Schießtechnik – 8 zu erlernende Kriterien für den perfekten Schuss

IMG_2101In der Schießlehre gibt es verschiedene Methoden, die vermeintlich richtige Schießtechnik zu erklären oder auszubilden. Oftmals wird dabei versucht sich in der Ausbildung von einer sehr technisch orientierten Seite oder von der Seite der gemachten Erfahrungen aus zu nähern. Methodisch wollen wir das Thema grundlegend anhand des Schützen aufbereiten und erklären was beim Schießen überhaupt erlernt werden muss.

Wenn ein Jäger oder Schütze grundlegend das Schießen erlernen oder trainieren will, reicht es nicht einfach durch oder über eine Visierung zu schauen und abzukrümmen. Auch wenn ein Schuss brechen oder gar treffen sollte, erscheint eine sichere Wiederholbarkeit bei unterschiedlichen Waffen und Bedingungen unwahrscheinlich. Schießen erlernt man über die richtige Schießtechnik. Doch was ist das überhaupt? Schießtechnik ist nichts anderes als die Summe aller vom Schützen zu erbringenden Tätigkeiten, um einen Schuss erfolgreich antragen zu können.

Diese Tätigkeiten lassen sich in unterschiedliche Kriterien aufteilen, anhand derer jeder Schütze die Schießtechnik methodisch einfach erlernen kann. Oftmals finden sich in der Literatur oder in der Praxis völlig unterschiedliche Herangehensweisen im Erlernen des Schießens mit unterschiedlichen Waffen. Verinnerlicht man jedoch die hier vorgestellten Kriterien und verändert in den einzelnen Schritten nur die spezifisch nötigen Parameter erlernt man zügig die richtige Schießtechnik mit jeder Waffe. Diese 8 grundlegenden Kriterien wollen wir daher hier darstellen:

Noch bevor man die 8 Kriterien erlernen und üben kann, werden natürlich die Funktionsweise der Waffe, der sicher Umgang und die Ladetätigkeiten vorausgesetzt. Wir werden hier nicht weiter darauf eingehen, weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass dies immer zwingend notwendig ist, noch bevor man den ersten Schritt macht.

Körperstellung

Das erste Kriterium ist wohl zugleich eines der schwierigsten. Es umfasst die Körperstellung bzw. Körperhaltung des Schützen beim Schießen. Im stehenden Schießen, wie wir es traditionell beim Flintenschießen finden, ist dies der Stand. Auch beim Büchsen oder Pistolenschießen ist das Erlernen des Standes erforderlich. Doch auch im Liegen oder Sitzen muss der Schütze die richtige Körperhaltung erlernen, um den perfekten Schuss anzutragen.
Die Schwierigkeit bei diesem Kriterium besteht darin, dass ein jeder Mensch schlichtweg eine eigene individuelle Anatomie besitzt. Die richtige Stellung des Körpers beim Schießen kann somit abgewandelt recht unterschiedlich ausfallen und trotzdem passend sein.
Die entscheidenden Parameter für dieses Kriterium sind die Stabilität, der Natürlichkeit und die Konditionierung der Durchführung. Stabil ist die Körperstellung, wenn der Rückstoß der Waffe ohne Probleme aufgefangen werden kann und der Schütze seine Körperposition vor, während und nach der Schussabgabe nicht verändern muss. Natürlich ist sie dann, wenn sie einen hohen Grad an Ermüdungsfreiheit besitzt, der Schütze nicht verkrampft und alle anderen Tätigkeiten im Umgang mit der Waffe komfortabel durchführen kann. Als Konditionierung soll der Vorgang umschrieben werden, der es dem Schützen ermöglicht intuitiv in der jeweiligen Situation diese Körperstellung ohne großen Aufwand wieder einzunehmen.
Dem Training der Körperstellung zur Schussabgabe kommt daher eine besondere Bedeutung zu.

Griff

Der Griff der Waffe ist die Verbindung zwischen Mensch und Werkzeug. Er führt unweigerlich zum Anschlag und entscheidet in der Folge über das Abzugsverhalten. Bei jeder Waffe ist daher der richtige Griff zu erlernen. Dies beinhaltet sowohl das Verhalten der Abzugshand und der Unterstützungshand und damit ebenfalls die richtige Balancierung. Wichtig dabei ist, dass der Griff ebenso wie die Körperhaltung stabil, komfortabel und intuitiv wiederholbar sein muss. Beim in Anschlag gehen soll sich der Griff nicht verändern. Durch konstante Körperhaltung und Griff wird der Anschlag im Bewegungsablauf erst möglich, ohne dass der Schütze weiter Veränderungen vornehmen muss.

Zielen

Befindet sich die Waffe durch den richtigen Griff und die Körperstellung im Anschlag ist der Schütze in der Lage zu Zielen. Beim Zielen kommt es darauf an zu erlernen den Haltepunkt (Visierbild) mit der Visierung und dem Auge in Übereinklang zu bringen. Schwerpunkt für den Schützen bildet dabei die Fokussierung mit den Augen und das scharfe Erfassen der Visierung. Parameter für dieses Kriterium sind das Erlernen der Funktionsweise der Visierung, die Fokussierung mit dem dominanten Auge und ebenfalls die Wiederholbarkeit des Vorganges. Es wird dabei auch offensichtlich, dass man das richtige Zielen auch erst erlernen kann, wenn man die richtige Körperstellung, den Griff der Waffe und damit zwangsläufig einhergehend den Anschlag dafür bereits durchführen kann.

