Leserartikel – Was ist eine Krankfährte?

Unser Leser Horst Müller war 23 Jahre lang passionierter Schweisshundführer und wirkte in mehreren Fernsehproduktionen und Veröffentlichungen zum Thema Schweisshundeausbildung mit. Er erklärt die warme und kalte Krankfährte und gibt praktische Tips zur Nachsuche.

Eine Krankfährte sind die Hinterlassenschaften eines kranken, ziehenden Stückes. Das sind unter anderem Haar, Schuppen, Schweiß, Wildpret, Drüsenabsonderungen oder Bodenverletzungen. Man unterscheidet die warme und die kalte Krankfährte.

Die warme Krankfährte

In den ersten 3 bis 4 Stunden halten sich die Schwebstoffe des kranken Stückes noch in der Luft. Die Fährte ist also noch frisch und die Hinterlassenschaften haben sich noch nicht gänzlich gesetzt. Diese frische, warme Fährte wird gern mit Jagdgebrauchshunden nachgesucht.

Der zur Nachsuche eingesetzte Hund arbeitet mehr oder weniger mit hoher Nase, so wie ein Stöberhund. Stösst der Hund nun auf eine frische Gesundfährte, arbeitet er unter Umständen diese Verleitfährte, da er vielleicht in der Vergangenheit mit viel Freude und letztendlich mit Erfolg so eine frische Fährte gearbeitet hat. Fehlende Fährtentreue kann die Folge sein. Gleiches kann dann erst recht auch bei einer kalten Fährte passieren. Bei vielseitigen Jagdgebrauchshunden ist dies nicht unüblich. Um dieses Verhalten zu trainieren sollte man den ausgebildeten Jagdgebrauchshund nicht wie üblich an das frisch gestreckte Wild führen, sondern das Stück oder den Aufbruch weiterziehen und erst am nächsten Tag die Fährte arbeiten. So kann man den Hund intensiver auf die kalte Krankfährte trainieren.

Die kalte Krankfährte

Nach ca. 4 Stunden oder erst recht üder Nacht sind die Schwebstoffe der warmen Krankfährte verflogen und die zu Boden gefallenen Hinterlassenschaften fangen an zu faulen. Der sogenannte Aggregatzustand von flüssig und fest verändert sich biologisch in Gas. Diese aufsteigenden Gase zeigen dem Schweisshund den Fährtenverlauf an. Hierbei ist auch eine lockere Schneedecke, also eine Neue über Nacht nicht störend. Im Gegenteil: Da das Gas durch die Schneedecke aufsteigt und nicht so schnell vom Wind abgetrieben wird, hat der Hund seine Nase direkt vor der Schneedecke und kann der Fährte wie auf einem Strich folgen.

Bei solchen Nachsuchen wurde ich immer wieder von Begleitern gefragt: „Sind wir noch auf der Fährte, man sieht garnichts?“ Meine Antwort: „Achten Sie auf meine Fährte!“ Bei jedem 2. oder 3. Schritt war Schweiss in meinem Trittsiegel. Die Neue verursachte weniger Windabtrieb der Gase, so dass mir insbesondere derartige Nachsuchen sehr viel Freude bereitet haben. Es ist also überhaupt kein Problem, eine ältere Wundfährte auch nach 40 Stunden oder mehr zu arbeiten. Bei der Einarbeitung meiner Schweisshundwelpen habe ich nur die Übernachtfährte mit dem Fährtenschuh genutzt, und nur sehr wenig bzw. später kein Schweiss mehr eingesetzt.

Schweisshunde sind Spezialisten und haben nur eine Aufgabe: Mit absoluter Fährtentreue der Krankfährte zu folgen. Der Jagdgebrauchshund ist durch seinen vielseitigen Einsatz irgendwann überfordert. Dennoch gilt: Der Schlechteste Jagdhund ist immer noch besser als gar kein Hund. Für das kranke Wild ist der der beste Hund gerade gut genug.

Ein Wort zum Anschuss

Immer wieder wurde ich als Schweisshundführer zum angeblichen Anschuss geführt, der auch toll ausgezeichnet war. Nur der Schweisshund machte keine Anzeichen einer Fährtenaufnahme, sondern witterte mit hoher Nase und zog 30 bis 50 Meter weiter und nahm dann die richtige Krankfährte auf. Nach dem Schuss ist es viel entscheidender sich die Fluchtrichtung und das Einwechseln des kranken Stückes zu merken. Am Wald oder Feldrand befinden sich Sträucher, Bäume und Kanten. Wenn Sie dort später die kalte Fährte mit einem Teckel oder Jagdgebrauchshund quersuchen, wird auch dieser die Krankfährte anzeigen. An Bäumen, Sträuchern, Gras oder in Gräben ist eher Schweiss abgestreift. Den richtigen Anschuss zu identifizieren ist auf Wiesen oder Äckern nicht so einfach. Beim verlassen des Hochsitzes sieht die Welt vor Ort oft ganz anders aus. Ist erstmal ein Befund vorhanden kann man im Anschluss immer noch entscheiden, welcher Hund eingesetzt wird.

Das mühsame Suchen oder Einkreisen des Anschusses gilt es in jedem Fall zu vermeiden. Es führt nur zum Vertrampeln der Krankfährte. Das muss der Nachsuchehund wiederum ausbaden, da man durch die Schuhsohlen die oben bereits aufgeführten Rückstände der Krankfährte umherträgt.

In diesem Sinne Waidmannsheil!

Horst Müller

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