Schnell zielen, gut treffen – das Reflexvisier

Wechselsystem DrückjagdVielen ist das Reflexvisier/ Leuchtpunktvisier eher unter den Herstellerbezeichnungen wie RedDot, Rotpunktvisier oder Kollimatorvisier bekannt. Der erste Namenhafte und erfolgreiche Hersteller für Leuchtpunktvisiere war das schwedische Unternehmen Aimpoint, die bis heute qualitativ hochwertige Reflexvisiere produzieren. Im folgenden Artikel möchten wir gerne die unterschiedlichen Visiere darstellen und technische Hintergründe näher erklären.

Das klassische Einsatzgebiet für Leuchtpunktvisiere* ist die Drückjagd oder die Flintenjagd, sprich alle jagdlichen Situationen in denen der Jäger schnell Ziele auffassen und identifizieren muss, ohne dabei die Peripherie seines Sehfeldes aus den Augen zu verlieren. Während man bei konventionellen offenen Visierungen (Kimme/ Korn, Visierschiene/ Perlkorn) drei Bildebenen übereinander bringen muss, hat man bei einem Leuchtpunktvisier lediglich zwei Bildebenen (Absehen und Ziel), was den Zielvorgang wesentlich einfacher macht.

Wie funktioniert ein Reflexvisier?

Mittels einer regelbaren Leuchtdiode wird ein meist roter Punkt auf ein schräg stehendes Linsenelement in die Visierlinie des Schützen projiziert. Ähnlich einem Zielfernrohr kann auch bei einem Leuchtpunktvisier die Treffpunktlage über eine Absehenverstellung korrigiert werden. Im Gegensatz zum Zielfernrohr, kann man das Ziel mit beiden Augen erfassen, wodurch sowohl präzise als auch sehr schnell über kurze und mittlere Distanzen bis 150 m ein Zielaufgefasst werden kann. Selbstverständlich ist eine genaue Kenntnis über die Treffpunktlage seiner Waffe auf verschiedene Entfernungen unerlässliche (s.a. Pointplank range).

Das Prinzip eines HolosightNeben den Leuchtpunktvisieren*, die mittels eines Linsenelementes einen Leuchtpunkt in die Visierlinie des Schützen projizieren, gibt es Konstruktionen die mittels eines Holgramms ein Visierbild erzeugen (sog. Holo sights). Wir kennen diese Visiere aus dem Dienstbetrieb und sind von den Vorteilen überzeugt. Für manche Schützen wird der erste Blick durch ein solches Visier verwirrend sein, das man den Eindruck hat das Absehen befände sich nicht innerhalb des Gerätes, sondern es schwebt in der Luft.

Die Gemeinsamkeiten beider Konstruktionen sind die fehlenden Parallaxe und bis auf einzelne Aimpoint-Produkte die fehlenden Vergrößerung. Die Firma Aimpoint hat es als erster Produzent geschafft die Parallaxe konstruktiv auszuschalten. Dies bedeutet, dass der Leuchtpunkt immer auf dem Ziel steht auch wenn man nicht exakt mittig durch die Optik blickt. Hierdurch vermeidet man auch die üblichen Zielfehler von offenen Visierungen, wie Feinkorn etc. Bei Zielfernrohren hat man diesen Vorteil nicht, Zielfernrohre sind meist nur auf 100m parallaxenfrei und viele Schützen müssen ein Auge schließen, um zielen zu können. Durch das Zielen mit beiden Augen und die fehlende Vergrößerung hat man ein wesentlich besseres Helligkeitsempfinden und man verliert nicht das räumliche Sehen.

Auf unseren Seminaren lassen wir immer wieder Schützen mit einem abgedeckten Objektiv eines Leuchtpunktvisiers schießen (das Okular darf nicht abgedeckt werden, denn der Leuchtpunkt muss noch erkennbar sein). Diese Übung hat den Zweck den Schützen dazu zu zwingen mit beiden Augen offen zu schießen, denn solange Sie beide Augen geöffnet haben und mit einem Auge in die abgedeckte Optik gucken, kann das Gehirn die Bilder der beiden Augen übereinanderlegen und Sie werden trotz der Blende treffen. Ein weiterer Vorteil der Rotpunktvisiere ist die Möglichkeit, den Rotpunkt in Größe und Helligkeit an die Lichtverhältnisse anzupassen, zudem biete manche Hersteller (z.B. EOTech) neben dem Rotpunkt auch andere Absehen an (Kreuze, Dreiecke etc.), um die Verwendungsbreite dieser Visiereinrichtung zu vergrößern (vgl. ERBINGER, Jagdliche Nachtzielhilfen).

