Heia Safari – Namibia 2017

(WG) Jagd in Afrika, heiß, spannend und ein Traum vieler passionierter Jäger. Auch mich hatte das Jagdfieber gepackt. Zusammen mit zwei passionierten Jagdkameraden habe ich mir vor kurzem diesen Traum auf der Farm eines befreundeten Jägers endlich erfüllen können.

Der Beginn dieser Reise ist auf der IWA 2016 zu verorten, da hatte ich die Gelegenheit Christoph kennenzulernen. Zusammen mit seinem Vater führt er die jagdlich genutzte Belina Farm mit der angrenzenden Lodge. Bereits nach einem kurzen Gespräch war der Entschluss gefasst „da musst du hin“. Noch heute habe ich die Warnung Christophs im Ohr, dass ich es besser nicht anfangen sollte da ich es sonst nicht lassen könnte und das Erlebnis schnellst möglichst wiederholen wollen würde. Ich wollte es nicht glauben aber muss zugeben er sollte Recht behalten. Bereits bei der Abreise stand fest „da musst du schnellst möglich wieder hin“.

Da ich ungern alleine Urlaub mache – in einer Gruppe ist es deutlich geselliger – hat es jedoch fast eineinhalb Jahre gedauert bis ich den zügig gefassten Plan auch in die Tat umsetzen konnte. So lange dauerte es zwei Mittstreiter aus dem Kameradenkreis zu finden welche den gleichen Traum träumen und zum passenden Zeitpunkt auch Zeit dafür haben.

Planung und Vorbereitung

Da es sowohl für Michael, Johannes und mich der erste Jagdaufenthalt in Afrika ist wollten wir uns dementsprechend vorbereiten und die Zeit vor Ort so effektiv wie möglich nutzen. Während eines einweisenden Gespräches mit Christoph verständigten wir uns sehr schnell darauf, dass wir jeweils Oryx, Streifengnu und Bless-/Springbock bejagen wollen und buchten die Reise Ende September nach Namibia.

Mit ein paar hilfreichen Tipps über was man an Ausrüstung braucht hat uns Christoph einerseits vor unnötigen Ausgaben und andererseits vor überschweren Koffern bewahrt. Kurz zusammengefasst, weiches Schuhwerk, leichte Jagdbekleidung, Hut, Fernglas, Sonnencreme, Badehose und Kulturbeutel mehr braucht man nicht.

Aufgrund des dornigen Busches ist es ratsam die 300 € Jagdhose in Deutschland zu lassen, zweckmäßiger ist es vor Ort in einem Safarishop für günstiges Geld ein leichtes Baumwollhemd und eine leichte Baumwollhose (vorzugsweise auch kurze Hose) zu erwerben.

Viel wichtiger ist das Schießen. In Namibia sind die Distanzen im Busch sehr kurz und sind selten weiter als 100 m. In der Savanne dagegen sind diese ganz schnell mal 300 m und weiter. Da das zu bejagende Wild auch die dementsprechende Größe hat – ein Oryx hat eine vergleichbare Größe zum Rothirsch, ist jedoch deutlich kräftiger – sind diese Distanzen insbesondere mit der Gebirgsjagd vertraute Jäger kein Hexenwerk. Nichtsdestotrotz Standzeit auf einem 300 m Stand ist vor so einer Jagd gut genutzte Zeit. Es gibt wenig Ärgerlicheres als nach kilometerweiter Pirsch endlich das gesuchte Stück zu stellen und sich dann nicht Schießen zu trauen weil man sich seines Handwerkes unsicher ist.

Christoph beispielsweise hat sich zuerst auf dem farmeigenen Schießstand (bis zu 500 m) beim Einschießen der Waffen auch unserer Schießfertigkeiten auf weitere Distanzen vergewissert bevor er uns sein Wild hat jagen lassen. Eine sehr löbliche Einstellung wie ich finde.

