Eine Büchse zur Bockjagd

IMG_1809Die Bockjagd beginnt! Viele Jäger wollen nun besonders gezielt unser Rehwild bejagen. Gute Chancen bieten sich zu Saisonbeginn auf Jährlinge und Schmalreh. Vor allem möchte man die Chancen auf einen älteren Bock wahren. Einige Jäger bevorzugen dafür gesonderte Büchsen für die Rehwildjagd. Wir schreiben wie Sie die dafür optimierte Büchse finden.

Wer eine spezielle Büchse für die Rehwildjagd einsetzen möchte, sollte folgende Kriterien für die spezielle „Bockjagdbüchse“ in Betracht ziehen:

  1. Die Büchse muss präzise vom Ansitz aus, aber auch auf der Pirsch führig und treffsicher eingesetzt werden können.
  2. Das Kaliber sollte ein gesundes Mittelmaß zwischen präzise angetragenen Schüsse auf mittlere Distanzen und zweckmäßiger Wundballistik darstellen.
  3. Die Optik muss geeignet sein, um sowohl Wild auf mittlere Distanzen gezielt schießen zu können, als auch für den Dämmerungsansitz geeignet sein.

Die Büchse

Anders als bei speziellen Optimierungen für Drückjagdbüchsen auf Schwarzwild, kommt es bei Büchsen für die Rehwildjagd nicht auf den bewegten Schuss auf kürzere Distanzen an, sondern eher auf den präzise angetragenen Einzelschuss auf mittlere Entfernungen. Rehwild wird zumeist vom Ansitz, also durch eine statische Jagdart erlegt. Sowohl im Ansitz, wie bei der Pirsch bieten bekannte Äsungsplätzen oder Wechselflächen, sowie Waldkanten und Feldschläge vielversprechende Möglichkeiten. Die Kunst für den Jäger ist es nun passende Stände und Ansitzmöglichkeiten zu finden. Je nach Revier und Gelände können derartige Möglichkeiten stark variieren. Dabei ist es schnell möglich, dass Entfernungen von 30m bis zu 300m erreicht werden können. In der Regel ist aber auch Rehwild in unseren Breiten auf Entfernungen unter bzw. um die 100m effektiv zu bejagen. Dennoch sollte ein Jäger auch Entfernungen um die 150m bis 200m bei der Rehwildjagd meistern können. In einigen Revieren ist dies sogar unverzichtbar, um effektiv Erfolg zu haben. Dies gilt insbesonders, wenn man beabsichtigt im Ausland auf Rehwildarten zu jagen.

Für den gezielten Einzelschuss auf Rehwild empfehlen wir eine Standardrepetierbüchse. Ein Standardlauf von 56cm ist vollkommend ausreichend. Der Lauf sollte auch auf keinen Fall länger sein, damit die Waffe auch auf der Pirsch führig bleibt. Ein 56cm Standardlauf ist für die Rehwildjagd eine gute Kombination aus Gewicht, Führigkeit und Präzision. Wie bei den meisten Waffen bevorzugen wir Kunststoffschäfte, die leicht, robust und witterungsunempfindlich sind.

Kaliber und Munition

Das Kaliber ist bei der Rehwildjagd für viele das wohl entscheidendste Kriterium. Zu starke Kaliber verursachen oft einen zu starken Wildbretverlust. Zu schwache Kaliber reichen manchmal nicht, damit das Stück im Knall liegt. Wir empfehlen: .270 Win! „Viel zu übertrieben…“, sagen sicherlich einige die kleine Kaliber, sogenannte „Rehwildpatronen“ bevorzugen. Wir selbst sind keine Freunde einer typischen Rehwildpatrone wie der .223 Rem, der 5,6 x 52 R oder vergleichbarem. Diese Geschosse haben auf mittlere Distanzen, wie beispielsweise auf 200m, teilweise nur noch eine Restenergie von unter 1000 Joule. Für uns scheiden daher diese Kaliber als ungeeignet aus. Das .270 Win als kleineres Standardkaliber ist allen Anforderungen gewachsen. Sowohl ein Schmalreh als auch ein starker Bock auf größere Entfernung stellen damit keine Herausforderungen dar. Außerdem ist es ganz praktisch zu wissen, dass man mit dem Kaliber auch Schwarzwild strecken kann, sollte sich beim Ansitz mal kein Rehwild zeigen.

