Jagdhundeausbildung im Wildschweingatter Teil 2

Wildschweingatter 23Im vorangegangenen Artikel zur Ausbildung unserer Jagdhunde am Schwarzwild in einem Gewöhnungsgatter, haben wir über das Heranführen des Hundes an die Sauen hinter dem sicheren Zaun berichtet. Der Hund soll das Schwarzwild als Beute erkennen und es anhaltend laut stellen. Zu guter Letzt, wird der Azubi aus einer größeren Distanz zum Schwein hinter dem Zaun geschnallt, um den Beutewillen, als auch den Gehorsam am Wild auszutesten. Bestenfalls lässt sich der Hunde unter diesen Bedingungen mehrmals schicken und abrufen.

In diesem Artikel möchten wir über den ersten Ausbildungsschritt am Schwarzwild ohne den sicheren Zaun berichten.

Grundsätzlich verwenden wir eine normale Halsung und eine ca. drei bis sechs Meter lange Führer- oder Feldleine, um mit dem Hund unter kontrollierten Bedingungen an den Sauen zu lernen.

Häufig kommt die Frage auf, ob der Hund eine Weste tragen soll. In unserem Gatter überlassen wir das selbstverständlich dem jeweiligen Hundeführer. Sinnvoll ist es, wenn der Hund im Jagdbetrieb tatsächlich eine Schutzweste tragen soll, diese auch beim Üben anzuziehen.

Für den ersten Ausbildungsschritt stehen die Gattermeister wie zu Anfang mit Rat und Tat zur Seite und begleiten den Hundeführer im Schulterschluss. Denn nicht nur der Hund lernt etwas, sondern auch der Mensch. Über die Technik in Kombination mit den Anlagen des Hundes und dem erlernten methodischen Wissen des Hundeführers kommen wir bei dieser Art der Ausbildung unserer Jagdhunde zum Erfolg. Der ein oder andere Hundeführer ist ziemlich aufgeregt und unsicher, wenn er das erste Mal auf Steinwurfentfernung vor einer Gattersau oder der Rotte steht.

Hier wird manchem erst einmal bewusst, auf was für einen „Gegner“ wir unsere Hunde schicken. Bleiben Sie ruhig, vertrauen Sie dem Gatterpersonal und wirken Sie auf Ihren Hund mutig und selbstsicher. Nur wenn Sie die Beute haben wollen, wird ihr Hund begreifen, worum es geht.

Im Gatter kann ihnen und ihrem Hund normalerweise nichts passieren. Die ersten Schritte in dieser Ausbildung können Sie unter natürlichen Bedingungen im Revier nicht üben. Nutzen Sie also die Chance und arbeiten sie als Team mit ihrem Hund.

Rein ins Gatter

Wildschweingatter 22Im Schritt eins wird der Hund an der langen Leine an die Sauen heran geführt. Gehen Sie langsam auf die Sauen zu. Der Hund sollte vor Ihnen arbeiten! Ziel ist es, dass der Hund straff im Riemen liegt und die Sauen laut stellt. Tut er das, dann können Sie davon ausgehen, dass der Beutetrieb fest sitzt. Vermeiden Sie in diesem ersten Stadium auf den Hund mit Gehorsam einzuwirken. Lassen Sie der Wildschärfe am Riemen freien Lauf. Stellt sich der Hund als übertrieben selbstbewusst oder auch selbstgefährdend dar, dann gehen Sie im Laufe dieses Ausbildungsschrittes zusammen mit dem Gattermeister in eine provozierte, kontrollierte Kollision des Hundes mit dem Schwarzwild über.