Ein weiterer Punkt betrifft die Waffen. Um die bürokratischen Hürden bei der ersten Reise so niedrig wie möglich zu halten, haben wir uns dazu entschieden auf Leihwaffen vor Ort zurückzugreifen. Dies muss man in der Retrospektive betrachtet sagen ist nicht immer empfehlenswert. Der Schütze muss der Waffe die er nutzt ausnahmslos vertrauen. Während des Momentes des Schusses dürfen keine Zweifel oder Fragen aufkommen die einen vom Schuss ablenken könnten. Dies gilt nicht für jeden Schützen – Waffen – Kombination. Wenn man Pech hat, dann ist vor Ort keine passende Waffe vor Ort. Daher ist es immer empfehlenswert die eigene Waffe mitzunehmen.

Anreise

Ende September war es dann endlich soweit. Wir trafen uns gegen 21 Uhr am Flughafen Köln/Bonn mit Christoph und traten den ca. zehnstündigen Direktflug nach Windhuk an. Da es in Namibia während der Sommerzeit keinen zeitlichen Unterschied zu Deutschland gibt, ist der Nachtflug sehr angenehm und ohne Jetlag zu bewältigen.

Am frühen Morgen angekommen hieß es nach einem Verpflegungs- und Shoppingtrip in die Windhuker Innenstand (Safarihut, Hemd und Hose) auf die Reise zur Farm.

Die Belina Farm ist ungefähr 360 km vom Windhuk International Airport entfernt und kann von dort aus mit dem Auto in vier Stunden erreicht werden. Die Strecke ist aufgrund der geteerten Straßen angenehm zu fahren. Die Strecke führte von Windhuk über Okahandja, Otjiwarongo nach Outjo im nördlichen Teil Namibias. Die Farm liegt circa 12 km westlich von Outjo und ist leicht zu finden.

Bereits während der Anreise wurden wir mit reichlich Anblick, insbesondere Paviane und Warzenschweine, beschenkt. Pünktlich zum Abendessen waren wir auf der Farm und bezogen unser Quartier in der Lodge. Im herrlichsten Ambiente konnten wir vom Gesellschaftsraum der Lodge während des Abendessens die artenreiche Fauna der namibischen Mopane Savanne am knapp 100 m entfernten Wasserloch beobachten. Beim gepflegten Scotch haben wir unseren ersten Abend in Afrika ausklingen lassen und unsere Vorfreude mit den üblichen Jagdgeschichten ins schier unermessliche gesteigert.

Den Folgetag nutzten wir dazu die Waffen auf dem farmeigenen Schießstand anzuschießen und wurden in die 9.500 ha umfassenden Jagdgefielde der Farm eingewiesen. Sowohl die Größe der Farm 95 km² als auch die Qualität und Quantität des vorhandenen Wildes sind vom heimischen PC nicht zu begreifen. Man muss dies schon vor Ort gesehen haben um zu wissen wie weitläufig ein Revier sein kann welches dennoch nur von einer einstelligen Zahl von Jägern bejagt wird.

Am Nachmittag wurde unsere Gruppe komplettiert, nachdem Oliver, ein Namibia-Deutscher und ehemaliger namibischer Fußballnationalspieler, aus Windhuk zu uns gestoßen ist und uns die folgenden Tage als Jagdführer zur Seite stand.

Pirsch

Pirschen, Pirschen und nochmals Pirschen. Wie langweilig und eintönig eine Ansitzjagd sein kann lernt man erst, nachdem man mehrere Tage hintereinander täglich mehrere Kilometer durch den schier endlosen afrikanischen Busch gepirscht ist, ohne je eine andere Menschenseele anzutreffen.

