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So weit reisen wegen einem Jagderlebnis? Geht es noch? Ja, es lohnt sich, das ist meine eindeutige Antwort auf diese Frage!

Ursprünglich haben wir eine einfache Urlaubsreise nach Neuseeland geplant um Land und Leute kennenzulernen. Der Verlauf war auf Grund verschiedener Ereignisse vollkommen abgewandelt. Das führte aber dazu, dass ich über ein paar Kontakte aus der Jagdbranche und aus dem Freundeskreis auf Nachfrage viele dienende Hinweise und auch ein paar Einladungen bekam, um in Neuseeland zu jagen.

Ich habe mich nur auf der Nordinsel aufgehalten. Den Einheimischen nachgesprochen, sei der Gipfel der Gefühle jedoch die Südinsel. Ich habe mich trotzdem verdammt wohl gefühlt und die jagdlichen Ausflüge waren mehr als eine große Freude! Unbeschreiblich wie es sich anfühlt auf scheinbar endlosem Grund und Boden mit Waffe zu pirschen, oder abzuglasen und dann nach teilweiser anspruchsvoller Annäherung erfolgreich zu jagen.

YouTube ist voll mit Filmen aus Neuseeland. Da kann man sich Appetit holen. Dann aber selbst vor Ort zu sein und diese Unkompliziertheit zu erleben, ist einfach phänomenal.

New Zealand Deerstalkers´ Association

Gleich nach meiner Anreise war ich zu einer Clubnight der N.Z.D.A in Auckland eingeladen.

Die New Zealand Deerstalkers´ Association ist eine Art Verein, die gemeinsames Jagen pflegt und auch politisch aktiv für die Belange der Jäger unterwegs ist. Es war ein spannender Abend für mich. Ein australischer Jäger, Pete Breidahl, offenbar eine Legende, hielt einen Vortrag über seine Erlebnisse und dazu gab auch noch jeder der wollte, seine jagdlichen Erfolge der letzten Wochen zum Besten. Es war Brunft in Neuseeland im April. Da gab es natürlich was zu berichten. „Da habe ich den Bugger angerufen und Bumm da lag er! Die beiden Beihirsche blieben stumpf stehen und konnten mit der Situation nichts anfangen. Bumm, Bumm, beide erlegt. Drei Stags an einem Tag! Was für ein Erlebnis und die Kühltruhe ist voll.“ So in der Art klangen einige der Erzählungen. Bei der Masse unserer Jäger würde das absolutes Unverständnis hervorrufen. Dort wird gejagt aus Freude an der Jagd, aus Freude am Naturerlebnis, aus Freude an einer Trophäe und eigentlich Platz eins auf der Liste: wegen dem Fleisch.

 Es gibt keine Regeln. Keine Jagd- und Schonzeiten. Hast Du Hunger, schieß Dir was. Das klingt total verwirrend. Meine Erfahrung vor Ort beruhigt sicher jetzt den einen oder anderen: Die Leute dort haben Respekt vor dem Wild. Sie erhalten es sich und die Erlebnisse und die die nicht versiegende Quelle an dem Rohstoff Fleisch. Die derzeitige Regierung allerdings verfolgt das Ziel die Säuger von der Insel wieder zu entfernen. Alle eingeschleppten Arten sollten mittelfristig wieder „abgeschafft“ werden um die heimische Flora und Fauna zu schützen. Da kommt dann zum Beispiel wieder der NZDA ins Spiel als Vertreter der Jäger.

Das erste Stück

Nach ein paar Tagen Strand, Forstexkursionen, Auckland und Camping erreichte ich meinen Freund Mitchel bei Napier. Er plante mit mir ein paar Tage zu jagen und reservierte auch einen Trip nach „Te Awaiti“ einem der berühmtesten Rotwildgebiete der Nordinsel bei einem seiner besten Freunde.

Meine zehnjährige Tochter begleite mich, ganz nebenbei erwähnt. In Neuseeland gibt es keine Altersgrenze. Kinder dürfen also auch alles Jagen. Wir haben zu Hause die wichtigsten Dinge im Umgang mit einer Waffe trainiert. In Neuseeland sind wir dann das erste Mal in ihrem Leben auf einen Schießstand.

Mitchel hat einen guten Bekannten, Paul,  der über große Ländereien verfügt. Die Brunft lief auch auf seinem „Grundstück“  von ca. 2000 ha und wir hatten die Erlaubnis schwache Hirsche zu erlegen.

Doch zuvor hatten es mir die wilden Truthähne angetan. Auf Nachfrage, ob wir zwei für das Barbecue erlegen dürfen, strahlten Pauls Augen: „Get them all!“. So eine Freigabe.

Wir haben uns auf zwei der Vögel konzentriert. Mehr konnten wir sowieso nicht verwerten. Nach einstündiger Pirsch, hangauf, hangab, kamen wir beide zum Schuss und freuten uns über unsere Beute.