Der größte Nachteil von Leuchtpunktvisieren* ist, dass bei tiefster Dunkelheit, das Ziel von dem Leuchten des Absehens überdeckt werden kann. Selbst bei der geringsten Beleuchtungsstufe kann man so das Ziel schlecht ansprechen. Aus diesem Grund empfehlen wir die Verwendung von Leuchtpunktvisieren bei Tag oder Vollmond, die Stärke dieser Visiere liegt auf kurzen und mittleren Distanzen. In einem weiteren Artikel werden wir Leuchtpunktvisiere beschreiben, die für die Verwendung bei Nacht konzipiert sind. Ein weiterer Knackpunkt der Leuchtpunktvisiere ist der Batteriebetrieb. Alle batteriebetriebenen Geräte haben bekanntlich die Eigenschaft in wichtigen Situationen den Dienst zu versagen. Aus eigener Erfahrung können wir allen Jägern nur raten, immer Ersatzbatterien an der Waffen zu befestigen, dies kann auf Auslandsjagden überlebenswichtig sein.

Um nochmal auf das Absehen zu sprechen zu kommen. Die meisten Herstellen geben die Größe ihrer Rotpunkte in MOA (Minute of anDas EOTech-Absehen 223 angle, Winkelminute ca. 2,9cm auf 100m oder 1‘‘ auf 100yards) an. Für Langwaffen und Schussentfernungen bis 150m empfehlen wir Absehen mit einer Stärke <3 MOA, für Kurzwaffen <4MOA (zur Veranschaulichung eine Grafik der Firma Aimpoint). Die Firma EOTech bietet verschiede Kombinationen aus einem MOA Rotpunkt und einem Kreis an. Dies empfiehlt sich besonders für Drückjagden und mittlere Schussentfernungen.

twinsightWer nicht auf die Vergrößerung eines Zielfernrohrs verzichten und mit den Vorteilen eines Leuchtpunktvisiers* kombinieren möchte, hat die Möglichkeit auf sein bereits vorhandenes Zielfernrohr ein kleines Leuchtpunktvisier zu montieren (ein sog. Twinsight). Im Behördenbereich ist dies gängige Praxis und hat sich in vielen Situationen bewehrt. Auf der nebenstehenden Grafik sehen Sie zwei verschiedene Twinsights; zum einen das Twinsight unseres Teammitglieds Mino. Bei Minos Visierkonfiguration wurde eine Rotpunktvisier auf ein bereits monitiertes Zielfernrohr montiert. Das zweite Bild zeigt einen aktuellen Lösungsansatz der Firma Leupold (EVO D2), hier werden Zielfernrohr und Leuchtpunktvisier in einer Optik vereint. Hunting Tom* hat hierfür eine sehr schöne Lösung parat. Weiterhin hat man die Möglichkeit einen sog. Booster mit einer Schwenkmontage vor das eigentliche Visier zu montieren.

Worauf muss ich beim Kauf achten?

Kleine, leichtere, sehr feine Reflexvisiere von Marken wie beispielsweise Docter finden in der Jägerschaft immer größere Beliebtheit. Allerdings muss erwähnt werden, dass diese Konstruktionen feines Bedienen erfordern. Gegebenenfalls können sie robusten Anforderungen nicht immer entsprechen, da die Visierung recht ungeschützt ist. Es empfiehlt sich bei dieser Wahl daher auf separate Schutzkappen im Revier zurückzugreifen. Meist werden sie von den Herstellern passend angeboten.

Darüber hinaus bieten alle großen Hersteller von Zielfernrohren heute Lösungen für Rotpunktvisiere in unterschiedlichen Spezifikationen an. Neben den bereits genannten Punkten, wie Dimmbarkeit, Abmessung des Absehens etc. muss man vor dem Kauf mit seinem Büchsenmacher klären, ob die Visierung problemlos auf die eigene Waffe montiert werden kann. Montagemöglichkeiten hat man heutzutage tausendfach. Die Lösungen der verschiedenen Hersteller sind dabei nicht immer miteinander kompatiebel. Wir benutzen eine Picatinny-schiene mit der entsprechenden Montage des Visierherstellers. Zudem muss die Bedienung der Visierung allen Stresssituationen standhalten. Einfachheit der Bedienelemente und eine Bedienbarkeit mit Handschuhe muss gewehrleistet sein. Manche Herstellen haben eine Abschaltautomatik in ihre Visierungen integriert, um die Batterien zu schonen. Bei den heutigen Batterieleistungen ist dies aus unserer Sicht nicht mehr notwendig, zudem geht die Optik meist dann aus, wenn man sie am dringendsten benötigt.