Ständig auf den Wind und Sichtdeckung achtend haben wir mit Begierde alle Eindrücke und Erfahrungen aufgesogen die uns die Jagdführer Tag für Tag vermittelt haben. Es ist beeindruckend mit welchem geschulten Auge die namibischen Jäger, dies gilt für Afrikaner als auch Namibia-Deutsche, ausgestattet sind. Für uns selbst unter Zuhilfenahme des Glases kaum zu entdeckendes Wild haben Oliver, Thimo und Christoph dieses mit bloßem Auge auf mehrere hundert Meter Entfernung sicher angesprochen. Was gar nicht mal so einfach ist, da ein großer Teil des auf der Farm vorkommenden Wildes sowohl bei männlichen als auch weiblichen Stücken ähnliche Trophäen aufweist.

Dass jedoch Übung den Meister macht, konnten wir mit der Zeit selbst an uns beobachten. Täglich wurde auch unser Auge aufmerksamer, auch wenn es selbst nach einer Woche Jagd noch lange nicht an die Fähigkeiten der einheimischen Jäger herangereicht hat.

Um nicht den falschen Eindruck aufkommen zu lassen, das ausgiebige Pirschen ist keine Notwendigkeit aufgrund von wenig vorhandenem Wild. Ganz im Gegenteil, es vergehen keine fünf Minuten in denen man nicht neues Wild erspäht hat. Die ausgiebigen Pirschtouren begründen sich durch die Auswahl des richtigen Stückes und dem ständigen Wettstreit mit der Umwelt  nahe Genug (dies können auch mal mehrere hundert Meter Entfernung sein) an das Stück heranzukommen um einen sicheren Schuss antragen zu können. So passierte es nicht selten, dass man einer Streifengnu-Fährte quer durch den Busch gefolgt ist nur um dann kaum um die Ecke gebogen von einer 10 Meter entfernten Giraffe überrascht zu werden. Die Giraffe sagt „Nein“ und „resetet“ so gleich die komplette Pirsch indem sie mit lautem Gepolter quer durch den Busch antritt. Ähnliche Qualitäten besitzt auch der sogenannte „Graulärmvogel“. In der englischen Sprache auch als „Go Away Bird“ bekannt, ist der Name Programm. Der Markante Warnruf, der ähnlich dem englischen go away klingt, beendete so manche erfolgsversprechende Pirsch.

Umso belohnender ist es, wenn man nach mehreren Kilometern Pirsch und mehreren Anläufen sich auf dem Allerwertesten kriechend in eine schussgünstige Position zu bringen, einen sicheren Schuss antragen und das Wild an Ort und Stelle bannen kann.

Jagen in Namibia

Der zweite Tag in Afrika, der Wecker klingelt um 5:45 Uhr, Christoph, Johannes, Michael und ich machen uns fertig für die erste Morgenpirsch. Christoph, Michael und der einheimische Guide Thimo verlegen in den Norden der Farm und pirschen dort auf Oryx. Johannes und ich, geführt von Oli, jagen auf Bless- bzw. Springbock.

Alle gemeinsam fahren wir los. Es ist noch Dunkel, am Horizont lässt sich jedoch erahnen, dass das erste Büchsenlicht nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Nach wenigen Minuten Fahrt sitzen wir ab.

Vor uns erstreckt sich eine weitläufige Savannenlandschaft die immer wieder durch einzelne Mopane Bäume oder einzelne Dornenbuschkuseln unterbrochen wird. Der schnelle afrikanische Sonnenaufgang ermöglicht uns einen herrlichen Blick auf die heimische Wildlandschaft. Geduldig glasen wir die Gegend nach den gesuchten Böcken ab, können bis auf einige Elande und Kudus kein weiteres Wild erspähen.

Nach Prüfung der Windrichtung erklärt Oli uns den geplanten Pirschweg und zeigt uns in der Landschaft die einzelnen sanften Höhenzüge welche wir immer wieder gegen den Wind angehen um von dort in die dahinter liegende Landschaft spähen zu können. Die Jagd kann also beginnen.