Für dieses Kaliber gibt es außerdem eine breite Auswahl an verschiedenen Munitionssorten. In der Regel entscheidet die Wahl der Munitionssorte über die Wundballistik. Zu starke Kaliber oder Teilmantelgeschosse sprechen zwar im Rehwildkörper gut an, erzeugen aber oft große Hämatome und damit Wildbretentwertung. Im Kaliber .270 Win sind Verbundkerngeschosse eine gute Wahl. Sie sprechen in der Regel langsamer an, haben jedoch alle eine Restenergie von über 2000 Joule auf 200m. Blei bleibt nicht im Wildbret und mit mindestens 95% Restgewicht wird ein zuverlässiger Ausschuss garantiert. Diese Munition ist eine gute Kombination, damit der Bock mit hoher Wahrscheinlichkeit im Schuss liegt. In den USA haben wir beispielsweise auch gute Erfahrungen mit diesem Kaliber und Munition auf Weißwedelhirsche gemacht.

Um die Waffe nun für den präzisen Büchsenschuss noch zu optimieren, empfiehlt sich das Gewehr mit einem Harris Zweibein nachzurüsten. Aus dem stationären Einsatz heraus lassen sich damit einfach durch den wesentlich effektiveren, kontrollierteren Anschlag präzisere Schussleistungen erzielen.

Die Optik

Bei der Optik wäre eigentlich ein Glas mit 6facher Vergrößerung und einem 42mm Objektiv ausreichend. Allerdings bietet uns der Markt für den gleichen Preis Zielfernrohre mit variablen Vergrößerungen, die hier mehr Möglichkeiten bieten sich den Bedingungen perfekt anzupassen. So kann man damit nicht nur die mittleren Entfernungen passend meistern, sondern auch Sehfelder perfekt auf die Umgebung abstimmen. Da gute Chancen in der Morgen- und Abenddämmerung grundsätzlich nicht von der Hand zu weisen sind, sollte daher auch besonderer Wert auf die Dämmerungszahl gelegt werden. Aus dem gleichen Grund ist es zweckmäßig, wenn das Absehen ebenfalls beleuchtet ist.

Nach langen Vergleichen hat sich das Zielfernrohr eines amerikanischen Herstellers für uns als beste Lösung angeboten: Das Leupold VX 6 2-12 x 42 vereint in einem top Preisleistungsverhältnis alle gewünschten Anforderungen und hat im Praxistest absolut keine Mängel aufgewiesen. Trotz dass es sich um ein amerikanisches Produkt handelt, ist es mit metrischen Maßeinheiten erhältlich. Vor allem überzeugen der sehr gute Kontrast, die klare Randschärfe und die hohe Auflösung. Darüber hinaus lässt sich das Leuchtabsehen (Absehen 4 oder Duplex) sehr detailliert einstellen und daher allen Lichtverhältnissen optimal anpassen. Außerdem verfügt es über gute Dämmerungswerte und ist problemlos bis in die späte Dämmerung einsetzbar. Selbst ein Nachtansitz wäre eingeschränkt bei Mondschein noch möglich. Mit knapp über 500g ist es dazu noch ein echtes Leichtgewicht und passt deshalb perfekt zu unserer Repetierbüchse für die Bockjagd.

Abschließend hat sich anhand der beschrieben Kriterien folgender Favorit für die Rehwildjagd für uns herauskristallisiert:

Leupold

Leupold Zielfernrohre bei Frankonia*

Savage Arms 11 FCNS, Kaliber .270 Win mit Leupold VX 6 2-12 x 42

Eine leichte, zuverlässige und präzise Repetierbüchse zu einem nicht zu schlagenden Preis-Leistungsverhältnis. Dazu eine Optik die keine Wünsche offen lässt.

Die Bockjagd hat damit begonnen!

 

Comments

  1. Christoph Pirker says:

    Hallo Waidgenossen,

    führe seit letztem Herbst wieder ausschließlich meine K95 im Kaliber 270.
    Auf Reh nur noch mit dem 10 g EVO: nur bei sehr schlechten Treffern bis
    30 m Flucht, sonst maximal 15 Meter, kaum Wildbretzerstörung, keine Hämatome.

    Auf Gams das 8,4 g HMK. An das leichte EVO Green trau ich mich nicht dran:
    6,2 g scheinen mir zu wenig, damit die Gams auch bei suboptimalen Treffern
    im Feuer liegt, was im Gebirge überlebenswichtig ist: Wenn möglich, vermeiden
    wir jede Nachsuche im Gebirge.
    Da auch mal ein abschussreifer Hirsch auftauchen kann, nehm ich auch lieber
    8,4 Gramm, die von jeher als Untergrenze für den Hirsch gelten.

    Waidmannsheil, C. Pirker

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