Beitragsbild Dry Fire Training Teil I
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Vielerorts herrscht die Meinung vor, dass Trockentraining einen Schützen nicht weiterbringt. Diese These können wir nicht unterstützen! Zwar ersetzt das Trockentraining nicht den scharfen Schuss aber mit Hilfe des Trockentrainings kann man die Ausbildung im scharfen Schuss sehr sinnvoll ergänzen. Aus diesem Grund werden wir so lange alle kollektiv im Homeoffice arbeiten, Methoden zeigen, wie man zu Hause trainieren kann.

Wir haben die Methodik des Trockentrainings beim Militär kennen gelernt und exzessiv durchgeführt. Im Einsatz hat sich für einige von das Trockentraining bezahlt gemacht und hier ist bei uns das Mindset für diese Trainingsmethode entstanden. Trockentraining auch „Dry Fire Training“ genannt, schult die fundamentalen Grundfertigkeiten eines Schützen, kann überall durchgeführt werden und spart Zeit sowie Geld. Diese vier wesentlichen Aspekte machen das Trockentraining aus unserer Sicht sehr interessant und gewinnbringend.

Der Gedanke hinter dem Trockentraining?

Das moderne Trockentraining ist eine Trainingsmethode, die versucht ohne den Einsatz von Munition in einer alltäglichen Umgebung, Handlungsabläufe an einer Waffe einzustudieren. Hierzu verwendetet man Waffen bei denen Bewegungsabläufe ohne Einsatz von Munition geübt werden können. Somit ist das Trockentraining die Grundübung zum Erlernen und Festigen aller fundamentalen Bewegungs- und Handlungsabläufen beim Schießen. Da man beim Trockentraining keine Munition verwendet kann es in nahezu jeder Umgebung durchgeführt werden. Dies sind nur einige Bestandteile und zugleich Argumente für Trockentraining. Im folgenden Abschnitt möchten wir Ihnen gerne zeigen woher das Trockentraining kommt und wieso es wichtig für das Erlernen komplexer Handlungsabläufe ist.

Woher kommt das Trockentraining?

Das Trockentraining in seiner heutigen Form kann man auf den rhodesischen Soldaten Dave Westerhout zurückführen. Herr Westerhout war nicht nur Soldat, sondern er trat auch im Jahr 1980 bei den olympischen Spielen für Simbabwe in der Disziplin Schnellfeuerpistole an. Dave kämpfte in den Jahren bis 1980 für die rhodesischen Streitkräfte. In der Zeit des Bürgerkriegs hatte das Land Rhodesien extreme Probleme bei der Versorgung der Streitkräfte mit Munition und Ausrüstung. Als Reaktion des ständigen Versorgungsmangels entwickelte Dave Westerhout Ausbildungskonzepte für die Armee, um den Munitionsverbrauch zu reduzieren. Sein Ausbildungskonzept sah vor, den Handlungsablauf beim Schießen in Teilschritte zu zerlegen. Alle Handlungen, für die man keine Munition benötigt wurden durch ständiges Wiederholen eintrainiert. Am Ende musste man die einstudierten Handlungen zu einem gesamten Handlungsablauf zusammensetzen und den scharfen Schuss als krönenden Abschluss anfügen. Als Argumentationsgrundlage gegenüber seinen Vorgesetzten für die Qualität seines Ausbildungskonzeptes, schuf Herr Westerhout Vergleichsgruppen. Soldaten, die traditionell ausgebildet wurden traten im Vergleichsschießen gegen Soldaten, die nach seinem Ausbildungskonzept ausgebildet wurden, an. Die Ergebnisse sprachen für den Rhodesier. Soldaten, die mit Trockenausbildung trainiert wurden, erreichten deutlich besser Schießergebnisse nach der gleichen Ausbildungszeit.

Was ist Trockentraining?

Zugegeben klingt „Trockentraining“ wenig attraktiv, dennoch ist das Trockentraining ein bedeutender Bestandteil der Trainingspraxis. Wie bereits von Dave Westerhout in den Grundsätzen erdacht, ist das Trockentraining die Ausführung einzelner Teilprozesse des Gesamtprozesses „Schießen“. Ein Vorteil beim Üben ohne Munition ist, das Fehlen von Rückstoß, Geschossknall und Sichtbare Treffer. Durch den Wegfall der „Begleiterscheinungen“ vom Schießen, kann man sich genau auf die Handlungen konzentrieren und intensiver darüber nachdenken. Übliche Bestandteile des Trockentrainings sind:

  • Einnehmen Anschlag und Halten des Anschlags
  • Bewegungsabläufe (z.B.: Magazinwechsel, Ziehen der Waffe, Griff, Abkrümmen)
  • Schießrhythmusübungen
  • Trainieren von Haltekraft
  • Materialeinstellungen verbessern und Anpassen der Ausrüstung

Wofür benötigt man das Trockentraining?