Wählen Sie eine Optik deren Gehäuse ihr Sichtfeld möglichst wenig einschränkt aber dennoch genügend Schutz für die Linse bietet. Zweckmäßig sind die Aimpoint Tubusse mit 20-25mm Durchmesser, diese bieten ausreichend Sichtfeld bis 150m oder die rechteckigen Konstruktionen anderer Firmen. Grundsätzlich sind Produkte, die bei Behörden verwendet werden an Robustheit kaum zu übertreffen und immer eine gute Kaufempfehlung. Jägern, denen diese Visierungen zu groß sind, können selbstverständlich auf kleiner dimensionierte Visiere zurückgreifen, allerdings müssen Sie im Umgang mit ungeschützten Visierungen sehr behutsam sein.

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Comments

  1. Das Einschießen von Twinsight Montagen würde mal einen Bericht wert sein !

    • Michael Gast Michael Gast says:

      Moin Tim,

      danke für den Hinweis. Wir machen uns mal Gedanken dazu und vielleicht schaffe ich es demnächst etwas dazu zu schreiben.

      Gruß

      Micha

  2. moin Micha,
    danke würde mich echt sehr interessieren 🙂

    Insbesondere dieses Problem:
    1. Waffe wurde auf dem Schießstand 100m auf GEE mit 4cm Hochschuss eingeschossen
    normales Zielfernrohr
    2. Nun möchte man sein Reflexvisier „Twinsight Montage“ auch auf 100m GEE mit 4cm einschießen – ohne Vergrößerung dürfen wir aber nicht auf den 100m Stand 🙁
    Also geht man auf den 50m Stand (dort darf man ohne Vergrößerung) und hat dann das Reflexvisier auf 50m eingeschossen.

    Wie bekommt man nun die Differenz zu 100m mit GEE eingeschossen? Ohne Vergrößerung! Mein Reflexvisier hat z.B. 2MOA Punkt

    Danke vorab … freue mich auf den Bericht !

    • Hans says:

      Erstmal macht das Einschießen eines Reflexvisiers auf GEE wenig Sinn, weil GEE eine Hilfe für den Schuss auf „unbekannte“ größere Entfernungen eher jenseits der 150 m ist. Ansonsten gilt für die meisten Mittelkaliber: GEE -> 100 m = 4 cm Hochschuss, 50 m = 2 cm Hochschuss. Natürlich stimmt das nur grob, aber auf einzelne Millimeter genau einzuschießen klappt mit einer Waffe-Munitionskombination, die von sich as 2 oder 3 cm Streukreise produziert (was schon ziemlich gut wäre), sowieso nicht. Dazu kommt, dass die 2 MOA eines Aimpoint auf 50 m rd. 3 cm und die 3,5 MOA eines Docter Sight rd. 5 cm abdecken. Damit millimetergenau einzuschießen dürften wohl nur Ausnahmeschützen gegeben sein … Kurz gesagt: Schieß deine Optik auf 50 m Fleck ein oder meinetwegen mit ganz leichtem Hochschuss, mehr geht mit einem Reflexvisier präzisionsmäßig ‚eh nicht.

      P.S. Was ist denn das für ein komischer Stand, wo man nur mit Zielfernrohr auf die 100-m-Bahn darf? Ach ja, im sich-freiwillig-sinnlose-Einschränkungen-Ausdenken sind wir Deutschen ganz vorn …

  3. Christian says:

    Ehrlich gesagt, ich habe leide nicht verstanden, wie ein Holo-sight funktioniert und deswegen erschließt sich mir auch nicht, warum ein Holo-Sight besser ist, als ein Reflexvisier – im Internet wurde ich auch mit Hilf von Google nicht wirklich schlauer, deswegen meine Bitte um Info, wo mir und sicherlich dem einen oder anderen hier auch, die Funktion des Holo-Sights erläutert wird.
    Vielen Dank für die Hilfe und
    mit Waidmannsheil

    Christian

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