Das Experteninterview mit Dr. Christian Neitzel zweiter Teil – jetzt kommt die Praxis

In unserem ersten Teil des Experteninterviews vor zwei Jahren, konnten wir Herrn Dr. Neitzel allgemeine Fragen zum Thema Schalldämpfer stellen. Nun, da wir selber einige Erfahrungen mit Schalldämpfern auf der Jagd sammeln konnten, haben wir erneut ein Interview mit Herrn Dr. Neitzel geführt; diesmal mit Fragen zum praktischen Einsatz von Schalldämpfern.

Herr Dr. Christian Neitzel ist Unfallchirurg und als Sanitätsoffizier für die Bundeswehr tätig. Nebenberuflich arbeitet er als Waffensachverständiger und freier Autor für Jagdzeitschriften. Im Jahr 2014 hat Dr. Neitzel ein Buch mit dem Titel „Jagd mit Schalldämpfer“ veröffentlicht und einige Artikel zu diesem Thema in diversen Jagdmagazinen geschrieben. Im Jahre 2016 ist bereits die zweite Auflage seines Buches im Handel erschienen. Die Artikel stellt Dr. Neitzel auf seiner Homepage kostenlos zur Verfügung. Neben Martin Erbinger, der das Geleitwort zu Dr. Neitzels Büchern geschrieben hat, ist er der deutsche Experte für den Einsatz von Schalldämpfern auf der Jagd und steht uns heute erneut Rede und Antwort zu diesem Thema.

DJB: Guten Tag Herr Dr. Neitzel, als Experte für den Einsatz von Schalldämpfern auf der Jagd, können Sie auf eine jahrelange Erfahrung zurückblicken. Wir würden gerne auch in unserem zweiten Interview von Ihren Erfahrungen profitieren und erfahren, was sich in der Zwischenzeit in Fragen Schalldämpfer getan hat.

Könnten Sie zu Beginn unseren Lesern darstellen, was sich genau in den letzten zwei Jahren verändert hat. Was ist jetzt wo zulässig, gab es gravierende Gesetzesänderung und wie sieht das allgemeine Meinungsbild der Politik zu diesem Thema aus?

Dr. Neitzel: Die Gesetzeslage hat eigentlich keine gravierenden Änderungen in den letzten zwei Jahren durchlaufen. Es ist weiterhin so, dass Schalldämpfer aus waffenrechtlicher Sicht nicht verboten und damit grundsätzlich genehmigungsfähig sind. Auch das Bundesjagdgesetz kennt kein Verbot der Verwendung von Schalldämpfern bei der Jagd. Allerdings enthält eine Handvoll Jagdgesetze der Länder noch entsprechende sachliche Verbote. Nachdem das Saarland ein Verbot für die Jagd mit Schalldämpfern 2014 gestrichen hatte, kündigte auch das niedersächsische Landwirtschaftsministerium in einer Pressekonferenz im Juni 2015 das Gleiche an, hat es bislang allerdings nicht umgesetzt. Bayern strich das im Bayerischen Jagdgesetz immer noch enthaltene sachliche Verbot de facto im August 2015, indem es die unteren Jagdbehörden anwies, Anträgen auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung grundsätzlich stattzugeben. Viele Bundesländer, in denen es kein sachliches Verbot gibt, folgten diesem Beispiel und legten klar fest, dass Jägern aus Gründen des Gesundheitsschutzes zumindest ein Schalldämpfer zu genehmigen ist. Zu ihnen gehören Baden-Württemberg, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Hessen. In Thüringen wird derzeit heftig gestritten: Das Landwirtschaftsministerium befürwortet nachdrücklich die Streichung des sachlichen Verbotes aus dem Jagdgesetz, während das Innenministerium den Zusammenbruch der öffentlichen Sicherheit und Ordnung befürchtet.

Aktuell ist noch einmal gewaltig Bewegung in das Thema gekommen: Nach dem Regierungswechsel in Nordrhein-Westfalen wurden die Waffenbehörden angewiesen, Schalldämpfer zu genehmigen. Das kommt einer Revolution gleich, da das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren den Waffenbehörden des Landes die Ablehnung entsprechender Anträge in die Feder diktiert hatte. Damit ist im Plenum der Waffenrechtsreferenten von Bund und Ländern der neben Berlin militanteste Schalldämpfer-Gegner umgefallen. Damit wächst die Hoffnung, dass sich auf dieser Ebene nun doch dazu durchgerungen werden kann, die Wurzel allen Übels zu bereinigen: Die Waffenverwaltungsvorschrift als Handhabungsvorgabe des Bundesinnenministeriums an die Landesinnenministerien für das Waffengesetz enthält die Formulierung, dass Schalldämpfer nur dann zu genehmigen sind, wenn sie im Ausnahmefall unumgänglich sind. Diese Auflage nehmen verschiedene Bundesländer verständlicherweise ernst und tun sich daher schwer damit, liberale Genehmigungspraktiken anzuweisen. Würde hier eine Bereinigung stattfinden, sollte das Problem in Deutschland endgültig erledigt sein.

