Schießtechnik X – Mythos „Fangschuss“

Pistole Fangschuss(mg) Viele Mythen ranken sich um den Fangschuss; wie man ihn platziert, welche Waffe bzw. Munition man benutzen soll etc. In unserem Artikel zu dem Thema Fangschuss möchten wir gerne einige Fragen beantworten und einen einfachen Einblick in die Schießtechnik des Fangschusses geben.

Sucht man im Internet nach dem Begriff Fangschuss, stößt man sofort auf die Definition von Wikipedia:

Als Fangschuss wird in der Jägersprache derjenige Schuss bezeichnet, welcher abgegeben wird, um schwer verletztes oder nicht unmittelbar tödlich getroffenes Wild zu erlegen. Der Fangschuss steht oft am Ende einer Nachsuche oder nach einem Verkehrsunfall, bei dem Wild verletzt wurde.

Im Grunde genommen trifft diese Definition den Kern der Sache sehr genau; wir möchten gerne diese Definition noch um den Aspekt erweitern, dass der Fangschuss meist aus einer Entfernung von drei bis acht Metern abgegeben wird.

Rechtslage

Welche rechtlichen Voraussetzungen müssen für den Fangschuss erfüllt sein? Bei dieser Frage hilft uns der §19 BJagdG weiter. In den sachlichen Verboten des Gesetzestextes ist besonders der Absatz eins, Satz eins „Verboten ist: mit Schrot, Posten, gehacktem Blei, Bolzen oder Pfeilen, auch als Fangschuß, auf Schalenwild und Seehunde zu schießen“ und weiterhin der Absatz eins Satz zwei, Abschnitt d „Verboten ist: auf Wild mit Pistolen oder Revolvern zu schießen, ausgenommen im Falle der Bau- und Fallenjagd sowie zur Abgabe von Fangschüssen, wenn die Mündungsenergie der Geschosse mindestens 200 Joule beträgt“ sehr interessant. Befolgt man unsere Gesetze, so muss man auf jeden Fall ein Vollgeschoss verwenden, verschossen aus einer Langwaffe oder einer Kurzwaffe und die Munition muss eine E0 von 200 Joule haben.

Welche Waffe soll ich für den Fangschuss verwenden?

In der Jägerschaft herrscht aktuell eine rege Diskussion über die Art der verwendeten Fangschusswaffe. Claudia Elbing, Michael Schmid, Andreas Bach haben in der Wild und Hund einen Artikel zu dem Thema veröffentlicht. Die Waffenwahl machen die Autoren von den Vorlieben des Waffenträgers abhängig. Sie geben das Beispiel eines Nachsuchenführers, dem die Nachsuchenbüchse zu sperrig, weswegen er einen starken Revolver führt. Für eine Kurzwaffe spricht, dass es eine sehr führige Waffe ist, die eine geringe Umgebungsgefährdung durch herumfliegende Geschosse hervorruft. Da die Fangschüsse meist aus einer Entfernung von drei bis acht Metern abgegeben werden ist die Kurzwaffe immer noch gut geeignet, um einen sicheren Treffer abzugeben. Gegen die Kurzwaffe spricht, dass für jeden Schützen ein erhöhter Trainingsbedarf besteht, da die meisten Jäger das Kurzwaffenschießen nicht regelmäßig trainieren und somit von dem ungeübten Gebrauch einer Kurzwaffe eine erhöhte Gefahr ausgeht. Hans J. Heigel hat für all4shooters einen sehr guten Artikel zu diesem Thema verfasst. Für Herrn Heigel steht fest, dass die Kurzwaffe die beste Wahl als Fangschusswaffe ist. In seinem Artikel stellt er nochmals genau da, welche Kriterien für die Wahl eine Fangschusswaffe ausschlaggeben sind.

Die Frage nach dem richtigen Geschoss

Der Autor Roland Zeitler hat sich in einem Artikel im Internetportal jagderleben vielen Gedanken zur richtigen Geschosswahl gemacht. Er empfiehlt für Langwaffen Hohlspitz- oder Teilmantelgeschosse; beim Einsatz von Kurzwaffen empfiehlt er ebenfalls Hohlspitz- aber auch Flachkopfgeschosse in Abhängigkeit des Kalibers. Das Autorenteam Claudia Elbing, Michael Schmid, Andreas Bach hat sich ebenfalls dezidierte Gedanken über die Geschosswahl gemacht und die Versuchsergebnisse in einem kurzen Artikel dargestellt und gelangen zu einem ähnlichen Ergebnis.

Wie gebe ich einen Fangschuss ab?

Entscheidet man sich für die Abgabe eines Fangschusses, so ist die Hintergrundgefährdung genauestens zu beurteilen. Viele Hundeführer bevorzugen aufgrund der oft sehr hohen Hintergrundgefährdung und Gefährdung für den Hund das Abfangen mit einer kalten Waffe. Fällt die Wahl auf den Fangschuss so ist es wichtig genau darauf zu achten, dass ein Kugelfang gegeben ist, der Untergrund nicht zu hart ist, so dass das Geschoss abprallen kann und sich keine weiteren Lebewesen in näherer Umgeben zu dem Wild befinden. Weiterhin ist die Grundregel „den Fangschuss gibt der Hundeführer ab“ von höchster Wichtigkeit. Denn oftmals werden umstehende Hunde von Kugeln oder Splittern von Geschossen getroffen, die dem Wild galten.

