Schon seit einiger Zeit beschäftigen wir uns verstärkt mit der Flinte und ihrer vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Natürlich jagen wir auch mit Flintenlaufgeschossen, was für viele nicht mehr zeitgemäß oder gar gefährlich ist. Im folgenden Artikel möchten wir gerne eine Lanze für den Einsatz der Flintenlaufgeschosse brechen und erläutern, was sich auf dem Markt getan und wie sich die Jagd mit Flintenlaufgeschossen verändert hat.

Woher kommt das Flintenlaufgeschoss in seiner heutigen Form?

In den Köpfen vieler Jäger ist das Flintenlaufgeschoss (FLG) ein Relikt der bäuerlichen Jagd und lediglich ein Notbehelf, wenn die Kugel nicht trifft oder nicht erlaubt war. Aus diesem Grund wurde das FLG lange Zeit stiefmütterlich behandelt. Jedoch gibt es einige Länder, in denen nach wie vor sehr viel mit der Flinte gejagt wird. So darf ein Jungjäger in Japan die ersten zehn Jahre nur mit Flinte jagen und in den USA ist es in elf Staaten verboten mit Büchsengeschossen zu jagen. Auf diese Einschränkungen des Gesetzgebers hat die Industrie reagiert und diverse Flintenlaufgeschosse entwickelt, die einen präzisen Schuss ermöglichen.

Der Unterschied eines FLG zu einem Büchsengeschoss

Die beiden maßgeblichen Unterschiede eines FLG zu einem Büchsengeschoss sind das Kaliber, das außenballistische sowie das zielballistische Verhalten. FLG’s haben ein deutlich größeres Kaliber und ein höheres Gewicht als normale Büchsengeschosse. Während Büchsengeschosse drallstabilisiert sind, werden FLG’s durch Luftkräfte im Flug stabilisiert. Was die Konsequenz eines größeren Kalibers bzw. größeren Gewichtes ist, brauche ich an dieser Stelle nicht näher zu erläutern. Dazu wird in unserem aktuellen eReader einiges gesagt. Aber wie die Stabilisierung durch Luftkräfte funktioniert möchte ich gerne etwas näher erläutern. Das Glattlaufgeschoss kann durch verschiedene Mechanismen im Flug stabilisiert werden.

Die meisten FLG-Konstruktionen werden Massestabilisiert (s.a. nebenstehende Abbildung). Dadurch, dass der Masseschwerpunkt des Geschosses weit vorne liegt (#1), neigt das Geschoss dazu nach vorne zu kippen. Die vorbeiströmende Luft greift am Punkt #3 an und drückt das Geschoss in die entgegenliegende Richtung, so dass das Geschoss sich in einer ständigen Pendelbewegung durch die Luft bewegt. Der Effekt, dass die Luftkraft der Kippneigung des Geschosses entgegenwirkt, lässt sich durch einen Filzpfropfen, Kork oder Plastik verstärken. Durch das Anbringen eines Heckteils wird der Hebelarm #1 bis #3 deutlich verlängert und erleichtert die Stabilisierung durch die Luft (Widerstandstabilisierung), wie bei nahezu allen FLG’s der Firma Brenneke zu finden.

Massestabilisierung FLG
Widerstandstabilisierung FLG

Eine komplett andere Stabilisierung ist die Flügelstabilisierung. Durch das Anbringen von Flügeln am Heck der Geschosse erhält man deutlich mehr Luftleitfläche, die einen entsprechend großen Dämpfungseffekt herbeiführen. Der bekannteste Hersteller für diese spezielle Form von FLG’s ist die französische Firma Balle Sauvestre.