DJB: Nun, da wir auf einem aktuellen Stand zur Rechtslage und zum allgemeinen Meinungsbild sind, möchten wir gerne etwas genauer auf die Verwaltungspraxis eingehen. In unserem Artikel zur unserer Projektwaffe  haben wir das Vorgehen bei der Beantragung eines Schalldämpfers in unserer Gemeinde beschrieben. Ist die Beantragung in anderen Bundesländern genauso problemlos bzw. worauf genau sollte man bei der Beantragung achten und wie sollte man am geschicktesten vorgehen?

Dr. Neitzel: Leider Gottes ist es weiterhin geübte – und auch länderseitig vorgegebene – Verwaltungspraxis, Schalldämpfer wie Kurzwaffen zu handhaben und den Erwerb über einen individuellen Nachweis des Bedürfnisses für jeden einzelnen Dämpfer zu regeln. Besser wäre die eigentlich logische rechtliche Gleichstellung mit Langwaffen gewesen: Der Inhaber eines gültigen Jagdscheines kann ohne weiteren Bedürfnisnachweis jagdlich geeignete Langwaffen erwerben und aufgrund der waffenrechtlichen Gleichstellung von Dämpfern dann auch gegen Vorlage des Jagdscheines Schalldämpfer für Langwaffen erwerben. Vielleicht wird auf der Zeitachse irgendwann eine solche Regelung erreicht, wenn sich die Angst vor den Lärmminderern endgültig gelegt hat.

Viele Waffenbehörden wollen aus Unkenntnis Dämpfer fest einer Waffe zuordnen und diese mit einer Patronengröße in der WBK eintragen. Das ist natürlich Unsinn, weil ein Schalldämpfer für .30-Kaliber genauso gut auf einer .308 Winchester wie auf einer .30-06 Springfield verwendet werden kann. Auch das Nationale Waffenregister sieht einen solchen Unsinn nicht vor: ein Schalldämpfer wird ohne Zuweisung einer Patronengröße eingetragen, die Modellbezeichnung aber um den maximal möglichen Geschossdurchmesser ergänzt. Auch eine feste Zuordnung zu einer Waffe ist nicht vorgesehen, wohl aber die Einstufung in eine Kategorie nach EU-Waffenrichtlinie. Wer den Dämpfer also für die Benutzung mit einer Repetierbüchse vorsieht, bekommt ihn als Kategorie C-Waffe eingetragen, bei geplanter Verwendung mit einem Halbautomaten als Kategorie B-Waffe. Es empfiehlt sich, grundsätzlich die Eintragung als Kategorie B vornehmen zu lassen, um sich später rechtliche Scherereien oder teure Änderungen zu ersparen. Nähere Informationen (auch als Handreichung für den Sachbearbeiter) finden sich unter http://artikel.jagd-mit-schalldaempfer.de/NWR.pdf

Es ist immer im Hinterkopf zu behalten, dass der Dämpfer waffenrechtlich der Waffe gleichgestellt ist. Er muss also genauso aufbewahrt und transportiert werden. Ein Kurzwaffendämpfer darf z. B. nicht in einem A-Waffenschrank verwahrt werden. Nicht abschließend geklärt ist z. B., ob der Dämpfer auf die Anzahl der Waffen in einem Waffenschrank angerechnet werden muss. Einzelne Bundesländer haben das in ihren Richtlinien zur Genehmigung von Schalldämpfern verneint, so dass sie zusätzlich zu der maximal gestatteten Menge an Schusswaffen verwahrt werden können. Hier sollte man sich im Zweifelsfall eine schriftliche Auskunft seiner zuständigen Behörde einholen, um böse Überraschungen zu vermeiden.

DJB: In unserem Fall haben wir einen Voreintrag für unsere Projektwaffe beantragt, um auch die Sicherheit für die sehr umfangreichen Umbaumaßnahmen zu haben. So haben wir ein Mündungsgewinde aufsetzen und das Korn der Waffe nach hinten versetzen lassen. Im Kapitel elf Ihres Buches beschreiben Sie das Vorgehen bei Umbaumaßnahmen bzw. dem Aufsetzen von Mündungsgewinden. Können Sie unseren Lesern kurz die Problemstellung nachträglich aufgesetzter Mündungsgewinde darstellen und welche Maßnahmen zu empfehlen sind bzw. was beachtet werden muss?