Am selben Abend konnte ich noch einen ungeraden Eissprossenzehner erlegen. Auf ca. 300 Meter mit einer .270. Der Hirsch bekam die Kugel und hatte keine Ausschuss, worauf hin Mitch mit seiner .308 nachschoss. In Summe hatten wir dann vier Schuss auf der Kammer bis der Hirsch lag. Es ging einzig und allein darum den Hirsch festzunageln. Nachdem wir das Stück erreicht haben wusste ich warum. Die Bergung ist einfach eine Herausforderung. Wir hatten Glück und keine 400 Meter entfernt war ein Track der für Quads geeignet war. Den Hirsch haben wir gleich aus der Decke geschlagen und in der Folgewoche zum Fleischer gebracht. Es gab Bestellungen für Wildsalamis.

Te Awaiti

Wir verließen Mitch nach ein paar schönen Tagen um ein paar weitere Ziele zu besuchen.

Die kommerzielle Jagd in Te Awaiti stand erst für das Osterwochenende auf dem Plan. Von Napier nach Te Awaiti waren es schlappe fünf Stunden Autofahrt. Ein Platten kostete uns noch mal 15 Minuten. Aber es ist alles extrem entspannt. Jeder bietet Hilfe in sämtlichen Lebenslagen an.

Wir erreichten das Gate. Ein Tor mit Zahlenschloss direkt am Strand des Pazifiks. Fast nicht zu begreifen war die ca. 20 minütige Fahrt am Strand entlang, um dann das nächste Tor in die Berge zu passieren. Wunderschön!

Jaycob einer der Jäger vor Ort  empfing uns und wir luden alle Ausrüstung auf seinen Toyota um. Wir fuhren weiter 20 Minuten entlang von steilen Hängen auf schlammigen Wegen zu dem Basiscamp. Ein Gebäude, Küche, Dusche, Bettenlager und WC. Alles da. Die Köchin hatte schon aufgetafelt. Zuallererst jedoch mussten wir zeigen, dass wir schießen können. Raus vor die Hütte. Waffe auf den Tisch, Ziel erkannt im Gegenhang, Feuer. Well done! Mahlzeit.

Danach kam Olli der Chef des Unternehmens und seine liebe Frau Holly. Beide Vollblutjäger und schon weit gereist. Wir waren mit Mitch die einzigen drei Gäste, weil kurz zuvor zwei Jäger abgesagt haben. Wahrscheinlich vergessen, dass Ostern ist. Wie auch immer, wir hatten dieses Paradies von ca. 8.000 ha inmitten der Berge mit Blick auf den Ozean für uns.

Am gleichen Nachmittag ging es per Polaris ins Nichts. Wir erklammen einen Hügel von wo aus man die Weite dieses Landes nur erahnen kann. Hier und da standen alte Zäune von verjährter Schaf- und Rinderhaltung. Ein großer Teil der Flächen war bereits wieder Wald geworden, nachdem der Farmer diese Gebiete nicht mehr bewirtschaftet hat.

Die ersten Hirsche waren zu vernehmen. Wir hatten einiges an Kahlwild und ein paar jüngere Hirsche im Anblick. So schnell wie sie aus der Vegetation sichtbar wurden, waren sie auch wieder verschwunden. Ein Hirsch allerdings präsentierte sich auf einem offenen Abschnitt. Wir pirschten uns an, um die Schussentfernung auf max 300 Meter zu reduzieren. Der Plan ging auf und ich konnte einen Schuss antragen. Der Hirsch bekam aus meiner Sicht die Kugel und flüchtete hangabwärts.

Daraufhin kamen zwei Stücken Kahlwild aus der Deckung und ein Hirsch flüchtete vor unseren Augen über die offene Landschaft quer zu uns. Olli war der Meinung es sei mein Hirsch und ich solle nachschießen. Das Ding war schießkinoreif. Wäre kein Problem gewesen, aber ich zweifelte. Der Hirsch war kerngesund. Und meine Kugel saß! Mein Bauch sagte nicht schießen.

Wir verfolgten ihn noch zu Fuß und verloren ihn aus den Augen. Der Hund sollte ran. Ein Deutsch Kurzhaar. Der Schuss wurde per Spektiv gefilmt. Hoch hinter dem Blatt. Alles gut also. Auf der Suche nach dem Anschuss fing Mitch an wild zu gestikulieren. Die Arme zum Geweih geformt und in Richtung einer Mulde zeigend. Da stand mein Hirsch und machte die letzten Zuckungen. Ich gab ihm noch eine Kugel um das Leid zu beenden. Zwei mal 30-06 und kein Ausschuss.

Die Freude war groß und ich war beruhigt. Beinahe hätten wir einen zweiten Hirsch geschossen und vielleicht nach dem ersten gar nicht geschaut. Es fühlte sich bei der Schussabgabe alles gut an. Und bei der Entfernung sieht man auch regelrecht die Kugel auf dem Wildkörper.

