Leserartikel – Kaliberwahl

Liebe Waidgenossen,

zum Thema Kaliberwahl möchte ich meine Überlegungen und Erfahrungen für Jungjäger, Umsteiger und Neugierige darlegen, die helfen sollen die Kaliberwahl zu erleichtern.

Die meisten deutschen Jäger wollen für alles gerüstet sein, wählen also ein Universalkaliber. Die beliebtesten sind 7×64/65, 308, 3006, 8×57, zunehmend auch 270 W. Erfahrene Nachsuchenführer und Berufsjäger schießen kaum noch Kaliber unter 7 Millimeter.

Diese Kaliber sind für alle Wildarten in Mitteleuropa geeignet, wobei es unterschiedliche Vorzüge gibt: Wer dickere Sauen und Hirsche jagen will, wird auch etwas schwerere Geschosse verwenden, aus dickeren Kalibern, evt auf kürzere Distanzen, auch bis 9,3 mm.

Im Gebirge schießt man gerne schnellere Kaliber, deren Geschosse flacher fliegen wie 270 W, 6,5×68, 7×64, 8×68, oder seltener 7 Blaser Mag, 7 Remington Mag, wobei mit leichteren Geschossen auch das Kaliber 308 auf 400 Meter auf leichtere Hirsche gut wirkt. Die krummeren Flugbahnen machen heute Dank ASV (Absehensschnellverstellung) und Co. keine Probleme mehr.

Weitschusskaliber wie 300 WinMag u. ä. sind in den Alpen nicht sehr verbreitet. Berufsjäger, die häufig 6,5×57 verwendet haben, sind oft mit der 308 sehr zufrieden. Auf Gams reichen die 6,5er Kaliber 6,5×55, 6×57, die 7×64/65 und 270 W sowieso.

Nur wer in fernen Gebirgen auf Steinwild oder Wildschaf jagt, braucht stärkere Kaliber wie 300 WinMag, 300 WSM oder vergleichbares. Auch Gebirgsjäger, die in den Alpen ständig über 400 Meter weit Hirsche schießen sind hier die Bedarfsträger. Meist reichen aber die 270 Win und die 7×64/65 noch gut aus. Die Magnum-Kaliber bieten nur bei höheren Geschossgewichten Vorteile.

Klar ist, dass ein Anfänger mit einem sanften Kaliber besser trifft, als mit einem mit starkem Rückstoss. Besonders die leichten Kipplaufbüchsen sind mit stärkeren Kalibern nur von sehr geübten Schützen zu beherrschen, verzeihen auch viel weniger Fehler als schwere Repetierer, auch wenn sie – bei guter Auflage – zu den präzisesten Büchsen gehören, die es gibt.

Mit dem passenden Geschoss kann man die Schwächen mancher Kaliber gut ausgleichen:

Zum Beispiel sollte man bei zu starken Kalibern auf Rehwild härtere, festere Geschosse verwenden, vor allem auf kurze Distanzen. Klar sind dann die Fluchtstrecken länger, als bei passenden Kalibern mit weicheren Geschossen, die schneller wirken, aber auch mehr kaputt machen.

Will man weite Fluchten verhindern, braucht man Geschosse, die schnell ansprechen. Hier muss man mehr Wildbretzerstörung in Kauf nehmen. Hierfür empfiehlt es sich auch, den Haltepunkt weiter nach vorn zu verlegen.

Die Geschosswahl wird jetzt durch neue massestabile Deformationsgeschosse ziemlich umgekrempelt. Mit diesen Geschossen kann man auch aus schnellen Kalibern mit wenig Wildbretzerstörung jagen, die bisher für Hämatome und Sulzerei (Emphyseme) bekannt waren. Natürlich gibt’s mit solchen sog. Solids auch längere Fluchtstrecken, vor allen beim dünnen Reh, das dem Geschoss wenig Widerstand entgegen setzt, damit es schnell genug wirken kann.

Durch die Bleidiskussion werden die Karten erneut neu gemischt, und wir kommen damit auch dem gewünschten splitterfreien Geschoss näher.

Warum ist das Kaliber 308 Win so beliebt?

Es gibt kaum ein Kaliber, das so vielseitig verwendbar ist. Es gibt nur wenige Kaliber, die in der Energieklasse so rückstoßarm schießen. Es gibt nur wenige Kaliber, die mit einem kurzen Lauf so gut schießen und gleichzeitig wenig Energieverlust und wenig Mündungsfeuer erzeugen. Es gibt nur wenige Kaliber, die eine so hohe Eigenpräzision haben wie die 308. Die 308 gehört mit 30.06 und 270 zu den häufigsten Kalibern weltweit und hat sich überall bewährt.

 7×64/65, 3006 und 270 W sind bei leichteren Geschossen weitgehend ebenbürtig. Die Eignung für kurze Läufe ist bei der 308 am besten, die Präzision der 308 vielen anderen Kalibern überlegen, und im Angebot an Patronen am Markt kann nur die 3006 mithalten.

Bei schwereren Geschossen sind die 7×64/65, 270 W und 3006 der 308 überlegen, die aber in den meisten Fällen mit den anderen gut mithalten kann.

Für neue Kupfersolids, die einen optimalen Geschwindigkeitsbereich brauchen, werden eventuell schnellere Kaliber auf weite Distanzen notwendig, da hier die 308 an ihre Grenzen gelangt.

Für weitere Infos oder Beratung stehe ich jederzeit zur Verfügung.

Waidmannsheil, Christoph Pirker

Zum Autor:

Christoph Pirker, 68, aus dem Westallgäu jagt seit über 50 Jahren im Allgäu und im Alpenraum und wurde bereits mit 12 Jahren an das Waidwerk herangeführt. Er war langjähriger Begeher im Oberallgäu und in Tirol und als Jagdgast in Griechenland und Italien. Er bewirtschaftet heute 3 Reviere und fungiert als unabhängiger Berater.

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