Dr. Neitzel: Egal ob nachträglich angebracht oder ab Werk: das Anbringen eines Gewindes ist keine Bagatelle, weil es schnell zu Fluchtungsfehlern kommt. Was bei Mündungsbremsen aufgrund deren geringer Länge keine relevanten Auswirkungen hat, wird bei den langen Schalldämpfern schnell zum Problem! Ursache ist, dass die Seelenachse des Laufes nie zu 100% mit der Außenkontur des Laufes übereinstimmt. Wird der Lauf nach seiner Außenkontur zentriert in eine Drehbank gespannt, weicht die Achse des Gewindes daher minimal von der der Seelenachse ab. Resultat ist ein dezent schiefes Gewinde, so dass auch der Schalldämpfer leicht schief sitzt. Da die Blendenbohrungen im Dämpfer kaum größer als das durchtretende Geschoss sind, resultiert dann schnell ein Kontakt mit der Blende, was zu katastrophalen Streukreisen führt. Bei Werksgewinden ist das sehr selten, kommt aber auch vereinzelt vor. Kaufen Sie nach Möglichkeit eine Waffe mit Gewinde ab Werk, oder suchen sie einen echten Fachmann für die nachträgliche Anbringung auf. Es empfiehlt sich, den Dämpfer aus gleicher Hand zu erwerben und in der Auftragserteilung schriftlich festzuhalten, dass die Waffe erst mit zumindest vergleichbarer Schussleistung zurückgenommen werden muss.

DJB: Im praktischen Einsatz im Revier und auch auf Drückjagden haben sich einige Nachteile durch den Einsatz des Schalldämpfers auf unserer Waffe gezeigt. So wird die Waffe ca. zehn cm länger, trotz der Verwendung eines Teleskopschalddämpfers, wodurch die Waffe nicht mehr so führig ist. Zudem ist die Waffe durch das „Extragewicht“ an der Mündung sehr kopflastig geworden. Weiterhin „flimmert“ der Schalldämpfer sehr stark wenn man erst mal zehn Schuss abgegeben hat. Können Sie diese Nachteile bestätigen? Welche Gegenmaßnahmen kann ich ergreifen? Ist die Waffe nun zu einer reinen Ansitzwaffe geworden oder kann ich Sie nach wie vor auf den Drückjagden führen?

Dr. Neitzel: Bei den meisten Dämpfern verlängert sich die Waffe sogar um ca. 15 Zentimeter. Hieraus resultiert, dass Läufe über 50 Zentimeter wenig praktikabel sind, und im System kurz bauende Büchsen, wie z. B. die Blaser-Repetierer oder Kipplaufbüchsen, haben einen echten Vorteil. Wer auf typische deutsche Schussdistanzen von bis zu 150 Meter waidwerkt, kann auch relativ bedenkenlos einen 40 Zentimeter-Lauf wählen, der außen- und zielballistische Unterschied ist vernachlässigbar. Er sollte dann allerdings auf einen leistungsfähigen Dämpfer setzen, da der Mündungsknall sich dadurch auch 10 Zentimeter näher am Ohr befindet.

Rasante Patronen lassen sich mit Dämpfern zwar gut zähmen, sie verlieren aber bei kurzen Läufen ihren Sinn. Wer z. B. eine gedämpfte .300 WinMag führen will, muss dann mit der unhandlichen Waffe im Alltag leben oder sie für besondere Anwendungen nutzen, bei denen es nicht so sehr auf die Länge ankommt. Hervorragend für die Verwendung mit Dämpfer geeignet sind die typischen Kurzlaufpatronen .308 Winchester und 8×57 IS. Deutlich größere Geschossdurchmessern, wie z. B. 9,3 mm, lassen die Dämpfungsleistung deutlich sinken. Ich empfehle, grundsätzlich Läufe mit Normalkontur (ca. 17 mm) zu wählen. Wird dann ein Schalldämpfer montiert, ähnelt das Verhalten beim Schwingen sehr den beliebten „Semiweight“-Läufen. Die Kombination aus schwerem Lauf und Schalldämpfer macht für Büchsen, mit denen flüchtig geschossen werden soll, wegen der Kopflastigkeit wenig Sinn.

Das Entstehen von Flimmern ist leider ein gravierender Nachteil von Schalldämpfern. Bei der Jagdausübung ist das aufgrund der Schussanzahl normalerweise zu vernachlässigen, am Schießstand ist es äußerst störend. Gerade wenn Waffen eingeschossen werden sollen, führt die Mirage zu schlechten Schüssen. Hier muss man sich viel Zeit nehmen. Auch das Mitführen von batteriebetriebenen Miniventilatoren hat sich gut bewährt.

