Jagdhundewesen – Die Jugendprüfung und ihre Vorbereitung

(MB) Nachdem wir einige Ausführungen zur Gewöhnung unseres Welpen an Wild und die Förderung seiner jagdlichen Anlagen geschrieben haben, möchten wir im folgenden Artikel tiefer auf die jagdlichen Anlagen unseres Jagdhundes und deren Beurteilung mittels einer Jugendprüfung eingehen.

Vorab ein Hinweis: So vielfältig wie unsere Rassehundeverbände sind, so vielfältig sind auch die Bezeichnungen für die Feststellung und Beurteilung der Anlagen unserer Hunde für die Zucht und für den Hundeführer selbst. So heißt es zum Beispiel Verbandsjugendprüfung (VJP), Zuchtprüfung (ZP), Anlagenprüfung (AP), Spurlautprüfung (SP), usw.

An einer solchen Prüfung sollten Sie auf jeden Fall teilnehmen. Sie zwingt Sie dazu mit dem Hund zu arbeiten. Zu guter Letzt bestätigt die Jugendprüfung, die Art des Lautes, Schussfestigkeit und ist auch Zeugnis züchterischer Leistung. Man kann nicht durchfallen aber man kann schlecht abschneiden, wenn man nicht vorbereitet ist. Selbst ein Naturtalent von Jagdhund wird sein Können zeigen, aber die Richter möchten auch den allgemeinen Gehorsam und die Führigkeit, sprich das Gespann Jäger und Hund beurteilen.  Beschäftigen Sie sich bitte je nach Hunderasse mit der jeweiligen Prüfungsordnung. Da werden aus „böhmischen Dörfern“ dann klare Bilder.

Vorbereitung auf die VJP

Im Fall unseres jungen Deutsch Drahthaar Welpen Alba war es die Vorbereitung auf die Verbandsjugendprüfung, die die letzten Wochen geprägt hat. Die bereits erwähnte Hasenspur gestaltete sich schwierig, da selbst in hasensicheren Revieren kein Hase in Anblick kam. Beim Übungstag einer Arbeitsgruppe gestaltete sich die Witterung als Gegner sinnvollen Arbeitens. So kam es, dass zwei eher zufällige Begegnungen mit Hasen aber den Erfolg brachten und zeigten, dass der Welpe im Fach Hasenspur durchaus einen guten Spurwillen und vor allem den für mich als überwiegenden Waldjäger notwendigen Spurlaut zeigte. Nun musste noch die Suche (Quersuche auf dem Feld), das Vorstehen und der Gehorsam gefestigt werden.

Quersuche

Die Quersuche ist eine selbständige zielgerichtete Arbeit des Hundes auf dem freien Feld. Nicht zu verwechseln mit dem Stöbern! Durch die freie Suche soll der Hund Wild finden und bestenfalls durch Vorstehen anzeigen. Einfaches Szenario: Wir vermuten Fasan oder Rebhuhn in ca. 50 Meter Entfernung vor uns im deckungsreichen Gelände. Der Hund wird geschickt um zu finden, Wild anzuzeigen und uns zu guter Letzt einen sicheren Schuss auf unsere Beute abzugeben. Dabei soll der Hund in der Breite und nicht in der Tiefe des Raumes arbeiten. Wir denken immer an Zusammenarbeit Hund- Mensch und die bekannte Schrotschussentfernung. Alles außerhalb bringt keinen Vogel in den Kochtopf. Nun kann man mit Recht sagen, dass die Stückzahl erlegten Niederwildes leider massiv gesunken ist. Jedoch für die Arbeit mit dem Hund spielt es am Ende keine Rolle, ob ich einen Fasan oder einen Frischling jagen möchte. Entscheidend ist der zuverlässige Hund beim Finden und anzeigen von Wild.

Vorstehen

Das Vorstehen gestaltet sich für Erstlingsführer meist als ungewisse Disziplin. Nicht jeder Hund steht an einer Reizangel vor. Unser Welpe hat dies auch nicht getan. Bei Wildwitterung im Revier allerdings schon und das ist das was wir für den Jagdbetrieb wünschen. Um sich räumlich und zeitlich für die Ausbildung des Vorstehens unabhängig zu machen, bietet es sich an lebendes Federwild einzukaufen. Sei es eine Wachtel oder eine Taube oder ein Goldfasan. Was auch immer Sie erhalten können wird dem Ausbildungszweck dienen. Zum Vorstehen setzen Sie den Vogel in einen gesicherten Käfig und verstecken bzw. verblenden ihn im Gelände. Der Hund wird am langen Riemen ca. 30 Meter vor dem unsichtbaren Käfig mit Nackenwind zur Suche geschickt. Beobachten Sie ihren Zögling scharf. Nähert er sich dem Käfig und steht vor, dann ermuntern Sie ihn zum ruhigen Stehen. Der Hund soll nicht lernen die Beute zu greifen. Kommando „Steh“ oder ähnliches und der absolute Zwang die Beute nur anzuzeigen bringen den endgültigen Erfolg. Sollte ihr Hund „in die Beute springen“ üben und unterbinden Sie dies. Steht der Hund gut vor, üben Sie den gesamten Ablauf an wechselnden Orten ohne lange Leine. An der Reizangel kann das später notwendig werdende „Einspringen“ zum Hochmachen des Wildes in aller Ruhe geübt werden.

