Die hohe Kunst der Jagd – Hochgebirgsjagd auf Gamswild

Aus unserer Sicht ist die Hochgebirgsjagd auf Gamswild, sei es in Deutschland, der Schweiz oder gar Spanienen, die schönste Form des Waidwerkens. Die Jagd im Hochgebirge stellt den Jäger vor viele Herausforderungen: Aufstieg, Schuss oder Abstieg. All das macht diese Jagdart aber auch so spannend. Im folgenden Artikel möchten wir gerne näher auf die Jagd auf Gamswild eingehen und allgemeingültige Tipps zur Bejagung geben.


In Deutschland beginnt die Jagdzeit von Gamswild am 01. August und endet am 15. Dezember (andere Länder haben ähnliche Jagdzeiten). In einem abwechslungsreichen Jahr kann es passieren, dass in diese Zeitspanne drei Jahreszeiten fallen: Sommer, Herbst und Winter. Jede dieser Jahreszeiten hat ihren eigenen Charme und bringt andere Anforderungen an den Jäger und sein Pirschgeschick mit sich. Im weiteren Verlauf werden wir daher die Gamsjagd in die Jagd auf die sommerliche Gams und die Jagd auf Gamswild im Herbst und Winter aufteilen. Hier liegen die größten Unterschiede in der Bejagung.

Die Jagd auf die Sommergams

Die alten Gamsböcke und Gamsgeißen fangen im Frühjahr an ruhige Einstände in den hochgelegenen Waldregionen zu beziehen, um dort bis in den Winter hinein zu verharren. Der Sommer ist auch die Zeit des Scharwildes oder Geraffel bzw. Faselzeug. Dies sind die Gamsrudel, geführt von einer Kitzgeiß und bestehend aus führenden und nicht führenden Geißen sowie jungen Böcken bis zu einem Alter von zwei Jahren. Zudem findet man im Sommer häufig die mittelalten und älteren Böcke in Rudeln zusammengeschlossen umherziehend. Grundsätzlich kann man feststellen, dass Gamswild egal ob im Rudel oder einzeln ziehend, morgens aus den Einständen wechselt und äsend bis zum Mittag umherzieht, um am Nachmittag zu ruhen und erst gegen frühen Abend wieder aus den Einständen hervor zu treten.

Wie eingangs erwähnt, stellt die Hochgebirgsjagd im Sommer wie im Winter hohe Anforderungen an den Jäger. Diesen hohen Anforderungen kann der Jäger durch geeignete Ausrüstung besser gerecht werde. Wir haben selber oft die Erfahrung machen müssen, dass das Wetter im Hochgebirge schlagartig umschlagen kann. Aus diesem Grund ist ein gut gepackter Rucksack unumgänglich, zumal dieser auch als Gewehrauflage dienen kann. Neben dem Fernglas zum Ausmachen von Wild sollte man ein Spektiv mitführen, um das Wild im Gegenhang ansprechen zu können. Weiterhin benötigt man ein gutes Schuhwerk, mindestens knöchelhoch und mit torsionsteifer Sohle, sowie Fleece oder Softshells gegen Wind und Kälte. Neben den genannten Gegenständen braucht man eine auf die Hochgebirgsjagd abgestimmte Waffe mit einem rasanten Kaliber. Es empfiehlt sich noch einen Zielstock für den Schuss mitzunehmen. Da die Thematik Ausrüstung für die Hochgebirgsjagd sehr umfangreich ist wollen wir an dieser Stelle bei den Worten belassen. Wir werden in absehbarer Zeit einen gesonderten Artikel zu diesem Thema schreiben.

