Die Kurzwaffe im Visier

Geschätzt und doch verachtet, die Kurzwaffe und die Jägerei werden sich wohl nie ganz grün werden. Ein schicker Revolver als tolles Accessoire im Holster aus Prestigegründen oder die Pistole als Fang- und Selbstschutzwaffe sind hier zwei völlig unterschiedliche Welten die aufeinanderprallen. Wir beleuchten die Kurzwaffe in der Praxis und erklären wann sie für wen von Nutzen ist.

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Leider ist es uns in der Praxis des Öfteren aufgefallen, dass einige Jäger am Jagdmorgen diverse Kurzwaffen, bevorzugt Revolver mit sich führten. Oft ließ aber schon die Trageweiße oder die Waffe selbst (z.B.: Revolver ohne Hahn) darauf schließen, dass sie sich mit der jagdlichen Verwendung der Waffe in keinster Weise befasst hatten, und diese wohl lediglich zur Außendarstellung mit sich führten.

Eine Kurzwaffe zeichnet sich in der jagdlichen Praxis dadurch aus, auf sehr kurze oder Nahdistanz zum Einsatz zu kommen. Dabei dürfte klar sein, dass hier die Faustfeuerwaffe nie das Mittel der ersten Wahl ist. Egal was für eine Wildart es zu bejagen gilt, die Kurzwaffe findet in keiner Jagdart primär eine zweckmäßige Verwendung. Schon allein von Rechtswegen ist der Einsatz von Kurzwaffen auf Wild ja lediglich für das Antragen des Fangschusses eingeräumt wurden. Langwaffen wie Flinte oder Büchse rücken daher sowohl in Theorie und Praxis natürlich viel eher in den Fokus von Industrie und Verbrauchern. Dennoch wird das Potential der Kurzwaffe auch beim jagdlichen Gebrauch unserer Meinung nach etwas verkannt.

Es kann durchaus jagdlich notwendig werden auf die angesprochenen sehr kurzen Distanzen ein Tier erlegen zu müssen, sprich einen Fangschuss anzutragen. Eine sich dafür anbietende Möglichkeit stellt eben der Einsatz einer Pistole oder eines Revolvers dar. Rein rechtlich muss das angetragene Geschoss mindestens 200 Joule Energie aufweisen, was von den meisten gängigen modernen Pistolenkalibern .38 Special, 9mm, oder .45 ACP ohne Probleme erreicht wird. Auch für die Entfernung von sehr kurzer Distanz auf bis zu unter einem Meter, müsste man meinen, dass sich doch da eine Pistole förmlich anbieten müsste. Dies ist im Kern auch unsere Überzeugung, denn für diesen Zweck ist eine Kurzwaffe präzise und gut geeignet, wenn man einige Besonderheiten berücksichtigt. Die verwendete Munition sollte einen relativ geringen Penetrationswert aufweisen, dafür aber eine hohe Stoppwirkung mit sich bringen. Diese Eigenschaften werden in der Regel von Holspitzgeschossen erreicht. Diese pilzen zuverlässig im Wildkörper auf und erzeugen die dementsprechende gewünschte Wundballistik. Weiterhin besitzen sie danach nur noch geringe Restenergie, so dass bei erfolgtem Ausschuss die Gefahr durch Abpraller und Querschläger wesentlich geringer ausfällt, als das es bei Vollmantelgeschossen der Fall ist.

Das allerwichtigste ist jedoch die korrekte Handhabung und das präzise Antragen des Schusses. Und es sind genau diese Punkte, die das Nutzen einer Kurzwaffe für einen Fangschuss für Jäger relativ unattraktiv werden lassen. Daher werden oft Langwaffen oder spezielle kürzere Unterhebelrepetierer bevorzugt. Dass der Fangschuss, egal mit welcher Waffe doch die eine oder andere Herausforderung mit sich bringt, wird dabei oft ausgeblendet.

