Situation es erlaubt, z. B. beim Ansitz, setze ich dennoch zusätzlich den Gehörschutz vor dem Schuss auf. Was mir mittlerweile fast noch wichtiger als der Lärmschutz geworden ist, ist die Reduktion von Rückstoß und Mündungsfeuer. Es ist ganz erstaunlich, wie angenehm sich Jagdwaffen mit Schalldämpfer schießen. Ein wirklicher Augenöffner war ein von mir veranstaltetes Seminar im letzten Herbst, bei dem die Teilnehmer mit gedämpften Waffen schießen und jagen konnten. Mehr aus Spaß haben wir auf dem Schießstand ab und zu die Dämpfer von den Waffen geschraubt – der Unterschied war genauso unerwartet wie gewaltig für alle Anwesenden. Man merkte erst einmal, was man sich eigentlich mit einem ungedämpften Schuss so antut, nicht nur als Schütze, sondern auch, wenn man einfach nur in der Nähe stand.

Ein weiterer Vorteil von Dämpfern ist die Präzisionsverbesserung. Beim ungedämpften Schuss holen die aus der Mündung austretenden Gase das Geschoss ein und verwirbeln am Geschossheck. Diese chaotischen Einflüsse bewirken minimale Änderungen in der Flugbahn, die einen guten Teil zur Streuung auf der Scheibe beitragen. Ein Schalldämpfer verzögert diesen Gasausstrom so, dass das Geschoss nicht mehr erreicht wird und damit erheblich gleichmäßiger fliegt.

Wo Licht ist, ist natürlich auch Schatten: Schalldämpfer verlängern die Waffe und erhöhen ihr Gewicht. Es gibt Schalldämpfer, die sich mit einem Teil ihrer Konstruktion über den Lauf stülpen und so kürzere Baulängen erreichen. Diese Teleskop- oder over barrel-Schalldämpfer verlängern die Waffe meist um ca. 12-15 Zentimeter, während normale Dämpfer meist 18-20 Zentimeter mehr bedeuten. Modelle aus leichten Materialien, wie Alu oder Carbon, wiegen meist um 300 Gramm und beeinflussen die Waffenbalance kaum spürbar. Dämpfer aus Stahl dagegen sind etwa 500 Gramm schwer und führen zu einer deutlichen Kopflastigkeit, sind dafür aber vergleichsweise günstig und sehr robust.

Je nach Durchmesser und Länge des Dämpfers wird die offene Visierung verdeckt, meist muss sie ohnehin für die Anbringung des Mündungsgewindes nach hinten versetzt oder entfernt werden.

Team DJB: Im Internet kursiert viel gefährliches Halbwissen zum Thema Schalldämpfer. Unter anderem wird behauptet, dass Wild durch den Einsatz von Schalldämpfern heimlich oder gar aus dem Revier vergrämt wird. Können Sie uns Ihre Erfahrungen in Bezug auf die Wirkung von Schallgedämpften Schüssen darstellen?

Dr. Neitzel: Ich stoße immer wieder auf zwei Erwartungshaltungen, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Und erstaunlich oft sind bei Skeptikern beide nebeneinander vorhanden! Zum einen wird wie angesprochen befürchtet, dass das Wild durch die Jagd mit Schalldämpfer heimlich wird. Und zum anderen wird befürchtet oder gehofft – je nach jagdlicher Ideologie – dass Abschüsse bis ins Unermessliche zu steigern sind und die Ausrottung des Wildbestandes droht. In dieser Absolutheit ist das natürlich alles Quatsch. Die Vorstellung, dass Wild würde durch leisere Schüsse heimlicher werden, entbehrt jeder logischen Grundlage. Selbst wenn schallgedämpfte Schüsse unhörbar wären: Wieso sollte es Angst vor etwas haben, das es gar nicht hören kann, aber den infernalischen Lärm eines ungedämpften Schusses gleichmütig hinnehmen? Im Vorarlberger Land in Österreich werden derzeit reihenweise Ausnahmegenehmigungen für Schalldämpfer erteilt, weil die gedämpften Schüsse das Wild erheblich weniger beunruhigen und damit Schäden reduzieren helfen.

