Nicker, Saufeder, Hirschfänger und Standhauer – Die kalten Jagdwaffen

Ist in der Jägersprache von blanken oder kalten Waffen die Rede, handelt es sich nicht um Hieb- oder Stichwaffen, sondern um jagdliche Gebrauchs- oder Ziergegenstände. Einige der traditionellen kalten Waffen sind noch heute bei der Versorgung der Stücke im jagdlichen Gebrauch zu finden. Wir stellen hier einen grundlegenden Überblick der traditionellen, blanken Waffen zur Verfügung und beschreiben deren Verwendung.

Messer für den jagdlichen Gebrauch erfüllen vom Abfangen bis zum Zerwirken vielfältige Arbeiten im Revier. Grundsätzlich sind hierfür alle stabilen Messer geeignet. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Jagdmesserformen für unterschiedliche Anwendungszwecke im jagdlichen Alltag herausgebildet. Die derzeit gebräuchlichsten blanken oder kalten Waffen sind:

  • Waidmesser, Knicker oder Nicker
  • Waidblatt oder Standhauer
  • Jagdtaschenmesser
  • Hirschfänger und Saufänger
  • Saufeder
  • Skinner

Der Jagdnicker

Der Nicker ist das wohl gebräuchlichste Jagdmesser. Der Begriff stammt von dem Wort Abnicken, womit das Durchtrennen des Genicks eines Tieres durch einen Stich in den Nacken oberhalb des oberen Halswirbels (Atlas) gemeint ist. Die eigentliche Aufgabe des Jagdnickers ist allerdings im Verlauf der Jahre mehr und mehr in den Hintergrund getreten. Zum einen werden heutzutage Fangschusswaffen verwendet, zu anderen werden Jungjäger nicht mehr im Abnicken von Wild ausgebildet. Der Jagdnicker wird dennoch weiterhin als Jagdmesser von vielen Jägern genutzt und ist wahrscheinlich das am meisten genutzte Jagdmesser. Durchgesetzt haben sich Jagdnicker mit einer Spitzen etwa 8 – 15 cm langen feststehenden Klinge, zum Aufbrechen und Versorgen von Wild. Am Klingenboden ist meist eine kurz gefasste Parierstange vorhanden. Moderne Jagdnicker sind vielseitig einsetzbar und haben meist einen Griff aus Kunststoff oder Micarta, um eine einfache Reinigung zu ermöglich. Traditionelle Jagdnicker haben einen Horngriff und eine Steckscheide aus Leder und werden in der Nickertasche der Lederhose getragen.

Hirschfänger und Saufänger

Der Begriff Hirschfänger ist in seiner Bedeutung stark an den Brgiff Abfangen angelehnt. Das Töten von Wild ist damit der einzige Zweck dieser Kaltwaffe. Die Klinge des Hirschfängers ist speziell dafür geschaffen und optimiert. Sie ist ca. 20 cm lang und hat eine mittig sitzende Spitze. Eine Blutrinne ergänzt die beidseitig zugeschliffene Klinge. Die Spitze des Hirschfängers sollte nicht spitz, sondern rund geschliffen sein damit die Spitze nicht in Knochen hängen bleibt. Grundsätzlich unterscheidet man zwei verschiedene Formen des Hirschfängers: Den französischen und den deutschen Hirschfänger. Der französische Hirschfänger hat am Griff ein normales Parierstück und ist ca. 5cm kürzer als der deutsche. Der deutsche Hirschfänger hingegen besitzt einen Handbügel und hat eine Mindestlänge von 20 cm. Früher wurde der Hirschfänger dem Jäger nach seiner dreijährigen Ausbildung überreicht. Heute beschränkt sich seine Verwendung lediglich auf diesen Symbolcharakter. Die häufigste Kritik am Hirschfänger ist, dass die Klingenbreite mit 4 cm zu gering sei, um Stücke waidgerecht zu strecken. Moderne Hirschfänger können daher mit breiteren Klingen erworben werden (vgl. BOTHE, Das Messerbuch).

Der Saufänger ähnelt dem Hirschfänger. Laut des Niedersächsischen Verbands der Jagdaufseher ist er ein besonders für den Gebrauch geeignetes Messer: „Er ist ab einer Klingenlänge von 20 cm und länger geeignet, ordnungsgemäß zum Abfangen eingesetzt zu werden. Nur bei langer Klinge kann überhaupt das Herz erreicht werden. Eine ca. 5 Zentimeter breite und etwa 20 Zentimeter lange Klinge sind hier ein absolutes Muss, um ein schnelles Verenden des Stückes zu gewährleisten.“ Viele Jäger setzen erfolgreich preiswerte Messer mit einer langen, schweren, aber spitzen Klinge in Bowie-Form ein. Diese sollten bis zum Klingenrücken angeschliffen sein. Es ist ein großer Nachteil bei vielen Messern, wenn das vordere Drittel des Klingenrückens nicht angeschliffen ist, da dadurch das Eindringen durch Schwarte oder Winterdecke unnötig erschwert wird.

