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Auf unseren Seminaren werden wir immer wieder gefragt, wie man sich die Schießtechnik einfach merken kann. Zur Beantwortung der Frage haben wir die acht Kriterien für die richtige Schießtechnik aus der einschlägigen Literatur zusammengetragen und daraus ein Schema abegleitet, welches man sich einfach merken kann.

Um einen Prozess auch in stressigen Situationen abrufen zu können, muss dieser möglichst einfach sein und natürlich häufig geübt werden. Die folgenden Punkte können Sie auf einfache Art und Weise zu Hause üben und sich damit auf das Schießen vorbereiten. Als Ergänzung empfehlen wir die Betrachtungen von Michael Plaxcon und Jeff Cooper zum standardisierten Schießen zu lesen.

Unsere 8-Punkte-Routine für das Schießen auf der Drückjagd beinhaltet folgende Tätigkeiten:

  1. Anschlag/ Stand
  2. Griff
  3. Zielen
  4. Visierbild
  5. Atmung
  6. Abzugskontrolle
  7. Abkommen
  8. Reproduktio

Anschlag/ Stand

Profan ausgedrückt benötigt man die jagdliche Erwartungshaltung in allen Situationen, in denen man sich nicht sicher sein kann, wann und wo das Wild auftaucht, insbesondere beim Schießen aus einer Bewegung (z.B. auf der Pirsch, beim Annähern an den Ansitz oder eben auf Drückjagden).

Bei der klassischen Variante der jagdlichen Erwartungshaltung führt man die Waffe mit leicht gebeugten Armen vor der Brust, die Schulterstütze befindet sich auf Höhe der Hüfte und das Vorfeld wird über die Mündung der Waffe beobachtet, um so bei Bedarf die Waffe schnell in den Anschlag bringen und einen Schuss ansetzen zu können. Dabei nimmt man einen etwa schulterbreiten Stand ein und richtet die Hüfte auf den Punkt, wo man das Wild beschießen will. Bei diesem Stand sollten 60 % des Gewichtes auf den Fußballen liegen, die Knie sind leicht gebeugt und der Oberkörper ist leicht nach vorne geneigt, so dass der Körperschwerpunkt auf einer gedachten Linie zwischen den beiden Füßen liegt.

Jagdliche Erwartungshaltung (klassische Variante)

Vorteil: Durch das Beobachten über die Mündung ist die Mündung der Büchse immer auf das Ziel ausgerichtet. Wenn man es schafft, die Schulterstütze exakt in die Schulter zu bringen, führt man automatisch die Visierlinie in die Sichtlinie und ist sofort auf das Ziel ausgerichtet.

Nachteil: Die Waffe zeigt ständig nach oben, dies kann bei falscher Handhabung ein großes Sicherheitsrisiko sein und man ist gezwungen die Waffe durch Anheben der Schulterstütze in den Anschlag zu bringen. Dies kostet Zeit und ist eine erhebliche Fehlerquelle.

jagdliche Erwartungshaltung

Jagdlicher Voranschlag (moderner Jagdanschlag)

Durch Erfahrung im Schießen aus der Bewegung haben wir eine weitere Variante der jagdlichen Erwartungshaltung kennen gelernt, die einige Vorteile mit sich bringt. Bei der abgewandelten jagdlichen Erwartungshaltung wird die Waffe bereits im Anschlag gehalten und das Vorfeld über die Visierung beobachtet.

jagdliche Erwartungshaltung

Vorteil: Der Anschlagspunkt an der Schulter muss nicht erst gesucht werden. Die Waffe zeigt ständig in eine sichere Schussrichtung (den Boden vordem Schützen).

Nachteil: Dadurch, dass die Visierung in die Sichtlinie geführt wird, muss das Ziel erneut mittels der Visierung aufgefasst und die Waffe auf das Ziel ausgerichtet werden. Aus diesem Grund ist diese Variante der jagdlichen Erwartungshaltung primär für offene Visiere geeignet.

Griff

Mit der Linken sollte man den Vorderschaft auf der Höhe der Fischhaut umfassen, der Daumen zeigt dabei nach vorne (Klammergriff). Um eine gute Mündungskontrolle ausüben zu können sollte der linke Arm fast gestreckt sein. Auch beim Schießen auf der Drückjagd gilt, dass die linke Hand die Führhand ist. Mit ihr übt man die Mündungskontrolle aus. Niemals zieht man mit der linken Hand die Waffe in die Schulter, denn das führt zum Verreißen und ebenfalls richtet man die Waffen auch nicht mit der linken Hand, sondern mit dem Oberkörper.

Anschlag stehend

Mit der rechten Hand umfasst man das Griffstück seiner Waffe und zieht die Waffe in die Schulter. Hierbei sollte man nur so viel Kraft aufwenden, dass man nicht verkrampft. Sollte sich die Hand öffnen, weil man so viel Druck ausübt, zieht man zu kräftig.

Zielen

Man zielt beim dynamischen Schießen im Idealfall mit beiden Augen geöffnet. Sollte man nur über eine Optik mit Vergrößerung verfügen, muss man wahrscheinlich ein Auge schließen, da das Gehirn nicht die beiden entstehenden Zielbilder übereinanderlegen kann. Hierzu gibt es einen einfachen Trick: man verdeckt die Optik mit einem Tuch o.Ä. und zielt mit beiden geöffneten Augen auf ein Ziel. Das Gehirn legt nun die beiden Bildebenen (rechtes Auge Rotpunkt, linkes Auge Umgebung) übereinander und man wird trotz der verdeckten Optik treffen können.