Zurück zur Jagd auf Gamswild: Die beste Zeit, um auf die sommerliche Gams zu Jagen ist der frühe Morgen und der späte Nachmittag. In dieser Zeit ziehen die alten Böcke und Geiße aus ihren Einständen und wechseln in äsungsreiche Gebiete. Anders verhält es sich mit den Geißrudeln, diese halten sich zu dieser Zeit eher in der Hochalm jenseits der Baumgrenze auf und meiden unruhige Landstriche gänzlich. Den meisten Jagderfolg verspricht frühes und nachmittagliches Ansitzen an Kesseln und Karren. Man sollte darauf achten, dass man sehr weite Einblicke in das Gelände hat, um das Wild frühzeitig anzusprechen und sich auf den Schuss vorzubereiten. Der Schuss im Hochgebirge hat besondere Anforderungen an den Jäger, weswegen dieser gut vorbreitet sein muss. Mehr noch als im „Flachland“ muss man im Gebirge auf den Wind achten. Dieser ändert sich stetig und kann einem die gesamte Jagd vermiesen. Planen Sie Ihren Ansitz so, dass sie den Wind von vorne haben und an einer Stelle Ansitzen, wo sie nicht Gefahr laufen durch plötzliche Änderungen der Windrichtung verraten zu werden.

Für die Pirsch auf Gamswild gilt: Pirschen Sie nur, wenn Sie das Handwerk auch wirklich beherrschen. Gamswild äugt sehr schlecht aber windet sehr gut. Für die Pirsch auf Gamswild sind die Windrichtung und die Deckungsmöglichkeiten für den Jäger von wesentlicher Bedeutung. Lernen Sie das Gelände zu lesen. Bewegen Sie sich wie Wasser fließt und nutzen Sie jeden Felsbrocken als Sichtschutz. Beim Anpirschen auf Rudel ist besondere Vorsicht geboten, diese wechseln zum Schein, sprich Sie treten umher. Nur wenn das Rudel wirklich wechselt kann es angepirscht werden. Nutzen Sie die Zeiten zwischen den Wechseln, um das Wild anzusprechen und einen geeigneten Abschuss zu finden. Nachdem Sie ein geeignetes Stück gefunden haben, machen Sie sich Gedanken zum Schuss. Von wo kann ich Schießen? Woher kommt der Wind? Wie weit ist die Gams entfernt? Wo ist mein Haltepunkt? Wenn Sie alles beachtet haben, Waidmannsheil!

Zusammenfassung:

  • Ansitzen am Morgen und am späten Nachmittag, an bekannten Wechseln.
  • Lokalisieren des Wildes mit dem Fernglas, Ansprechen mit dem Spektiv.
  • Geraffel wird an Hochkesseln in der Hochalm am frühen Morgen bis zum frühen Vormittag gejagt.
  • Pirschen und Ansitzen nur, wenn der Wind passt!

Die Jagd auf die Wintergams

Die einsetzende Brunft Anfang November läutet die Jagd auf die winterliche Gams ein. Die sogenannte Bartgamszeit, ist die beste Zeit zur Jagd auf erntereife Gämse. Wer gerne eine schöne Trophäe „erjagen“ möchte hat bis ende Dezember die beste Gelegenheit dazu auf alte Böcke zu Jagen, die zu dieser Zeit die schönsten Gamsbärte haben. Aus diesem Grund nennt man die Jagd zu dieser Zeit auch Gamsbartpirsch. Der Bock wechselt in der Regel von Rudel zu Rudel und trägt heftige Revierkämpfe mit Rivalen aus.

Die Zeit vor der Brunft ist ideal geeignet, um auf geringe Stücke zu jagen. Die Scharwildrudel finden sich an den Brunftorten ein und man kann die Bewegung des Gamswildes nutzen, um dieses anzupirschen. Aber eines sei gesagt, die winterliche Jagd auf Gams hat ihre ganz besonderen Anforderungen an die Kondition und Ausrüstung des Jägers. Jeder sollte sich selber fragen, wieviel er sich zumuten will. Lange Aufstiege in unwegsamen Gelände und plötzliche Wetterumschwüngen sind in dieser Jahreszeit die Regel.