DJB: Wir haben die Waffe natürlich auch ausgiebig auf dem Schießstand getestet und festgestellt, dass sich der Schuss nun eher Peitschenschlagartig anhört und der Rückstoß deutlich reduziert wurde (Schauen Sie sich unser Video hierzu gerne an). Können Sie den oben genannten Nachteilen, Vorteile gegenüberstellen, die für die Verwendung eines Schalldämpfers sprechen?

Dr. Neitzel: Die Rückstoßminderung ist aus meiner Sicht der erheblichste Vorteil. Die Angst vor dem Schuss und damit das Risiko des Muckens gehen verloren. Auch das Mündungsfeuer wird minimiert, häufig sogar völlig verschluckt, wodurch nachts abspringendes Wild besser gesehen werden kann. Man schießt besser, sieht durchs Feuer und ist schneller wieder im Ziel – waidgerechter geht es kaum. Ich bin mir sicher, dass mit einer breiten Nutzung des Dämpfers unter kontrollierbaren Bedingungen eine Verringerung der anfallenden Nachsuchen messbar wäre.

DJB: Wenn man sich nun auf Grund der eben genannten Vorteile für einen Schalldämpfer entscheidet, hat man als „reisender Jäger“, wie wir es sind, ein weiteres Problem: „Nicht alle Bundesländer erlauben den Einsatz von Schalldämpfern!“ Das Problem an dieser Tatsache ist nicht die mangelnde Erlaubnis, sondern die Tatsache, dass ich rein theoretisch meine Waffe jedes Mal, wenn ich den Schalldämpfer nicht benutzen kann, neu Einschießen muss. Ist das wirklich so oder gibt es Tipps aus der Praxis, wie man die Problematik der Treffpunktverlagerung aus dem Weg gehen kann?

Dr. Neitzel: Die Treffpunktverlagerung ist reproduzierbar. Wenn Sie ein gutes Zielfernrohr mit zuverlässiger Mechanik verwenden, können Sie sich die notwendigen Verstellungen notieren und zwischen dem Einsatz mit und ohne Schalldämpfer durch Klicken hin und her wechseln. Das Ganze sollte man auf dem Schießstand ein paar Mal probieren, um keine Experimente auf Tiere durchzuführen. Die Verstellwerte gelten jedoch immer nur für eine spezifische Optik! Das unterschiedliche Gewicht von Drückjagd- gegenüber Ansitzglas führt durch Beeinflussungen der Laufschwingungen teilweise zu völlig unterschiedlichen Ablagen mit und ohne Dämpfer. Die notwendige Verstellung muss also für jedes Glas separat geprüft werden.

DJB: Wir haben uns bei unserer Projektwaffe für einen Teleskopschalldämpfer von Jaki entschieden. Zum einen, weile diese Bauform von Schalldämpfer den Lauf weniger verlängert als andere, weiterhin weil der Schalldämpfer den Forderungen des Gesetzgebers entspricht und weil er kostengünstig ist. Was sind aus Ihrer Sicht praxisorientierte Kriterien für den Kauf eines Schalldämpfers?

Dr. Neitzel: Mir wird häufig die Frage gestellt: „Was ist der beste Schalldämpfer, welchen soll ich kaufen?“. Ich antworte dann immer mit einer Gegenfrage: „Welches Auto ist das beste, welches soll ich mir kaufen?“. Es hängt halt immer sehr von den Ansprüchen bzw. der Priorisierung der verschiedenen Eigenschaften ab. Wer einen besonders leichten Dämpfer möchte, kann mit diesem nicht im Schießkino packungsweise Munition verschießen. Wer einen sehr kurz bauenden Dämpfer möchte, wird nicht mit Bestnoten in der Dämpfung belohnt werden. Wenig Volumen bedeutet grundsätzlich wenig Dämpfung, wobei sich die Schlacht vor der Mündung entscheidet. Deswegen ist unterhalb eines Überstandes von 10 Zentimetern kaum eine sinnvolle Dämpfung zu erzielen, der Markt spiegelt das auch wieder. Gängig sind 15 Zentimeter Überstand, und eine echte Dämpfung von ca. 30 Dezibel (C) gemessen einen Meter neben der Mündung sollte für einen „ear safe“-Dämpfer schon erreicht werden. Die Vorgaben einer Mindestdämpfung von 20 dB(C) in einigen Bundesländern fallen hier deutlich zu kurz, wenn man auf Gehörschutz verzichten will. Allerdings bringt das auch nur etwas, wenn kein relevanter Erstschussknall vorliegt. Der erste Schuss ist bei den meisten Dämpfern etwas lauter, weil Treibladungsreste mit dem im Dämpfer enthaltenen Sauerstoff noch abbrennen. Bei folgenden Schüssen bleibt dieser Effekt dann aus. Jagdlich zählt aber eigentlich nur der erste Schuss, hier muss der Dämpfer Leistung liefern.