Visierbild

Das Team Deutscher Jagdblog hat einen Artikel zum Thema Vorhaltemaße auf der Drückjagd geschrieben. Dieser Artikel beschreibt auch, wie man das Vorhaltemaß mit einfachen Mitteln berechnen kann. Um sich ein Visierbild ins Gehirn einzubrennen, errechnet man Vorhaltemaße für die eigene Munition und zeichnet sich diese auf eine Wildscheibe. Nun kann man im Trockentraining mit der Waffe auf die Wildscheibe in den Anschlag gehen und die verschiedenen Vorhalte einnehmen. Dies sollte man oft genug wiederholen, um sich die Maße einzuprägen und in Stresssituationen abrufen zu können.

Ähnlich der Flintenschießtechnik „Swing through“ führen Sie die Mündung von hinten durch den Wildkörper bis Sie den richtigen Vorhalt haben, dann krümmen Sie ab, schwingen weiter und repetieren.

Atmung

Für einen präzisen Schuss ist die richtige Atmung unerlässlich. Es gibt verschiedene Atemtechniken, um die Schussabgabe zu verbessern. Welche Auswirkungen die Atmung auf die Trefferlage hat, kann man sich sehr einfach verdeutlichen, indem man die korrekte Schussposition einnimmt, ein sauberes Visierbild herstellt und tief ein- und ausatmet. Sie werden feststellen, dass sich Ihr Visierbild mit der Bewegung des Brustkorbes auf und ab bewegt. Um genau diesen Effekt auszugleichen gibt es verschiedene Atemtechniken.

Atemtechnik

Im Grunde genommen haben Sie vier Möglichkeiten, die Übertragung der Bewegung des Brustkorbes auf die Waffe zu vermeiden. Möglichkeit eins ist, Sie atmen die in Ihrer Lunge befindliche Luft zur Hälfte aus oder ein und halten dann die Luft an. Bei Möglichkeit zwei und drei atmen Sie die Luft zu je ¾ aus oder ein und halten dann die Luft an; oder Sie Schießen sobald Sie genau an dem Punkt sind, wenn der Brustkorb stillsteht, weil Sie vom Einatmen in das Ausatmen übergehen. Welche der Möglichkeiten Sie verwenden, um Ihre Atmung zu kontrollieren, ist vollkommen Ihnen und Ihren persönlichen Vorlieben überlassen und lässt sich nur durch Trockentraining feststellen. Zur vierten Variante sei nur angemerkt, dass wir persönlich kaum einen Schützen kennengelernt haben, der diese Technik beherrscht. Aus diesem Grund empfehlen wir eine Technik zu verwenden, bei welcher der Atem angehalten wird. Verständlicherweise kann man nicht Ewigkeiten vor einem Schuss den Atem anhalten. Beschränken Sie die Atempausen auf drei bis acht Sekunden. Alles darüber hinaus ist nicht sinnvoll, da bereits nach acht Sekunden erste Sauerstoffmangelerscheinungen auftreten und ein präziser Schuss nicht mehr möglich ist. Weiterhin hat es noch nie geholfen, den Schuss „zu erzwingen“, sprich auf Teufel komm raus beim Anhalten der Atmung einen Schuss abgeben zu wollen. Lieber lassen Sie den Finger ruhen, konzentrieren sich erneut auf den Schuss und geben dann einen sinnvollen und vor allem präzisen Schuss ab.

Abzugskontrolle

Der Abzug sollte beim dynamischen Schießen im mittleren Teil des Zeigefingers anliegen. Ähnlich dem Flintenschießen muss man beim Schießen auf der Drückjagd entschlossen abziehen ohne dabei durchzureißen. Nachdem der Schuss gebrochen ist führt man den Abzug wieder nach vorne an den Druckpunkt und repetiert.

Trockenuebung Abkruemmen

Abkommen

Durch die Optik beobachtet man den Schuss, den Treffersitz und danach das Zeichnen des Wildes.

Reproduktion

Dieser Punkt beinhaltet mehrere Gedanken. Zum einen erhält man nur konstant gute Schießergebnisse, wenn man die korrekten Handlungsabläufe stets gleich reproduziert. Dazu muss man die oben genannten Punkte trocken immer und immer wieder üben. Man sagt, dass nach 1000 Wiederholungen ein Handlungsablauf im Muskelgedächtnis verankert ist. Zum anderen gilt es, die eingeübten Handlungsabläufe in eine Routineabfolge zu bringen und diese im Gedächtnis zu verankern. Eine Drückjagd-Schieß-Routine könnte so aussehen: Stand, Anschlag, Schießen, Mitschwingen, Repetieren und dann wieder zurück zum Anfang.

Fazit

Auf unseren Seminaren unterrichten wir unsere Schüler nach diesem Schema und üben gemeinsam eine Schießroutine sowohl im Trockentraining als auch beim scharfen Schuss ein. Nach Beendigung des Seminars kann jeder Schüler durch die eigene Schießroutinee selbstständig trainieren und die erlernten Techniken dadurch festigen. Wir würden uns über Ihren Besuch auf unserer Homepage freuen und hoffen auf ein baldiges gemeinsames Training.

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