Das Trockentraining bietet Ihnen viele Vorteile. So ist das Trockentraining günstiger als der scharfe Schuss, da Sie sich die Fahrtkosten zum Schießstand sparen, keine Munition verschießen und keine Schießstandgebühren anfallen. Zudem können Sie überall Trockentraining durchführen und sparen somit Ihr kostbarsten Gut „Zeit“.

Doch der wichtigste Aspekt des Trockentrainings ist aus unserer Sicht, das Entwickeln eines Muskelgedächtnisses durch aufmerksames Wiederholen von Handlungsabläufen. Durch die Entwicklung eines Muskelgedächtnisses werden einzelne Fertigkeiten verinnerlicht und sowohl auf bewusster und unbewusster Ebene in der Muskulatur gespeichert . Häufig wird von einer unterbewussten Automatisierung von Handlungsabläufen gesprochen, die nach 3000 bis 5000 Wiederholungen eintritt . Man spricht von Muskelgedächtnis, wenn man nicht mehr über das Ausführen einer Handlung nachdenken muss, sondern diese unterbewusst ausführt; dies kann man fühlen! Denken Sie noch über den Gangwechsel beim Auto-/ Motorradfahren nach? Durch unzählige Schaltvorgänge, die Sie in Ihrem Leben bereits ausgeführt haben, weiß Ihr Körper, wann geschaltet werden muss. Selbst wenn Sie einige Zeit nicht Auto oder Motorrad gefahren sind, können Sie Ihr Muskelgedächtnis abrufen und müssen das Fahren oder Schalten nicht erneut lernen. Idealerweise schaffen Sie das Gleiche beim Schießen, denn in Stresssituationen (Wettkämpfe können auch Stress hervorrufen) haben Sie nicht die Zeit jeden Handlungsablauf zu durchdenken, das muss Ihr Muskelgedächtnis für Sie übernehmen.

Wirken plötzliche oder starke Reize von außen auf Sie ein, entstehen Stressreaktionen. Spielen wir das Ganze doch mal anhand des Beispiels einer Autofahrt durch. Stellen Sie sich vor, dass Sie mit Ihrem Auto auf dem täglichen Weg zur Arbeit sind. Die gleiche Strecke, ähnliche Verkehrsverhältnisse wie tags zuvor. Doch plötzlich läuft ein Tier über die Straße und Ihr Vordermann geht voll in die Eisen. Die erste Reaktion ist meist eine Art Schockstarre. In dieser Phase können Sie nicht mehr darüber nachdenken, was jetzt zu machen ist. Alle Kreislauf- und Stoffwechselfunktionen werden von Ihrem Gehirn auf ein Minimum reduziert und Nachdenken ist nicht mehr möglich. Jetzt folgt die Alarmreaktion des Körpers. Über die Nebennieren werden Stresshormone (Adrenalin) in den Blutkreislauf eingebracht, Kreislauf und Muskulatur werden auf Hochtouren gebracht und der Körper ist nun bereit auf die Gefahr zu reagieren. Danach erfolgt die Gefahrenabwehr. Da Sie das Bremsen in der Fahrschule und danach in der Fahrpraxis permanent geübt haben, leiten Sie ebenfalls eine Vollbremsung ein. In der Phase der Gefahrenabwehr baut der Körper das Adrenalin wieder ab und es erfolgt eine Erholungsphase, wenn die Gefahr gebannt wurde. In der Erholungsphase spürt man häufig große Euphorie, wie z.B. nach einem gelungenen Wettkampf.

In Situationen mit erhöhter Anspannung (Wettkampf) können Sie diese Veränderungen in Ihrem Körper spüren. Jetzt müssen Sie Handlungsabläufe, ohne darüber nachzudenken abrufen können. Dies gelingt nur, wenn psychomotorische Fähigkeiten ein Teil Ihres Muskelgedächtnis wurden. Im Trockentraining können Sie auch Stress simulieren. Wir nennen das „sanften Druck ausüben“. Sie können Stress im Trockentraining erhöhen, indem Sie engere Zeitvorgaben wählen oder sich selbst filmen.

Fazit

Man kann zusammenfassend sagen, dass Trockentraining nicht nur dabei hilft Handlungsabläufe zu trainieren, vielmehr kann man sich auch zielgerichtet auf Stresssituationen vorbereiten, um stets „Herr der Lage“ zu sein. Trockentraining ist somit ein großer Bestandteil des Trainingsprozesses, es hilft Ihnen besser zu schießen und als Teil eines ganzheitlichen Trainingsplans unterstützt es Sie Wettkampfstress besser zu bewältigen. Auf der unserer Homepage haben wir Ihnen einige geeignete Produkte für das Trockentraining zusammengestellt, wir freuen uns auf einen Besuch von Ihnen.

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