Nähern Sie sich den Sauen erneut aus größerer Entfernung und geben dem Hund kurz vor Erreichen der Sauen spontan viel Riemen, damit er ohne Ihre unmittelbare körperliche Anwesenheit die Sauen selbständig annimmt. Hier geht es darum, bewusst die Schärfe des Hundes an den Sauen in gesunde Bahnen zu lenken. Die Sau wird sich in der Regel mit Scheinangriffen und kurzen Stößen wehren. Dabei soll der Hund lernen, dass Schwarzwild nicht pauschal flüchtet, sondern wehrhaft ist. Sollte es durch den Charakter des Hundes dazu kommen, dass dieser sofort Packversuche macht, dann holen Sie ihn mit kräftigem Zug am Riemen aus dieser Situation heraus. Genauso brechen sie Attacken der Sauen ab, falls der Hund denen nicht schnell genug ausweichen kann. Wildschweingatter 21Daher immer erst die Riemenarbeit! Der Gattermeister wird eine andere Sau zum Üben ins Gatter stellen, oder aber die Situation mit der gleichen Sau erneut erzwingen, um dem Hund beizubringen, dass sein Rückwärtsgang die Garantie für ein gesundes Hundeleben ist. Sie, als Hundeführer werden spätestens in dieser Situation erkennen, dass die Methodik fruchtbar ist. Die Masse der Hunde, wird durch diesen Ausbildungsschritt bereits daran gewöhnt, in Abhängigkeit von Alter, Konstitution und physischer Leistungsfähigkeit, einen sicheren Abstand ,mit gleichzeitigem lauten Stellen, zu den Sauen zu behalten.  Selbstgefährdende Hunde, denen das Packen nicht abgewöhnt werden kann, dürfen im Gatter auf keinen Fall geschnallt werden. Hier stehen die Gesundheit der Gattersauen und des Hundes an oberster Stelle.

Diese Sorte Jagdhund ist allerdings nicht die Regel. Wie sehen die Normalfälle aus?

  • der Hund wird sich den Sauen vorsichtig nähern,
  • der Hund  wird vorstehen,
  • der Hund wird zurück weichen,
  • der Hund wird Ihnen nicht von der Seite weichen,
  • der Hund ignoriert die Sauen,
  • oder der Hund wird mit geklemmter Rute versuchen der Situation aus dem Weg zu gehen und das Weite bis zum Ende der Führerleine suchen.

Was auch immer passiert – Sie haben Zeit und das Gatterpersonal steht unterstützend zur Seite.

Bleiben Sie ruhig. Strahlen Sie Sicherheit aus. Der Hund orientiert sich an Ihnen.

Arbeiten Sie am Anfang immer mit der Leine. Niemand kann in den gedeckten Bereichen der Gatter sehen, was beim Zusammentreffen Hund und Sau tatsächlich passiert, wenn der Hund sofort geschnallt wird. Nehmen Sie sich die paar Minuten Zeit im Leben ihres Hundes und bringen Sie ihn am Riemen kontrolliert an die Sauen.

Für Hunde, bei denen der Funken nicht sofort überspringt, werden die Sauen durch den Gattermeister in Bewegung gesetzt. Spätestens hier zeigen die meisten Hunde einen geweckten Beutetrieb und möchten die Sauen verfolgen. Seien Sie dabei aber vorsichtig! Eine schnelle Drehung der Sau verbunden mit einer Scheinattacke hat so manchen Hund in die Flucht geschlagen. Festigen Sie den Laut und den Beutewillen, ohne sofort in Laufschritt überzugehen. Beobachten sie auch die Körpersprache des Hundes. Ist er sehr selbstbewusst? Bellt er vielleicht aus Angst? Schüttelt er andauernd den Kopf? Bildet sich Schaum vorm Fang? Oder hat er die Situation im Griff? Berücksichtigen sie dabei auch unbedingt das Alter und den Ausbildungsstand ihres Jagdhelfers. Ein gut veranlagter Welpe von 7-12 Monaten wird die Sauen gehörig verbellen, wird aber häufig die Situation nicht als Jagdgelegenheit einordnen.

Wenn der Hund wie oben schon erwähnt straff im Riemen hängt und die Sauen laut und mutig stellt, dann haben Sie ihr Ziel für diesen Ausbildungsschritt erreicht. Nutzen Sie dann auch wieder die Gelegenheit den Hund vom Wild abzurufen.

Im nächsten Artikel erklären wir ihnen, wann und wie ihr Hund die Sauen laut verfolgen darf, um ihn seiner Aufgabe als Saujäger näher zu bringen.

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