Schießtraining VII – Stabile Anschlagsarten für die Jagd

Kraeftedreieck liegend(mg) Unsere vergangenen Artikel zum Thema Schießtraining waren sehr theorielastig; im folgenden Artikel möchten wir gerne mehr auf die Praxis eingehen und die wichtigsten Anschlagsarten etwas genauer erklären.

Je tiefer der Anschlag, desto stabiler ist dieser. Diese einfache Aussage trifft unserer Meinung in jedem Fall zu. Der stabilste Anschlag ist der liegende Anschlag, da man dort am meisten Auflagefläche hat, die Arme in eine gute Stützposition gebracht werden können und der Körper ruhig liegen kann. Je „höher“ der Anschlag desto mehr Umweltfaktoren können den Schuss beeinflussen und umso mehr Ausgleichsbewegungen muss der Körper machen. Sobald man seine stabile liegende Position aufgibt, müssen die Muskeln des Körpers anfangen zu arbeiten, man wird angespannter und muss sämtliche Bewegungen der Waffe durch feinste Muskelbewegungen ausgleichen. Dies führt im Endeffekt dazu, dass der Anschlag „instabiler“ wird. Wie man die Bewegungen des Körpers austariert und Einflussfaktoren auf den Schuss möglichst gering hält, stellen wir in dem folgenden Artikel dar. Selbstverständlich können wir nicht alle Anschlagsarten in sämtlichen Variationen in einem Artikel wiedergeben, aus diesem Grund werden wir nach und nach Simple Tipps and Tricks veröffentlichen, wo Sie mehr zu einzelnen Anschlagsvariationen erfahren.

Das Kräftedreieck und der Schulteranschlag

Kraeftedreieck SkizzeZur Veranschaulichung des idealen Anschlags wird auf das Kräftedreieck-Modell zurückgegriffen. Die nebenstehende Abbildung zeigt einen aufrecht stehenden Menschen im „Idealanschlag“ (Einmal frontal betrachtet und einmal von oben auf den Kopf betrachtet). Beim idealen Anschlag bildet sich ein gleichschenkliges Dreieck zwischen den beiden Füßen sowie der Rückenmitte; die Dreieckhalbierende trifft hierbei senkrecht auf die Basis. Auf den Menschen übertragen bedeutet dies, dass die Körpermitte genau im Schwerpunkt eingependelt ist, sprich sie befindet sich exakt ausbalanciert im Körperzentrum. Ein zweites Kräftedreieck bildet sich im Anschlag, zwischen den Händen und den Schultern. Hier ist die Spitze des Dreiecks an dem Punkt wo die Hände die Waffe berühren. Die Basis bildet sich zwischen den beiden Schultern und die Dreieckhalbierende geht exakt durch die Kopfmitte und trifft senkrecht auf die Basis.

Um diese Theorie genauer zu veranschaulichen haben wir den idealen Anschlag nachgestellt. Sieht manKraeftedreieck Mensch sich die Bilder an, so versteht man schnell, dass der „Idealanschlag“ nur schwer in die Realität übertragen werden kann. Zum einen hindern uns die baulichen Vorgaben einer Waffe daran ein ideales Kräftedreieck aufzubauen, zum anderen ist der Mensch biologisch eingeschränkt den „Idealanschlag“ einzunehmen. Im Idealfall müssten wir die Waffe auf dem Sternum (Brustbein) aufsetzen, da die wenigsten Menschen Zyklopen sind, wird dies den meisten nicht gelingen. Folglich müssen wir unseren Anschlag den baulichen Vorgaben unserer Waffe aber auch den biologischen Voraussetzungen eines Menschen anpassen. Aufgrund dieser Einschränkungen werden wir es niemals schaffen den idealen Anschlag einzunehmen, sondern wir werden immer darauf angewiesen sein durch die Wahl des Anschlages und die Ausrichtung des Körpers möglichst nahe an den „Idealanschlag“ heran zu kommen. Nun werden wir anhand der drei Standardanschläge (liegend, kniend und stehend) erklären, wie man möglichst nahe an den „Idealanschlag“ heran kommt und welche Vorteile bzw. Nachteile diese Anschlagsart mit sich bringt.