Ich brach auf und wollte natürlich mal Kiwi Style den Hirsch transportieren. Jaycob bereitete die Läufe vor und per Rucksack trug ich den Hirsch bergauf in Richtung Anfahrtpunkt für die Polaris Ranger.

Die gesamte Strecke bergauf habe ich leider nicht geschafft. Kein Bums mehr. Jaycob hat dankenswerterweise übernommen. Ich war allerdings der erste Gast, der überhaupt sein Wild selbst versorgt und geborgen hat. Die Runde Bier nach der Ankunft in der Hütte war wohlverdient. Und Essen stand auch wieder da für eine ganze Kompanie.

Raus aus der Decke kam der Hirsch auch gleich in die Kühlung. Am nächsten Morgen ging es zeitig auf die Pirsch. Wir erreichten einen herrlichen Punkt im Gebirge von wo aus die Sonne über dem Ozean hoch kam und wir einen herrlichen Rundumblick in das Gelände hatten.

Kilometerweit konnten wir Wild beobachten. Ein Fluss durchschnitt das Tal unter uns.

Tiere und Kälber kamen mit den ersten Sonnenstrahlen in Sicht. Ein paar wilde Ziegen und verwilderte Schafe konnten wir auch beobachten. Die Hirsche die in Anblick kamen waren sehr weit weg oder wenn sie in Schussentfernung waren zu jung. An diesem Morgen sollte meine Tochter ihr Glück versuchen. Um die Geschichte abzukürzen. Wir pirschten mehr als zwei Stunden mit einem Misserfolg (eine Sekunde fehlte bis zur Schussabgabe auf einen guten Damschaufler) durch schweres Gelände um letztendlich einen Damhirsch vom fünften oder sechsten Kopf auszumachen und zu erlegen. Meine Tochter bewies viel Ruhe und Konzentration und Durchhaltevermögen. Mancher meiner Freunde hätte zwischendrin gefragt, ob ich noch bei Sinnen sei. Steil, weit, hoch, Anstrengung, usw.. Für mich als Vater war das ein ganz besonderes Erlebnis unter diesen Umständen mit meiner Tochter jagen zu dürfen. Ich habe ihr jedoch immer gesagt, dass sie nur schießen soll, wenn es sich absolut richtig anfühlt. Sie hatte eine sehr gute Leistung abgelegt. Wir beide haben uns unbeschreiblich gefreut.

Zurück in der Unterkunft haben wir dann gleich die Neoprenanzüge startklar gemacht. Wir hatten einen „Tauchgang“ am privaten Strand geplant. Inmitten der Felsen wollten wir Lobster und Andalonen fangen. Eine Harpune für Fische war auch im Gepäck. Was für ein Erlebnis.

Angeln kenne ich natürlich. Aber mit Schnorchel und Flossen die eigene Mahlzeit einsammeln noch nicht. Wir hatten zu viert eine ordentliche Portion Meeresfrüchte gesammelt. Die Andalonen oder wie dort als „Pauas“ bezeichnet besitzen ein wunderschönes Schneckenhaus, was sehr gern in Souvenirläden angeboten wird.

Die Tage bei Olli und Holly waren ein Traum. Ich kann jedem der mit dem Gedanken spielt in Neuseeland jagen zu gehen nur motivieren:  Es lohnt sich.

Das zu den Hirschen gehörige Fleisch war Teil des Pakets. Das haben wir an Freunde verteilt. Die Trophäen kann man sich natürlich nach Europa schicken lassen.

Bei Te Awaiti hunting adventures gibt es in dem gebuchten Zeitraum keine Stückbegrenzung, keine Trophäengrenze, alles Essen, die Getränke, Transport usw. alles inklusive. Ganz besonders die Gastlichkeit ist nicht finanziell bewertbar. Es war außerordenltich schön.

Für 2020 plane ich dieses Ziel wieder ein. Aber auch eine Woche Südinsel oder sogar Steward Island. Es fühlt sich einfach gut an. Insbesondere die Unbefangenheit der Jäger unter sich ist sehr sehr angenehm. Es gibt keinen Streit wegen einem Grenzbock oder aggressives Gerede wegen dem Alter eines Stückes oder der „Qualität“ einer Trophäe. Den häufigsten Spruch, den ich meinen vielen Jahren Jagd, Hegearbeit und Hundewesen gehört habe: „… also ich hätte den Hirsch nicht geschossen, …“  Solche und ähnliche Sätze gibt es dort nicht. Auch wenn es kein Brauchtum gibt, oder Jagdhornbläser (die sind ja bei uns auch beinahe ausgestorben), mich die Freiheit des Jagens dennoch sehr ermuntert.

Wir sind den Neuseeländern um einiges charakterlich zurück was Kameradschaft, das Teilen von Jagderfolg und das Austauschen von Wissen um das Wild angeht. Erlebt es am besten selbst!

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