Die Legende vom heiligen Hubertus

st-hubert_ottawa_st-patrick_rc_basilicaZum Anlass des Hubertustages haben wir für unsere Leser die Legende des heiligen Hubertus etwas unter die Lupe genommen und wollen diese im folgenden Beitrag darstellen. Während unserer Recherchen haben sich uns unterschiedliche Bilder zu St. Hubertus dargeboten, die teilweise stark differierten. Im Folgenden Artikel möchten wir gerne die Unterschiedlichen Sichtweisen darstellen und versuchen auf dem aktuellsten Stand der Forschung zu bleiben.

Das Leben des heiligen Hubertus

Hubertus von Lüttich wurde wahrscheinlich 655 in Toulouse als Sohn des Herzogs Bertrand von Toulouse geboren und diente als Pflazgraf am Hofe Theodorichs III. in Paris und später in Metz am Hofe Pippin des Mittleren. Erwiesen ist, dass er im Jahre 708 Bischof von Maastricht war und später seinen Sitz nach Lüttich verlegte. Hubertus widmete sein Leben der christlichen Missionierung von Menschen, die in den Ardennen lebten und wird hierfür noch heute von vielen Katholiken als Heiliger verehrt. Zum Tod des Heiligen Hubertus schreibt Lutz Krüger in der Elbe-Jeetzel-Zeitung, Lüchow, 3. November 1994, S. 8:

Hubertus starb am 30. Mai oder 29. Juni 727 und wurde in der Kathedrale St. Peter zu Lüttich beigesetzt. Sehr bald verehrten ihn die Einwohner seiner Diözese wie einen Heiligen. Am 3. November 743 fand die feierliche „Erhebung“ seiner Gebeine statt, um sie oberirdisch vor dem Hauptaltar zu bestatten. Ein solcher Akt war bis in das 10. Jahrhundert die übliche Form der Heiligsprechung. Seitdem wird der Hubertustag am 3. November gefeiert.

82 Jahre später erbaten die Mönche des bis dahin unbedeutenden Klosters Andain, südlich von Nambur gelegen, die Reliquien des Heiligen. Sie versprachen sich von deren Beherbergung ein Aufblühen ihrer Gemeinschaft. Am 30. Mai 825 wurden die Gebeine in die Benediktinerabtei überführt, die nun den Namen „St.-Hubert“ erhielt.

Die Hubertus Legende

Die Legende des Heiligen Hubertus wurde auf unterschiedliche Art und Weise übermittelt, im Großen Hausbuch der Heiligen wird sie so erzählt:

Als einst Hubert an einem Karfreitag mit seinem lauten Tross zur Jagd zog, warnte ihn seine Gattin und flehte ihn dringend an, den ernsten Todestag des Herrn nicht zu entweihen. Er schien von der liebevollen Warnung seiner frommen Gattin gerührt, dennoch siegte die Jagdlust. Mit seinem zahlreichen Gefolge sprengte er durch Wald und Busch, durch Wiesen und Gründe und verfolgte einen prächtigen Hirschen. Als er demselben nahe kam und schon den Bolzen nach dem Tiere abdrücken wollte, bleibt dasselbe plötzlich stehen, wendet sich nach dem Jäger, und mitten in seinem Geweih erscheint ein strahlendes Kreuz. Eine klagende Stimme ertönt: ‚Hubertus, ich erlöste dich und dennoch verfolgst du mich!‘

Hubert erbebte, warf sein Geschoß von sich und flehte innig zu Gott um Erbarmen. Darauf baute er sich eine Hütte aus Baumzweigen und Schilf und führte, von der Welt geschieden, in stiller Waldeinsamkeit ein bußfertiges, abgetötetes Leben.“ (Quelle: Großes Hausbuch der Heiligen. Berichte und Legenden. Hrg. von Diethard H. Klein, S. 551f.)

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Wilhelm Carl Räuber – Vision des hl. Hubertus.

In anderen mittelalterlichen Überlieferungen heißt es, dass der Tod seiner Frau Floribana, Hubertus dazu bewog von nun an ein hedonistisches Leben zu führen, um den Schmerz über den Verlust seiner Frau zu mindern. Neben einem ausufernden Leben frönte er exzessiv der Jagd. Als er an einem Karfreitag jagte, erschien ihm ein Hirsch mit einem goldenen Kreuz zwischen dem Geweih und Hubertus vernahm eine warnende Stimme: „Warum verfolgst du mich?“ bzw. „Warum jagst du mich?“ Beeindruckt von der Situation suchte Hubertus die Nähe zu Bischof Lambert. Als er von seinem Tod erfuhr reiste Hubertus nach Rom zu Papst Sergius I., welcher in einer Vision angewiesen wurde, Hubertus zum Nachfolger von Bischof Lambert zu weihen. Die ältesten Aufzeichnungen zum Leben des Heiligen Hubertus, die „VITA SANCTI HUGBERTI“ erwähnen allerdings mit keinem Wort die Liebe des Hubertus zur Jagd. Ein Schüler oder Klosterbruder des Bischofs von Maastricht verfasste 17 Jahre nach seinem Tod diese Lebensbeschreibung ohne dabei auf die Beziehung des Hubertus zur Jagd Bezug zu nehmen.