Flugstabilisierung FLG

All diese Stabilisierungsformen sind natürlich nicht so gut wie die Drallstabilisierung, reichen aber aus, um das Geschoss im Flug zu stabilisieren. Probleme für einen stabilen Flug ergeben sich meist aus drei Gründen. Der erste ist die Verwendung der unterschiedlichsten Chokebohrungen, für die es keine verbindliche Norm gibt, der zweite die große gemäß CIP zugelassene Toleranz (bei Kal. 12 zwischen 18,2 und 18,9 mm) sowie als dritten Mängel bei der Garnierung der Läufe von kombinierten Waffen. Bei letzterem wird nur auf das grobe Zusammenpassen von Kugel und Schrotschuss geachtet, nicht aber auf Kugel und FLG. Das gute Zusammenschießen von Kugel mit dem FLG ist aber für die universelle Nutzung einer Bockbüchsflinte oder eines Drillings und damit für den Jagderfolg von entscheidender Bedeutung.

Welche Flintenlaufgeschosse hat der Markt zu bieten?

Auf der nebenstehenden Abbildung habe ich versucht eine grobe Einteilung der momentan vorhandenen FLG’s zu treffen. Grundsätzlich unterscheide ich die FLG’s nach kalibrierten und unterkalibrierten FLG’s. Was heißt das im Detail? Mit kalibrierten FLG’s meine ich alle Konstruktionen, bei denen der Durchmesser des Geschosses, dem Kaliber der Flinte entspricht (klassisches Brenneke FLG, klassisches Foster-Slug).

Systematische Darstellung von Flintenlaufgeschossen

In der Kategorie unterkalibrierte Flintenlaufgeschosse entspricht der Durchmesser des Geschosses nicht dem Kaliber der Flinten. Bei diesen Konstruktionen ist das Geschoss von einem sog. Treibspiegel umgeben, meist ein Plastikmantel, der das Geschoss durch den Lauf führt. Das meiner Meinung nach exotischste Beispiel für diese Konstruktionsart ist das Balle Flèche von dem französichen Munitionshersteller Sauvestre. Weitere Konstruktionen sind das Brenneke Super Sabot (nebenstehende Abbildung), RubinSabot, TOPAS oder die diversen Varianten der amerikanischen Hersteller. Um den Rahmen dieses Artikels nicht zu sprengen, gehe ich nur auf die Hauptvertreter der jeweiligen Kategorien ein, da es eine schier unüberschaubare Vielfalt an Geschossvarianten gibt.

Brenneke Flintenlaufgeschosse

Das Brenneke FLG

Die erste Brenneke mit Flachkopf, sechs Führungsrippen und einen verbundenen Filzpfropfen entstand bereits im Jahr 1898. Das heutige Brenneke Standardmodell erblickte im Jahre 1935 das Tageslicht. Der Leipziger Wilhelm Brenneke erkannt schon früh, dass sich die Präzision eines Glattlaufgeschosses durch eine Kombination aus Masse- und Wiederstandstabilisierung massiv erhöhen lässt. Aus diesem Grund hat er seine Konstruktion eines Geschosskopfes mit einem am Heck angebrachten Filzpfropfen verbessert. Das Geschoss selbst, besteht aus einer ziemlich harten Bleilegierung und hat zwölf Materialverdrängungsrippen um den Geschosskopf verteilt, damit die FLG’s gefahrlos mit Chokes verschossen werden können. Um den Schwerpunkt nach vorne zu verlagern hat der Geschosskopf eine ca. 5mm hohe ogivale Kuppel, zusätzlich macht diese Kuppel das Geschoss aerodynamischer. Der Filzpfropfen hat neben der Widerstandstabilisierung noch weitere Aufgaben. So dichtet er beim Schuss den Lauf ab und mindert den entstehenden Gasdruck durch den Dämpfungseffekt. Das der Name Brenneke mal zu einem Synonym für Flintenlaufgeschosse entwickeln würde, hätte Wilhelm Brenneke sich wahrscheinlich nie gedacht, aber das ursprüngliche Geschoss findet sich heute in so ziemlich allen Konstruktionen wieder und man findet es in unzähligen Varianten von diversen Herstellern (Klassisches Brenneke zweite von rechts).