Wer verstanden hat, dass ein Schuss auch mit Dämpfer noch deutlich hörbar ist, kommt auch nicht mehr auf die Idee, dass man mit dem „lautlosen Schuss“ ganze Rudel oder Rotten Stück für Stück erlegen kann. Gerade bei der Jagd mit Schalldämpfer hört man auf einmal den Kugelschlag sehr gut und nimmt wahr, wie laut der Einschlag des Geschosses im Wild eigentlich ist. Und, wie vorhin schon angesprochen, erzeugt das fliegende Geschoss einen Knall von etwa 140 Dezibel. Den nimmt das Wild natürlich wahr, und im Regelfall nimmt es sofort die nächste Deckung an.

Bei weiteren Schussdistanzen ist aber der Mündungsknall durch das Wild kaum noch zu vernehmen. Weil sich der Geschossknall kegelförmig hinter dem fliegenden Projektil ausbreitet, fällt es den in der Nähe befindlichen Stücken schwer, den Ort der Schussabgabe zu lokalisieren. Es kommt daher im Freien immer wieder zu Situationen, wo das restliche Wild unentschlossen über die Fluchtrichtung ist, was ab und an einen weiteren Schuss erlaubt. In der Waldjagd wirkt sich ein Schalldämpfer also kaum aus, im Feld oder Gebirge wird bei weiteren Schussentfernungen gelegentlich ein weiteres Stück zur Strecke zu bringen sein. Hier bleibt abzuwarten, wie gut das Wild bei häufigerem Einsatz von Schalldämpfern lernt und sein Fluchtverhalten entsprechend anpassen kann. Meine eigenen Erfahrungen zeigen, dass ich in den allermeisten Situationen keinen Unterschied feststellen kann.

Team DJB: Zu guter Letzt möchten wir Sie bitten ein kurzes Statement oder ein beschreibendes Zitat zum Einsatz des Schalldämpfers bei der modernen Jagd zu geben.

Dr. Neitzel: Schalldämpfer sind ungefähr so modern wie ein Karabiner 98 – so lange gibt es sie nämlich schon. Sie sind übrigens dafür entwickelt worden, um Sportschießen ohne Belästigung der Nachbarschaft im eigenen Garten zu ermöglichen. Wer ihnen also vorwirft, Kriegsgerät zu sein, der sollte zuallererst seinen 98er überdenken. Auch der oft heruntergebetete Vorwurf, die Jagd mit Schalldämpfern sei nicht waidgerecht, ist überhaupt nicht nachzuvollziehen. Denn Dämpfer erhöhen nicht nur die Präzision der Waffe, sondern senken auch den Rückstoß und damit die Gefahr des Muckens. Beides garantiert, dass ein schnell tödlicher Schuss angetragen werden kann. Und durch das nahezu vollständige Schlucken des Mündungsfeuers bleibt die Adaptation des Auges an die Dunkelheit nahezu vollständig erhalten und erlaubt so das bessere Erkennen des Zeichnens und Abspringen des Wildes – und im schlechtesten Fall einen schnellen Folgeschuss. Man kann trefflich diskutieren, ob ein Schalldämpfer die Schönheit einer Jagdwaffe entstellt oder nicht – das ist letztlich Geschmackssache. An der Tatsache, dass sie erheblich zur waidgerechten Jagdausübung beitragen, besteht meiner Meinung nach aber kein Zweifel.

Dr. Christian Neitzel

Dr. Christian Neitzel

Dr. med. Christian Neitzel beschäftigt sich als Arzt und Waffensachverständiger intensiv mit dem Einsatz von Schalldämpfern. Er ist passionierter Jäger und führt eine Brandlbracke.

Speak Your Mind

*