Gehorsam

Der Gehorsam macht dem einen oder anderen Hundeführer Kopfzerbrechen. Keine Angst: am Tag der Jugendprüfung wird nicht erwartet, dass ein voll durchgearbeiteter Hund den Tag antritt. Es geht aber im Wesentlichen darum, dass sie auf ihren Hund einwirken können. Bei der Schussfestigkeit müssen Sie ihren Hund schicken und heranrufen können. Während der freien Suche auf dem Feld sollte der Hund arbeiten und nicht das Spiel mit den anderen Prüflingen suchen. Wie gesagt, es geht einzig darum kein Störenfried für die anderen Teilnehmer zu sein, aber auch den Hund in der Nähe von Straßen oder Einständen heran rufen zu können. Üben Sie das am besten bereits während der gesamten Vorbereitung in einer Gruppe. Nutzen Sie die Zeit zum frei bei Fuß gehen, ablegen oder auch nur zur Leinenführigkeit. Drehen und wenden Sie sich abrupt. Fordern Sie die Aufmerksamkeit ihres Hundes ein! So steigern Sie nach dem Stubengehorsam und dem Gehorsam im Revier erneut die Ablenkungen die auf ihren Hund wirken.

Wenn der Prüfungstag herangerückt ist, wird man entsprechend aufgeregt und auch verunsichert sein. Ein Hund ist keine Maschine. Erinnern Sie sich einfach daran, dass Sie den gleichen Hund mit nach Hause nehmen werden, mit dem Sie angereist sind. Scheuen Sie sich nicht die anderen Teilnehmer oder natürlich auch das Richtergremium bei Unklarheiten zu fragen. Die Prüfung wird ausgewertet und es werden etwaige Einwände vor Ort besprochen. In der Regel sollte dies fair ablaufen. Es kommt leider nicht selten vor, dass sich Hundeführer schlecht behandelt oder beurteilt fühlen. Suchen Sie die Ursache zusammen mit den Richtern. Das sind mindestens drei plus Obmann und ab und zu sind auch Richteranwärter dabei. Da sollte ein Maß an Objektivität gegeben sein.

Tipps für die stressfreie Prüfung

Zum Abschluss möchten wir noch ein paar Tipps zum Prüfungstag selbst geben. Reisen Sie stressfrei und rechtzeitig an. Denken Sie an die Unterlagen wie den Impfausweis und den Jagdschein. Die Ahnentafel benötigen Sie ebenfalls. Waffe und Munition sind je nach Veranstalter auch gefordert. Denken Sie an ausreichend Wasser, Belohnungshappen, Hundepfeife, Gehörschutz, Gummistiefel und auch mehrere Leinen. Empfehlenswert ist es auch Wasser und einen kleinen Imbiss mit auf die Streife zu nehmen. Bei trockener Witterung und schlechtem Hasenbesatz sind schnell mehrere Stunden Pirschgang normal. Da freuen Sie und Ihr Hund sich über etwas Wasser und Nahrung und erhalten die Motivation.

Planen Sie zeitlich auch den gesamten Tag ein. Der Schreibkram nach der Prüfung und auch der viel zu häufig vernachlässigte gesellige Teil werden Sie bis in den späten Nachmittag begleiten. Es ist daher nicht sinnvoll Terminen im Anschluss an die Prüfung eine Priorität einzuräumen. Nutzen Sie die Gelegenheit mit den anderen Teilnehmern ein Übungsnetzwerk auf- und auszubauen. Wenn der Hund gut läuft, können Sie ohne weiteres weiter machen.

Albas Ergebnis

Wir für unseren Teil hatten einen erfolgreichen Tag. Das Ergebnis mit 72 Punkten bei der VJP kann  sich sehen lassen und motiviert natürlich. Nun gilt es weiter zu arbeiten. Vor der Herbstzuchtprüfung steht eine Schweißprüfung an. Sobald die Witterung es zulässt beginnt die Arbeit am Wasser. Hier wird sich zeigen, ob der junge Hund für weitere Prüfungen im Rahmen des Vorstehhundseins geeignet ist, denn die Schussfestigkeit am Wasser hat schon manchen guten Jagdhund einen treuen Begleiter bleiben lassen, aber für die Zucht der Rasse leider keine Verwendung gebracht. Wir lassen uns mit dem Wissen um die Individualität eines jeden Einzelnen überraschen.

Prüfungszeugnis einer Jugendprüfung VJP

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