Haltepunkt

Ist man nun in der Lage zu zielen ist der richtige Haltepunkt im nächsten Schritt zu erlernen. Dies bedeutet nun, dass man Auge und Visierung auf das Ziel ausrichtet. Grundsätzlich wird dabei natürlich versucht die Zielmitte mit Hilfe des richtigen Zielens für eine Schussabgabe zu erfassen. Je nach Distanz und Bewegung verändert sich jedoch dieser Haltepunkt. Der Schütze ist daher gezwungen seine Visiereinrichtung anzupassen, was zu einem Verschieben des Zielbildes führt. Das kann dazu führen, dass der Haltepunkt gar außerhalb des Zieles liegt. Der Schütze muss daher handlungssicher im Umgang mit Ermitteln, Anwenden und Anpassen des Haltepunktes sein.

Atmung

Hat der Schütze die bisherigen Tätigkeiten durchgeführt, sollte er diese sensomotorische Konstellation von Körper und Waffe nicht mehr verändern. Durch die Atmung vollzieht der Mensch dennoch eine Änderungsbewegung, die abweichende Auswirkungen auf die Schussabgabe und die Treffpunktlage haben wird. Um dies zu verhindern oder auszugleichen, muss der Schütze eine Atemtechnik erlernen, die es ihm erlaubt in der jeweiligen Schießsituation, auch unter Stress möglichst ruhig und konzentriert zu schießen. Wichtig dabei ist, dass der Schütze verschiedene Atemtechniken situativ probiert und trainiert, so dass sich ebenfalls eine möglichst intuitive Atmung beim Schießen einstellt.

Abzugskontrolle

Das Abkrümmen oder Betätigen des Abzuges stellt die unmittelbare Schussauslösung dar. Obwohl der Schütze sich am Ende seiner Konzentrationsleistung befindet, kann durch die minimale Bewegung ein qualitativ schlechtes Trefferergebnis erzielt werden. Ganz entscheidend hat der Schütze hier die korrekte Abzugsfingerposition und den Abzugsdruck zu erlernen. Zum Erlernen dieses Vorganges gehört ebenfalls eine Verknüpfungsleistung, wobei Abzugsverhalten und Haltepunkt synchronisiert konditioniert werden müssen. In der Folge muss sich darauf ein Handlungsreflex ergeben, ohne dass die Konzentrationsleistung verloren geht.

Erkennen des Abkommen

Bei diesem Schritt muss der Schütze erlernen im Moment der Schussabgabe durchs Feuer zu schauen. Es geht also darum sich vom Schuss überraschen zu lassen. Bei fehlerhafter Durchführung produziert der Körper aufgrund der Erwartungshaltung von Mündungsknall und Rückstoß Störfaktoren, die umgangssprachlich als „Mucken“ bezeichnet werden. Es ist also ganz entscheidend die Konzentrationsfähigkeit auf den Haltepunkt zu fixieren. Der Schütze muss also lernen diese Kontrolle des Schusses ganz bewusst durchzuführen.

Reproduktion

Als letzten Schritt muss der Schütze nun bewusst lernen, nach erfolgter Schussabgabe den Vorgang wieder zu reproduzieren. Unabhängig des Trefferergebnisses muss der Schütze sich wieder in die Ausgangssituation begeben und einen weiteren Schuss nach dem gleichen Schema antragen zu können. Hier ist also ebenfalls eine Konzentrationsleistung zu erlernen und zu trainieren. Dies beinhaltet aber auch Ladetätigkeiten, Störungsbeseitigungen, Zielverfahren oder Rhythmustechniken. Da oft psychologisch nach erfolgten Schuss die Anspannung vom Schützen abfällt, ist dies ebenfalls ein sehr bewusst durchzuführender Lernabschnitt, der nicht vernachlässigt werden darf.

Fazit

Egal mit welcher Waffe man die individuellen Schießtechniken erlernen oder trainieren mag, basieren für den Schützen alle Handlungsabläufe auf den hier dargestellten Kriterien. Sie bieten eine gute Möglichkeit in der Strukturierung und im methodischen Aufbau der Schießausbildung und können von allen Schützen bewusst nachvollziehbar ohne Schwierigkeiten verinnerlicht werden. Die einzelnen Parameter sind jedoch nur in der Praxis in Form einer professionellen Schießausbildung zu für den jeweiligen Zweck zu erlernen. Hier empfiehlt es sich ausdrücklich hochwertige Seminare, von erfahrenen Schießausbildern wie Hermann Rosenberg oder Andreas Bach zu besuchen, die anhand der jagdlichen Situationen die besonderen Parameter der Schießtechnik in der Praxis ausbilden.

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