Die Gamsbartpirsch läuft normalerweise in verschiedenen Phasen ab. Man beginnt mit dem Aufstieg meist durch bewaldetes Gebiet entlang der Pirschwege bis das Gelände offener wird. Sobald man bemerkt, dass Gelände öffnet sich, gilt es einen Beobachtungshalt einzulegen. Bei diesem Beobachtungshalt muss man mittels Fernglas und Spektiv versuchen Böcke und Rudel auszumachen und man sollte schon jetzt anfangen das Gelände zu beurteilen. Wie kann ich mich an die Rudel anpirschen? Ist die Entfernung zum Rudel zu groß, um sich richtig anzupirschen? Bietet das Gelände genügend Deckung? Kann ich das Wild, nachdem ich es geschossen habe ohne weiteres bergen?

Sollten Sie es nicht schaffen auf eine Schussentfernung innerhalb der Sie treffen an das Rudel heranzutreten, bleiben Sie an dem Ort wo sie sich befinden. In diesem Fall können Sie warten bis das Rudel evtl. weiterzieht oder ein Bock zwischen zwei Rudeln wechselt. An dieser Stelle sei nur kurz erwähnt, dass dies sehr lange Stunden werden können und meistens auch sehr kalte. Vorsicht ist angebracht, wenn sie Brunftlaute der Böcke hören können ohne diese zu sehen. Wild kann plötzlich auftauchen und eine Schussgelegenheit bieten. Neben den Bockabschuss muss natürlich auch Hege betrieben werden. Wenn Sie die Gelegenheit haben nahe an ein Rudel heranzutreten, nutzen Sie die Chance eine alte Geiß mit schwachen Kricken zu erlegen. Gerade bei der winterlichen Jagd gilt es besonderes Augenmerk auf den Schuss zu legen. Die veränderten Wetterverhältnisse der mühsame Aufstieg kann starken Einfluss auf den Schuss haben. In der Brunft stellt der Bock seinen Bart auf, dies kann dazu führen, dass man die Proportionen des Wildes falsch einschätzt und einen Krellschuss ansetzt. Prüfen Sie vor dem Schuss, ob Sie Gams nach dem Schuss bergen können? Wo fällt die Gams wahrscheinlich hin, wenn ich sie schieße? Eine solch erfolgreiche Jagd unter schwierigen Bedingungen stellt in der Tat die hohe Kunst der Jagd dar und ist ein außergewöhnliches Erlebnis.

Zusammenfassung:

  • Die beste Jagdzeit auf Geraffel ist die Zeit vor der Brunft.
  • Den besten Bart haben die Böcke ende November bis Dezember.
  • Die Tage im Winter sind sehr kurz. Zwar kann ganztägig gejagt werden, man sollte sich dennoch auf die Kernzeit vom Vormittag bis Nachmittag konzentrieren.
  • Ist die Entfernung zum Rudel zu weit, abwarten auf Wechseln des Rudels oder das Umherziehen der Böcke.
  • Schießen will geübt sein!

Comments

  1. Christoph Pirker says:

    Prima Artikel, lieber Waidgenosse!

    Kleine aber wichtige Ergänzung:
    Schieße nie eine Gams am Nachmittag, wenn Du nicht für eine Übernachtung
    im Hochgebirge ausgerüstet bist! Plane immer den Abstieg bei Helligkeit.
    Keine Lampe kann Tageslicht für einen sicheren Abstieg ersetzen.
    Für den Notfall empfiehlt sich eine LED-Stirnlampe.
    Und: mit einer Alu-Kraxe trägt sich ein 35-Kilo-Bock leichter.
    Dass kein vernünftiger Mensch alleine in die Berge steigt, ist wohl den
    meisten klar.

    Waidmannsheil, C. Pirker

    • Michael Gast Michael Gast says:

      Sehr geehrter Waidgenosse,

      vielen Dank für das Feedback! Wir freuen uns immer über ergänzende Kommentare von anderen Waidmännern. Ich habe Ihre Punkte verstanden und werde diese in den Artikel einarbeiten oder einen ergänzenden Artikel mit dem Thema „Ausrüstung für die Hochgebirgsjagd“ schreiben, der ebenfalls nochmals die allgemeinene Verhaltensregeln im Berg erläutert. Sollten Sie interesse haben, werde ich den Artikel vor der Veröffentlichung an Sie weiterleiten, so dass ich Ihre Ergänzungen gleich aufnehmen kann.

      Waidmannsheil

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