Das Foster-Slug in seiner Urform

Das einzige wirklich anders konstruierte FLG im Vergleich zum Brenneke, ist das ebenso verbreitete Foster-Slug. Im Gegensatz zum Brenneke ist das Foster-Slug ein rein Massestabilisiertes Geschoss. Da James C. Foster bei der Konstruktion seines Geschosses 1932 keinen Filzpfropfen o.Ä. vorgesehen hat. Die Gewichtsverlagerung zur Stirn des Geschosses wird durch einen Ausgeprägten Hohlraum innerhalb des Geschosses erreicht. Ein weiterer Unterschied des Fosters zum Brenneke ist, dass es beim Auftreffen auf den Wildkörper aufpilzt und seine Fläche auf das 1,8-Fache des Kalibers vergrößert.

Teilmantelgeschosse

Beispielhaft sei hier das XTP Full Bore von Hornady erwähnt. Hierbei handelt es sich um ein unterkalibriertes FLG-Teilmantelgeschoss, bestehend aus einem Bleikern und einem Teilmantel aus Tombak. Das Geschoss befindet sich in einem sog. Treibspiegel, der das Geschoss führt und für die notwendige Gasabdichtung im Lauf sorgt. Einige Meter nach dem Verlassen des Laufes, wird der Treibspiegel abgeworfen und das Geschoss fliegt ohne diesen weiter. Verschossen aus glatten Läufen haben die Geschosse meist sehr magere Schussleistungen, weil sie sich nur durch Drall stabilisiert werden. Daher sollten sie nur aus gezogenen Läufen verschossen werden. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund für die Entstehung der sog. Slugguns. Ein sehr populäres Beispiel für eine Sluggun ist die Savage Model 220. Diese Jagdwaffe hat einen gezogenen Lauf und verschießt Slugs (engl. für FLG) im Kaliber 20/ 16/ 12. Auf Grund des gezogenen Laufs und der Bauweise dieser Waffen, kann man eigentlich nicht mehr von Flinten sprechen.

BRI Sabot Slug

Den jüngsten Entwicklungen in den USA mit Slugguns gingen noch einige Entwicklungen voraus. So hat die Firma Ballistic Research Industries 1983 ein Bleigeschoss für Glattlaufwaffen mit Treibspiegel auf den Markt gebracht. Bei dem Geschoss handelt es sich um ein tailliertes Bleigeschoss, welches durch einen ebenfalls taillierten Treibspiegel durch den Lauf geführt wird. Stabilisiert wird das Geschoss nach Verlassen des Laufes und ohne den Treibspiegel, durch eine Kombination aus Masse- und Widerstandstabilisierung. Heute wird das BRI Sabot Slug häufig aus Flinten mit gezogenem Lauf verschossen, da es sich bei dem Verschuss aus glatten Läufen häufig überschlägt und in der Mitte zerbricht. Zwischen 1983 und heute haben sich unzählige Varianten des BRI Sabot Slug herausgebildet einen Überblick finden Sie auf den Homepages der Hersteller.

Balle Flèche von Sauvestre

Dieses aus Frankreich stammende Geschoss hat mich auf Grund der speziellen Konstruktion besonders in seinen Bann gezogen. Das Balle Flèche (Pfeilgeschoss) funktioniert durch die Flügelstabilisierung. Es besteht aus einem Bleigeschosskopf und einem Flügelheck aus Plastik. Beide Bestandteile sind mit einer kleinen Eisenstange verbunden. Im Lauf wird das Geschoss durch einen Treibspiegel (Puller Sabot) geführt, der durch die anströmende Luft nach Verlassen des Laufes abgeworfen wird. Was ist nun der Vorteil dieser Konstruktion? Durch den geringen Querschnitt des Geschosses hat dieses eine sehr hohe Querschnittsenergie (s.a. neuer eReader) und somit auch eine hohe Zielenergie. Kritiker behaupten, dass dieses Geschoss aus Läufen mit Choke und gezogenen Läufen sehr schlechte Schießleistungen bringt. Aus meiner Sicht ist dies auch logisch, da der Choke das Geschoss destabilisiert und die Drallstabilisierung der Flügelstabilsierung entgegensteht. Zudem soll das Geschoss einen sehr starken Rückstoß verursachen (Der Test wird es zeigen). Ein weiteres Problem besteht darin, dass das Geschossheck im Pulver steckt und dadurch der beim Abschuss entstehende Gasdruckanstieg nicht rechtzeitig gesenkt wird. Das Ergebnis ist oft ein viel zu hoher Gasdruck und damit eine Gefährdung von Waffe und Schütze.