Jedoch gibt es Aufzeichnungen aus dem 8. Jhrd., worin die Legende von der Hirschvision dem heiligen Eustachius zugeschrieben werden. Lutz Krüger weist in seinem Artikel ebenfalls auf diesen Umstand hin. Im Großen Hausbuch der Heiligen heißt es zu Eustachius:

Nur in Legenden ist uns das Leben dieses Heiligen überliefert. Danach war er ein römischer General, dem auf der Jagd ein Hirsch begegnet, der ein Kreuz zwischen den Geweihstangen trug.

Nach diesem Wunder bekehrte er sich mit seinem ganzen Haus. Gott prüfte in vielen Schicksalsschlägen seine Treue und Standfestigkeit im Glauben, bis er endlich unter Kaiser Hadrian um 118 als Märtyrer starb.

Das Legendenbild verdeckte vielleicht auch später die historisch faßbare Gestalt eines anderen gleichnamigen Heiligen, nämlich Eustachius oder Eustathius, der Patriarch von Antiochien und energischer Kämpfer gegen den Arianismus war und 337 im Exil starb.

Als Jäger mit Spieß und Jagdhorn und einem Hirsch mit einem leuchtenden Kruzifixus im Geweih wird Eustachius dargestellt. Auf seinen Märtyrertod verweist der glühende Ofen, der ihm manchmal beigegeben ist. Auch wilde Tiere können sein Kennzeichen sein.

Eustachius, dessen Kult sich bei uns oft mit dem des heiligen Hubertus vermengte, ist der Schutzpatron von Paris und Madrid und der Schutzheilige der Jäger. Ferner wird er von Klempnern, Krämern, Strumpfwirkern und Tuchhändlern besonders verehrt. Als einer der vierzehn Nothelfer wird er in allen schwierigen Lebenslagen angerufen. (Quelle: Das Große Buch der Heiligen. Berichte und Legenden. Hrg. von Diethard H. Klein, München 2000, S. 462)

Eustachius

Albrecht Dürer: Eustachius, aus dem Paumgartner-Altar, rechte Tafel, 1502

Erstmalig wird die Hubertuslegende im Jahre 1440 anlässlich der Stiftung eines Hubertusordens durch Herzog Gerhard II von Jülich und Bergdem Heiligen Hubertus zugeschrieben. Gerhard II von Jülich war selber begeisterter Jäger und schätzte die Bemühungen des Hubertus den damals vorherrschenden heidnischen Dianenkult in den Ardennen durch christliche Bräusche zu ersetzen. Zuvor fand man die Legende im indisch-buddhistischen Raum, wo nach einer unverbürgten Erzählung um 270 v. Chr. in Ceylon dem König Devanampiya und seinen Gefolgsleuten bei der Jagd ein leuchtender Hirsch erschienen sei und die Jäger zum Buddhismus bekehrte. Von Indien über den nahen Osten, Griechenland und Italien kam die Legende in das frühmittelalterliche Europa. In dieser Überlieferung verfolgte Placidus, ein Feldherr Kaiser Trajans (98 – 117) einen kapitalen Hirsch. Als das Tier stehen blieb und sich umwandte, erblickte Placidus zwischen dem Geweih ein leuchtendes Kreuz. Der Feldherr sah darin ein Zeichen des Himmels und ließ sich sowie seine Frau und seine Söhne taufen. Getauft wurde Placidus auf den Namen Eusthathius (Eustachius) und starb einen würdigen Heldentod als Märtyrer unter der Führung des Kaisers Hadrian. Eustachius wurde im 5. Jh. heilig gesprochen und gilt unter den österreicher Waidkameraden als Schutzpatron. Der Feiertag des Märtyrers ist seit dem 16. Jh. der 20. September.

Fazit

Der Heilige Hubertus ist der Schutzpatron der Jäger und aller Tiere des Waldes. Von vielen wird er als der erste Jagdgegner angesehen, weil er sich nach der Hirscherscheinung gänzlich von der Jagd losgesagt hat. Eine Interpretation dieser Aussage überlassen wir jedem selber. In der Kunst werden der Heilige Eustachius und der Heilige Hubertus oft gleich dargestellt manche Darstellungen können nicht voneinander unterschieden werden. Schlussendlich hat sich Hubertus in Europa als Schutzpatron der Jäger etabliert.

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