Oli voraus, ich folge. Den schließenden macht Johannes welcher an diesem Vormittag die Fotos von der Jagd schießen soll. Nach knapp eineinhalb Stunden Pirsch „erklimmen“ wir vorsichtig eine Bodenwelle und glasen auf die dahinter liegende Grassavanne. Neben einem jungen Oryx, dessen Haupt und Hörner nur schwer in den Büschen zu erkennen sind, erblicken wir zwei einzelne Blessböcke knapp 600 – 700 m vor uns. Der Wind steht günstig und wir entschließen uns die beiden Böcke anzugehen.

Immer darauf achtend die direkte Sichtverbindung durch einen Busch oder einen Termitenhügel zu unterbrechen, brauchen wir knapp 10 – 15 Minuten um uns gebückt bis ca. 300 m an die Böcke heranzupirschen. Die beiden Böcke äugen mittlerweile immer wieder in unsere Richtung, die weiße Gesichtspartie ist auch ohne Glas deutlich zu erkennen.

Oli erklärt mir, dass der rechte Bock der stärkere von den beiden ist und fragt mich ob ich diesen an Ort und Stelle schießen möchte oder ob wir es wagen sollten noch näher ranzugehen. Da Blessböcke mit knapp 70 kg nur etwas größer als unser heimische Damwild ist, wollte ich die Distanz noch ein wenig verringern bevor ich die Kugel fliegen lassen wollte. Also machten sich Oli und ich daran uns im Entengang den beiden Böcken zu nähren. Nach ungefähr 80 Metern haben wir den letzten Busch zwischen uns und den Böcken erreicht, weiterer Sichtschutz war nicht vorhanden. Ich prüfte meinen Schusskanal, laserte danach den stärkeren der beiden Böcke an, das Steiner 8×30 LRF zeigte 234 m. Auf dem Allerwertesten sitzend und einen Pirschstock als Auflage nutzend machte ich mich vorsichtig schussbereit. Ich stellte die 234 m auf der Absehenschnellverstellung gemäß meiner ballistischen Tabelle ein, lud die geliehene Sakko fertig und ließ die Kugel aufs Blatt zielend fliegen. Der brave Bock brach unverzüglich im Knall zusammen. Der zweite Bock sprang ab und flüchtete nach kurzem Verhoffen in eine benachbarte Buschgruppe.

Es war vollbracht, es war mir vergönnt den ersten Bock in Afrika zu erlegen. Nach kurzer Wartezeit gingen wir zu dritt zu der Stelle, an der ich den Bock beschossen habe. Mit einem Waidmannsheil überreichte mir Oli meinen Erlegerbruch. Nach dem Bedienen des deutschen Brauchtums war das afrikanische an der Reihe. Seiner Tradition folgend nutzte er den Schweiß des Bockes um mir Zeichen ins Gesicht zu malen und segnete mich dabei mit einem Spruch in Afrikaans.

Resümee

Auch in den Folgetagen konnten wir erfolgreich Böcke, Streifengnus und Oryxe bejagen. Jedes der einzelnen Wildarten hatte seine eigene Herausforderung, wobei ich die Jagd auf die Streifengnus als die herausforderndste empfang. Da diese immer in größeren Gruppen unterwegs sind ist es sehr schwer sich ungesehen an diese zu nähren. Alles in Allem war es eine sehr erfolgreiche Jagd. Am Ende der Jagdwoche lagen ein Eland, vier Oryxe, drei Gnus, zwei Blessböcke, ein Springbock, ein Warzenschweinkeiler und zwei Schakale auf der Strecke.

Ich kann jedem Jäger, vorausgesetzt er besitzt die Möglichkeiten, nur raten die Jagd in Afrika am eigenen Leib auszuprobieren. Es ist eine tolle Erfahrung die man allzu gern bald wiederholen möchte.

Comments

  1. Hunter says:

    Reine Selbstinzinierung – nein Danke.

    • Waldemar Geiger says:

      Danke für die Meinung, auch wenn ich diese nicht teile 😉

      Es ist schwer einen Reise- und Jagdbericht zu erstellen ohne persönliche Erfahrungen zu teilen.

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