Anschlag: „Allgemein“

BrustanschlagBeim liegenden Anschlag, genau wie bei allen anderen Anschlägen gilt der Grundsatz, dass möglichst wenig Bewegung des Körpers beim Schuss auf die Waffe übertragen werden soll. Bewegungen des Körpers, die sich auf die Waffe übertragen können überall dort entstehen, wo Muskelpartien Kontakt zur Waffe haben. Sprich an der Brust und an den Händen. Um nun die Muskelbewegungen möglichst gering zu halten, sollte wie folgt vorgegangen werden: Finden Sie den Punkt an Ihrer Brust, wo der Brustmuskel möglichst wenig Bewegung erzeugt. Den Punkt findet man, wie auf der obenstehenden Grafik gezeigt, indem man mit seiner linken Hand die möglichen Anschlagspunkte an der Brust abtastet und währenddessen mit dem rechten Arm Brustmuskelbewegungen erzeugt. Wie bereits angesprochen liegt der ideale Punkt auf dem Sternum, etwas schlechter aber immer noch akzeptabel, ist ein Anschlagspunkt leicht nach rechts bzw. links vom Brustbein verstzt.

Ebenfalls entstehen Muskelbewegungen der Hand beim Abkrümmvorgang. Viele Schützen schaffen es nicht diese Bewegungen der Hand zu unterdrücken. Diesen empfehlen wir, zumindest für das Büchsenschießen, den Daumen auf den Schaft oder auf dem Zeigefinger abzulegen, so kann der Daumen keine ungewollten Quetschbewegungen auf den Schaft übertragen.

Anschlag: „Liegend“

Kraeftedreieck liegendAuf dem nebenstehenden Foto sehen Sie den liegenden Anschlag, aufgelegt auf einem Rucksack. Wir haben für Sie zur Verdeutlichung das Kräftedreieck („Idaelanschlag“=rot; Realanschlag=blau) auf das Bild übertragen. Bei diesem Anschlag ist es wichtig, dass Sie Ihre Beine und Füße mit der Gesamte Fläche zum aufliegen bringen, um keine Bewegung durch sich bewegende Körperteile zu erzeugen. Die Waffe schlagen Sie, wie oben bereits erklärt, in Ihrer Schulter an und legen diese mit dem Vorderschaft (nicht dem Lauf) auf den Rucksack auf. Ihre rechte/ linke Hand stützt, zur Faust geballt, den Hinterschaft auf dem Boden ab.

Folgende Situation liegt nun vor: Durch den Rechtsanschlag der Waffe hat sich das Kräftedreieck etwas nach rechtsAnschlag liegend I verschoben, sprich die Rückstoßkraft der Waffe wirk jetzt nicht mehr entlang der Wirbelsäule, sondern entlang der Innenseite des rechten Beins. Die rechte Hand befindet sich am Abzug und die linke Hand unterstütz am Hinterschaft, wodurch das Kräftedreieck ebenfalls nicht mehr in idealform gegeben ist. Diese Abweichung vom Idealzustand führt letztendlich dazu, dass die Waffe bei der Schussabgabe „wandert“ und man nach der Schussabgabe erneut gezwungen ist seinen Körper auf das Ziel auszurichten.

Welche Vorteile bringt dieser Anschlag mit sich? Durch den tiefen Anschlag liegen Sie sehr ruhig und müssen kaum Gedanken dafür aufwenden die Waffe ruhig zu halten. Durch zusammenpressen oder entlasten der Faust in Ihrer linken Hand können Sie das Absehen nach oben bzw. unten wandern lassen. Beide Ellenboden liegen auf und lediglich ein leichtes Verschieben des rechten Ellenbogens reicht aus, um das Absehen nach links bzw. rechts zu verschieben. Durch die zentrale Lage Ihrer Waffe haben Sie den gleichen Beobachtungsbereich nach links wie nach rechts. Durch die liegende Position können Sie sehr lange ohne zu ermüden verharren und es fällt Ihnen leichter die Augenlinie permanent auf der Visierlinie zu halten.

Der größte Nachteil dieses Anschlages ist, dass er in deutschen Revieren kaum möglich ist. Hoher Bewuchs und oft hohe Hintergrundgefährdung, bedingt durch die gestreckte Flugbahn, hindern häufig den Jäger daran, diesen Anschlag einzunehmen.