Hier finden Sie einige Test, die Herr Neitzel durchgeführt hat, um einen passenden Schalldämpfer zu finden.

DJB: Ein weiteres viel diskutiertes Thema und von uns bisher nur sehr stiefmütterlich behandeltes, ist die Reinigung des Schalldämpfers. Im Kapitel zwölf Ihres Buches gehen Sie genauer auf die Reinigung von Schalldämpfern ein. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die Reinigung des Schalldämpfers für die Praxis; und welches Vorgehen empfehlen Sie bei der Reinigung von Schalldämpfern wie unserem, die nicht zerlegt werden können?

Dr. Neitzel: Wer normal jagt, also nicht mehr als hundert Schuss im Jahr abgibt, braucht sich darum keine Gedanken zu machen. Die Reinigung wird hier überbewertet. Wer mag, kann in der Schonzeit den Dämpfer zerlegen, mit Bürste und Reinigungsmittel den gröbsten Dreck entfernen. Ob man hier Seifenlauge, Bremsenreiniger oder eine Geheimrezeptur nutzt, ist zweitrangig. Nicht zerlegbare Dämpfer kann man im Ultraschallbad reinigen oder über Nacht in ein Ölbad legen, um verkrustete Verunreinigungen anzulösen. Beim nächsten Schuss entleert sich dann in der Regel einiges.

Äußerst wichtig ist aber der Korrosionsschutz von Stahlteilen. Dämpfer sollten daher vor der Lagerung immer gut getrocknet werden und einen leichten Sprühstoß mit konservierendem Öl ins Innenleben erhalten. Der Dämpfer ist unbedingt immer von der Waffe zu trennen, da es sonst zur Lauf- und Mündungskorrosion kommt.

DJB: Herr Dr. Neitzel wir danken Ihnen vielmals für die Beantwortung unserer Fragen und möchten Sie gerne um das letzte Wort bitten. Könnten Sie unseren Lesern zusammenfassend die wichtigsten praxisbezogenen Tipps für den Umgang mit Schalldämpfern auf der Jagd geben?

Dr. Neitzel: Eine wesentliche Säule unserer Gesellschaft ist die Freiheitlichkeit. Solange es – frei nach Kant – keinem anderen schadet, kann es nicht richtig sein, einem unbescholtenen Bürger den Schutz seines Gehörs durch einen Dämpfer zu verweigern. Ich bin daher froh, dass sich Schalldämpfer in Deutschland zunehmend durchsetzen. Die letzten Meter werden jetzt nahezu zwangsläufig gegangen werden müssen. Ich glaube, dass in 20 Jahren der Schalldämpfer aus der Jagd kaum noch wegzudenken ist, und das ist gut so! Gleichzeitig gilt Freiheitlichkeit aber auch in die andere Richtung: wer Dämpfer unästhetisch findet oder gerne mit dem Drilling jagen geht, soll auch das weiter tun können. Ein bisschen mehr Vertrauen unseres Staates in seinen Souverän, den Bürger, täte unserem Land gerade in der heutigen Zeit sicherlich gut.

Zwei Tips aus der Praxis: Wer mehrere Schüsse hintereinander abgibt, z. B. auf der Drückjagd, sollte zwischendrin den festen Sitz des Dämpfers kontrollieren. Auf dem Schießstand hat sich das Mitführen eines Küchenhandschuhs bewährt, weil der Dämpfer sehr heiß werden kann. Die Demontage ist dann kein Vergnügen…

Lieber Doc wie immer vielen Dank für das Interview! Passend zu dem Interview möchten wir noch auf einige interessante weitere Link hinweisen. So hat Herr Dr. Neitzel auch ein Experteninterview auf dem Portal Jagdfunk gegeben; dies ist ein sehr informativer Podcast-channel zum Thema Jagd: Hier geht’s zum Podcast zu Schalldämpfer bei der Jagd

Den aktuellen Schalldämpfertest von Herrn Dr. Neitzel finden zu hier.

Zusätzlich wird im I. Quartal von Herrn Neitzel wohl wieder ein aktueller Test in den DLV-Zeitschriften und der Caliber erscheinen.

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