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Um mit der Kurzwaffe für den Fangschuss gerüstet zu sein gilt es folgende Dinge zu beachten. Der Jäger bedarf einer Soliden Ausbildung. Es muss für die Waffe auch ein passender Holster gefunden werden, mit dem sich die Waffe sowohl problemlos und angenehm mitführen lässt und ebenso einfach freimachen lässt. Bei der Ausbildung und im Training ist dann darauf zu achten, dass der Jäger für den Einsatz der Kurzwaffe einen sicheren Stand hat und das Freimachen und in Anschlag bringen übt. Explizit gilt es dabei den Griff der Waffe auszubilden und zu üben. Diese Handhabungsmerkmale bedingen bei der Schussabgabe mit dem passenden Visierbild und dem Abzugsverhalten wiederum den präzisen Schuss. Auch muss sich der Jäger im Vorfeld Gedanken machen, wie er gegebenenfalls für diesen Fall seine Langwaffe trägt. Erfährt man hier eine solide Ausbildung und kann diese in richtige Anwendung ummünzen steht auch dem Gebrauch der Kurzwaffe zum Zweck des Fangschusses nichts im Wege.

Als zweiten jagdlichen Zweck ist der Gebrauch der Kurzwaffe zum Selbstschutz zu erwähnen. Hierbei gilt es Wild, welches den Jäger unmittelbar angreift zur Strecke zu bringen, bevor dem Jäger selbst Schaden zugeführt wird. Auf den ersten Blick würden solche Situationen am ehesten wohl in Auslandsjagden in Afrika beim Auftreffen auf Raubwild eintreten.

Eine Handfeuerwaffe hat dennoch aus Selbstschutzzwecken selbst bei uns in Mitteleuropa durchaus ihr berechtigtes Dasein. Besonders Schwarzwild ist wehrhaftes Wild. In dichtem Busch oder Maisfelder kann es da durchaus zur Konfrontation kommen, wenn Treiber beispielsweise wieder einwechselnde Sauen nach dem Schuss begegnen. In so einer Situation fehlt uns dann oft die Vorstellungskraft auf wenigen Metern eingeschränkt durch die Vegetation mit der Langwaffe effektiv reagieren zu können. In solch einer Lage ist die Kurzwaffe schlichtweg die bessere Alternative.

Hier gilt es natürlich dann auf relativ kurze Distanz das Wild zur Strecke zu bringen. Wieder sollte man hierfür Munition mit hoher Stoppwirkung verwenden. Was für diese Zwecke die Kurzwaffe wirklich vorteilhaft macht, ist die hohe Präzision inklusive des schnellen Nachrichtens auf kurze Distanzen bei entsprechend guter Ausbildung. Weiterhin ist die Mehrfachschussabgabe in sehr kurzer Zeit möglich und wohlmöglich sogar notwendig. Anhand dieser Faktoren tritt der Einsatz der Langwaffe auf sehr kurze Distanzen zunehmend in den Hintergrund und ist unzweckmäßiger. Vor allem halbautomatische Pistolen sind in derartigen Lagen wesentlich geeigneter.

Was unserer Erfahrung nach aber eben viele Jäger nach wie vor abschreckt zur Kurzwaffe zu greifen, ist die Tatsache, dass die Handhabung und noch viel mehr der effektive Einsatz nicht beherrscht wird. Durch den Mangel an Handhabungssicherheit im Umgang mit der Kurzwaffe, erwachsen aufgrund des kurzen Laufs und des dadurch extrem kleinen Schwenkbereiches auch erhebliche Sicherheitsrisiken. Dennoch sind Pistolen und Revolver deshalb per se nicht unsicherer. Inkorrekte und unsichere Handhabung bergen im Extremfall viel höhere Sicherheitsrisiken in sich.

Deshalb verfolgen viele dann auch richtig und verständlich gar nicht erst die Absicht eine Kurzwaffe zu führen. Anders als bei der Langwaffe ist das Training hier wesentlich schwieriger und Zeitintensiver, die Einsatzmöglichkeiten und die Notwendigkeit der Anwendung aber viel geringer. In solchen Fällen rechtfertigt der Zweck dann auch oft nicht den Preis. Eine solide Ausbildung an Handfeuerwaffen und ein solides Handlungstraining und Schießausbildung sollte trotzdem ein jeder Jäger absolvieren und ständig auffrischen. Denn wer allein schon das Recht besitzt 2 Kurzwaffen ohne Bedarfsnachweis erwerben zu können, sollte sich auch selbst in die Pflicht nehmen damit handlungssicher umgehen zu können.

Vielleicht liegt auch darin der Grund, warum einige Jäger es vorziehen aus Prestige Gründen Kurzwaffen wie eine .357 Magnum zu besitzen und diese dann höchstens aus Spaß mal auf dem Schießstand abzufeuern.

 frankonia

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