Kommen wir zu der Schussabgabe. Oft sind die Situationen des Fangschusses sehr hektische Schusssituationen nach längerer Suche ist man sogar sehr „außer Puste“. Der Schütze muss auf breit stehende und auch flüchtende Tiere aus jeglichen Schusswinkeln vorbereitet sein. Weiterhin muss der Schütze wissen, wo er wirksam treffen kann, egal aus welchem Winkel er das Wild trifft bzw. muss er sich innerhalb von Sekunden sicher sein, wie er seinen Schuss zu platzieren hat. Zudem muss er Situationen beherrschen, die weiträumige Waffenbewegungen erfordern und blitzschnell den Punkt treffen, den er auch treffen möchte.

Blutkreislauf u. Nervensystem RehNebenstehend sehen Sie eine Abbildung zu den Treffezonen bei Wild, die bei richtiger Schussplatzierung augenblicklich töten. Treffer im zentrale Nervensystem (rot) wie Hirn, Hirnstamm oder Rückenmark töten bzw. lähmen das Wild fast augenblicklich. Ähnlich wie Treffer in wichtigen Teilen des Blutkreislaufs wie Aorta, Hauptvenen oder –arterien das Leben des Wildes in wenigen Sekunden bis Minuten beenden. Aus der Darstellung ergeben sich somit drei Trefferzonen, die für einen Fangschuss erfolgsversprechende sind. Zum ersten das Haupt des Wildes, zum zweiten der Träger und drittens die Kammer. Bei Haupt und Träger sprechen wir von Trefferzonen, die je nach Wildart oft nur einige Zentimeter breit sind, die Kammer ist da schon deutlich leichter zu treffen. Dazu kommt der Winkel in dem man auf das Wild schießt. Um Ihnen mal eine ungefähreshotplacement german game Vorstellung zu geben, wie aus den verschiedenen Winkel die Trefferzonen aussehen haben wir die nebenstehende Grafik angefertigt. Sie sehen auf dieser Grafik möglich Trefferplatzierungen, die entweder das zentrale Nervensystem treffen oder wichtige Teile des Blutkreislaufes unterbrechen. Die Platzierung der Treffer ist aus der Sicht vieler Jäger wahrscheinlich sehr ungewöhnlich und auch unwaidmännisch. Wir haben diese Trefferplatzierungen aus Betrachtungen zur Auslandsjagd abgeleitet, wo diese Schüsse oft genutzt werden. Einen Aspekt sollte man allerdings auch beim Fangschuss nicht vernachlässigen, trotz der Pflicht des Jägers, dem Wild Leid zu ersparen, sollte auch das Wildbret geschont werden.

Schüsse mit der Kurzwaffe sind insofern unproblematisch, als dass man als geübter Schütze auch auf kurze Distanz den Punkt trifft, den man auf seinem Visier aufsitzen lässt und die geeigneten Schießqualifikationen hat. Der Fangschuss mit der Büchse stellt einen da schon vor mehr Herausforderungen. So muss man beim Schießen auf eine kleine Trefferzone auf kurze Distanz die Schussentfernung und die Montagehöhe genau bedenken. Der Schuss liegt in der Regel zwischen sechs und drei Zentimeter unterhalb des Punktes, den ich anvisiert habe, im schlimmsten Fall muss deutlich außerhalb der Trefferzone angehalten werden. Zudem kann es aufgrund der eingestellten Vergrößerung am Zielfernrohr schwierig sein, seinen Haltepunkt überhaupt zu finden. Eine technische Abhilfe können sog. Twinsight sein, hierzu mehr in unserem Artikel zu Reflexvisieren.

Wenn ein Jäger eine Nachsuche verursacht hat, kann dies bei mangelnder Nachsuchenerfahrung zu Panikschüssen führen. Wohlplatzierte Schüsse machen keine Probleme, problematisch sind Schüsse, die in Situationen abgegeben werden, die der Jäger nicht beherrscht.

Wie kann ich mich auf einen Fangschuss vorbereiten?

Unserer Ansicht nach kann man sich am Besten in einem Schießkino auf den Fangschuss vorbereiten. Bevor Sie jedoch in das Schießkino gehen, überprüfen Sie auf einem Schießstand den Haltepunkt Ihrer Langwaffe auf kurze Distanz. Für das Schiesskino bauen Sie sich einfach eine PowerPoint-Präsentation zusammen, in der Sie verschiedene Fangschusssituationen bildlich darstellen. Erstellen Sie ein Foto, welches Sie beschießen. Auf der nächste Folie Ihrer Präsentation nehmen Sie das gleiche Bild, jedoch zeichnen Sie auf den dargestellten Wildkörpern das zentrale Nervensystem des Wildes sowie die wichtigsten Bestandteile des Blutkreislaufes ein. Beschießen Sie das Bild ohne die eingezeichneten Trefferzonen und nach erfolgter Schussabgabe aus verschiedenen Entfernungen können Sie die Folie mit den eingezeichneten Trefferzonen darüber blenden, um genau beurteilen zu können, wie Sie getroffen haben. Viele werden sich wundern wie groß die Ablagen der eigenen Büchse sind bzw. wie gut oder schlecht man mit der Kurzwaffe ist.

Der Fangschuss ist eine besondere Schusssituation und erfordert viel Übung auch unter körperlicher Belastung, um Stress zu simulieren. Trainieren Sie im ruhiger Atmosphäre für den Ernstfall, um in stressigen Situationen vorbereitet zu sein!

Gerne möchten wir Ihnen noch folgendes Video zur Schussplatzierung empfehlen. In diesem Video hat afrikanischer Großwildjäger ein didaktisches Feuerwerk abgebrannt, um Jägern die Schussplatzierung genauer zu erläutern. Aus den unterschiedlichtsen Sichtweisen und Darstellungsformen werden, Schussplatzierung und Wundballistik beleuchtet, das Video lohnt sich!

Speak Your Mind

*