Waidblatt und Standhauer

Das Waidblatt stammt in seiner ursprünglichen Form vom Forstmeister Walter Frevert. Seine Entwicklung sah vor die Eigenschaften von Hirschfänger, Praxe und Standhauer in einem Messer zu vereinen. Speziell zum aufbrechen des Schlosses, dient das Waidblatt vor allem dazu Wild zu zerwirken. Auch für andere jagdliche Arbeiten, wie dem Freischlagen von Pirschwegen ist es einsetzbar. Dieses Jagdmesser hat eine meist sehr bauchige Spitze, ist dadurch sehr kopflastig und in der Folge gut für Schläge und Hiebe geeignet. Die Klinge traditioneller Waidblätter ist zwischen 20 und 25 cm lang. Der Griff aus Hirschhorn ist mit einem angebrachten Parierelement versehen. Das traditionelle Waidblatt ist aufgrund seiner Form weniger für Stiche oder zum Abfangen geeignet. Eine Kombination aus Waidblatt und einem auf der Scheide zusätzlich angebrachten Jagdnicker nennt sich Waidbesteck Variationen sind das Waidblatt von Carl Scholz oder das Waidblatt der Firma PUMA KNIVES.

Der Standhauer oder das preußische Faschinenmesser ist in seiner traditionellen Form heute ungebräuchlich. Ursprünglich als Infanteriewaffen zum Freischlagen von Schusskanälen und als Kurzschwert gedacht, fand das Faschinenmesser als Standhauer auch in der Jagd Verwendung. Bis vor wenigen Jahrzehnten wurde der Standhauer noch für Revierarbeiten und zum Abfangen genutzt. Moderene Standhauer, wie der der Firma Sauer, ähneln mit aufgesetzter Säge einer Combat-Machete. Der Standhauer nimmt eine Zwischenrolle zwischen den Stich- und Hiebwaffen ein. Somit kann er gleichzeitig ähnlich einem Hirschfänger zum Abfangen und ähnlich einem Waidblatt zum Zerwirken verwendet werden.

Die Saufeder

Früher wurde die Saufeder zum Erlegen von Wildschweinen benutzt. Sie besteht aus einer kräftigen Klinge, die breit ausgearbeitet ist und auf einem ca. zwei Meter langen Eschenschaft sitzt. Der Eschenschaft selber ist mit Lederriemen umwickelt, um eine gewisse Griffigkeit zu gewährleisten. Die Klinge besitzt einen hohen Mittelgrat, gelegentlich auch eine Blutrinne, um das Schließen des Brustkorbs zu verhindern und so die Sau durch einen Lungenkollaps verenden zu lassen. Das Parierelement unterhalb der Klinge soll ein zu tiefes Eindringen der Klinge in den Sauenkörper verhindern. Man verwendet Saufedern gelegentlich noch heute, weil durch den Einsatz von Fangschusswaffen der stellende Hund gefährdet wird. Man benutzt die Saufeder entweder von vorne und stößt direkt in die Halsgrube oder seitlich mit einem Stich schräg hinter das Schulterblatt in Richtung des Herzens der Sau.

Der Skinner

Der Skinner ist kein klassisches deutsches Jagdmesser. Diese Variante kommt aus dem angelsächsischen Raum. Der Name lässt selbstverständlich auf den Verwendungszweck schließen. Der Skinner ist hauptsächlich dafür gedacht Tiere abzufeisten bzw. aus der Decke zu schlagen. Damit beim Häuten der Tiere das Fell nicht verletzt wird, sind die Spitzen der Skinnerklingen stark nach oben gebogen oder haben eine kreisrunde Stummelspitze. Meist haben die Skinner zusätzlich eine Aufbruchklinge oder einen Aufbruchhaken.

Jagdtaschenmesser

Das Jagdtaschenmesser ist, ähnlich einem Schweizer Offiziermesser, ein Klappmesser mit vielen nützlichen Funktionen. Die damit erreichte Vielseitigkeit zeichnet dieses Jagdmesser aus. Aus dem Zusammenschluss der Firma WENGER und VICTORINOX ist beispielsweise eines der spannendsten praxisnahen Jagdtaschenmesser entstanden: Das WENGER Hardwoods 57*. Dieses Jagdtaschenmesser lässt keine Wünsche offen. Neben einer normalen Klinge zum Zerwirken von Wild hat das Messer eine Aufbrechklinge, sowie eine Säge und elf weiteren Funktionen. Für traditionsbewusste Jäger und Messerliebhaber gibt es natürlich auch Jagdtaschenmesser in Hirschhornausführung. Ein Jagdnicker, der mehrere Taschenmesserfunktionen in seinem Griffstück beinhaltet oder ein Klappmesser mit Hirschhornschale, sind die Folgeentwicklungen der letzten Jahre. Allerdings lassen sich alle Jagdtschenmesser schlecht reinigen und haben viele schwer zugängliche Stellen. Zudem haben die Messer oft eine sehr geringe Stärke und können bei Unachtsamkeit abbrechen. Als Gebrauchsmesser erfreut es sich dennoch großer Beliebtheit und ist multifuntkional einsetzbar.

Zusammenfassend kann man sagen, das kalte Jagdwaffen für jeden erdenklichen Zweck gibt. Nach wie vor finden blanke Waffen wie die Saufeder oder Hirschfänger vereinzelt eine jagdliche Anwendung. Auf dem Markt gibt es jedoch viele modene Entwicklungen, die die hier dargestellten traditionellen Waffen praxisnah weiterentwickeln, so dass sie in einer modernen Jagd eine effektivere Verwendung finden. Dies sollte man nicht aus den Augen verlieren. In folgenden Beiträgen werden wir diese Thematik vertiefen.

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