Anschlag: „Kniend“

Anschlag kniend KraeftedreieckDie nebenstehende Abbildung zeigt erneut die Kräftedreiecke, diesmal beim knienden Anschlag. Links sehen Sie die Kraftverteilung von der Rückansicht des Schützen. Die Dreieckhalbierende läuft durch das Zentrum des Körpers. Der Schütze sitzt auf seinem hinteren Fuß, der möglichst nahe am Boden ist oder idealerweise aufliegt. Ebenfalls durch das Zentrum des Körpers läuft die Halbierende bei der mittleren Ansicht. Die Waffe ist wie oben beschrieben an der Schulter angeschlagen, der linke Arme stützt die Waffe am Vorderschaft ab und ist auf dem Knie aufgelegt. Wichtig ist, das niemals hartes auf hartem liegt, sprich den Ellenbogenknochen sollte nicht auf der Kniescheibe liegen, sondern der untere Trizepsansatz. Das rechte Foto hat leider eine optische Verschiebung. Ideal wäre der Anschlag, wenn die rote Linie mit der Spitze exakt auf dem Fuß des Schützen aufkommen würde, da in diesem Fall der Schwerpunkt der Waffe in einer Achse mit dem stützenden BeinAnschlag kniend stünde. So muss der Schütze kaum Haltebewegungen durchführen, um die Waffe im Ziel zu halten und kann möglichst lange ermüdungsfrei in dieser Position verharren.

Die Vorteile dieses Anschlags sind, dass er einen Kompromiss zwischen Stabilität und Durchführbarkeit bietet. In diesem Anschlag kann man problemlos auf Walddistanzen schießen. Hoher Bewuchs hat nicht allzu viel Einfluss auf die Schießmöglichkeiten und man kann einfach aus dem gehen in diesen Anschlag gelangen.

Nachteil: Der Anschlag erfordert Übung und eine sehr gute Atem- sowie Abkrümmtechnik.

Anschlag: „Stehend“

Anschlag stehendBeim stehenden Anschlag kommt es darauf an möglichst nahe an den idealen Anschlag heran zu kommen, da dies der instabilste Anschlag ist und am meisten Haltearbeit des Körpers verlangt. Der Körper ist nahezu frontal zum Ziel ausgerichtet. Die Beine sind schulterbreit auseinander und die Körpermitte befindet sich zwischen den beiden Füßen, welche leicht versetzt zueinander stehen. 70% des Körpergewichts liegen auf den Fussballen. Der versetzte Stand der Füße ist die erste Abweichung vom idealen Anschlag. Man versetzt den rechten Fuß leicht nach hinten, da die Bauweise der Waffe den Rechtsschützen dazu zwingt, die rechte Hand an den Hinterschaft zu platzieren.

Der Oberkörper ist aufrecht und die Waffe an der Schulter angeschlagen. Die rechte Hand hält die Waffe am Hinterschaft fest, während die linke Hand möglichst weit vorne am Schaft fasst. In der moderne Schießtechnik ist der linke Arm ungewöhnlich gestreckt und die linke Hand fasst den Vorderschaft ungewöhnlich weit vorne an, um mehr Mündungskontrolle ausführen zu können.

Der Nachteil diese Anschlages ist, dass er sehr instabil ist und man somit nur mit viel Übung auf nennenswerte Distanzen schießen kann.

Die Vorteile sind, dass man durch den Bewuchs in den seltensten Fällen eingeschränkt wird und der Anschlag sehr schnell eingenommen werden kann.

Fazit

Wenn Sie diese drei Anschlagsarten beherrschen und sicher aus diesen Positionen schießen können, haben Sie das gesamte Rüstzeug um erfolgreich auf der Jagd einen passenden Anschlag zu wählen. In folgenden Artikeln und Simple Tips and Tricks werden wir genau auf die verschiedenen Anschlagsvarianten und Hilfsmittel für Anschläge, wie Schießstöcke, Bandschlaufen und Zweibeine eingehen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Ausprobieren. Kleine Anmerkung: alle Anschläge sollten immer trocken vor dem Spiegel vorgeübt werden, auf diese Weise können Sie sich immer selber kontrollieren. Eine weitere te Darstellung von verschiedenen Anschlägen finden Sie auch bei Petersens Hunting.

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