Brenneke Super Sabot

Der Altmeister Brenneke arbeitete 50 Jahre lang überwiegend an der Weiterentwicklung von bestehenden Systemen. 2002 jedoch kam Brenneke mit einer Neuentwicklung auf den Markt, mit welcher die Firma auf die Entwicklungen in den USA reagierte. Brenneke brachte das Super Sabot auf den Markt (s.a. Abbildung). Wie man es von deutschen Konstrukteuren gewohnt ist, kann die Technik nicht raffiniert genug sein. So hat die Firma Brenneke ein zweiteiliges Treibspiegelgeschoss entwickelt, welches gleich mehrere Funktionen in sich vereint. Das Geschoss besteht aus einer Aluminiumhaube und einem Kolben mit Zylinder, das Ganze verpackt in einen Treibspiegel. Der große Nachteil von Sabot-Geschossen ist, dass sie keine Dämpfungselemente für den Gasdruck haben. Beim Brenneke Super Sabot ist es so, dass der Kolben beim Schussvorgang in den Zylinder geschoben wird, um den Gasdruck abzufangen (gleiches Wirkprinzip wie beim Filzpfropfen). Nach dem Verlassen des gezogenen Laufes wird der Treibspiegel abgeworfen und das Geschoss fliegt drallstabilisiert.  Beim Auftreffen des Geschosses auf den Wildkörper wird die Aluminiumhaube weggedrückt und der Zylinder pilzt sich bis zum 1,5 fachen auf. Somit vereinigt das Super Sabot gleich mehrere Vorteile, es ist sehr präzise, kann bis auf 100 m verschossen werden und hat eine hohe Energieabgabe an den Wildkörper.

SuperSabot 4 Stadien KLEIN

Fazit

Aus meiner Sicht spricht nichts gegen die Verwendung von Flintenlaufgeschossen. Moderne Geschosse haben bis zu einer Distanz von 50 m (im Einzelfall sogar 80-100 m) sehr gute Schussleistungen und zudem haben FLG’s einen deutlich geringeren Gefährdungsbereich als Büchsengeschosse. Richtig eingesetzt haben die FLG’s nach wie vor einen Platz in der Jagd, so können die Sauenpirsch im Weizen oder dichtem Wald ein Einsatzgebiet sein. Ihr größter Vorteil liegt in der schnellen Abgabe der Energie im Ziel. Der Grund dafür ist die Verbindung von großem Querschnitt und hohem Gewicht. Man spricht dabei vom Impuls (I= m x v). So ist der Impuls einer Kugel eines Standardkalibers (z.B. .308 Win. 9,7 g) bis ca. 35 m geringer als eines Brenneke FLG Kal. 12/70 mit 31,5 g.

Der Markt der Flintenlaufgeschosse ist nahezu unüberschaubar geworden. Man muss unterscheiden zwischen Geschossen, die für Flinten mit gezogenen Läufen vorgesehen sind und hohe Präzision auf bis zu 100m bringen und FLG’s, die aus glatten Läufen geschossen werden sollen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz werden überwiegend Flinten mit glatten Läufen geschossen. Aus diesem Grund werden wir uns in zukünftigen Artikeln mehr zum Schießen mit Flinten und glatten Läufen konzentrieren.

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