Mitteleuropäer jagen nur selten Barfuß, es kommt daher unweigerlich die Frage danach, welches Schuhwerk sich besonders für die Ausübung der Jagd eignet. Unserer Ansicht nach bietet eine Kombination aus Lederschuh und Gummistiefel eine optimale Schuhwahl für die Jagd.

An trockenen Tagen und bei der Pirsch ziehe ich gerne einen atmungsaktiven Lederstiefel an. Wird es hingegen nass oder matschig sind jagdliche Gummistiefel der Favorit.

Abseits von modischen Aspekten sind moderne Gummistiefel an Eignung für die Jagd kaum zu überbieten. Lediglich besonders heiße oder besonders kalte Tage und das Gebirge führen moderne Jagdgummistiefel an ihre Grenzen. In allen anderen Bereichen schlagen gute Jagdgummistiefel in der relevanten Jagdpraxis sehr oft jeden Lederschuh.

Funktionalität

Ein Gummistiefel ist aus jagdlicher Sicht in erster Linie eins, er ist funktional, weil er unsere Füße auch in dreckigster und matschigster Umgebung sauber und trocken hält! Als Jäger kann man mit einem Gummistiefel unbedenklich durch jedes Rinnsal oder jedes vom Morgentau nasse Feld schreiten, ohne fürchten zu müssen nasse Füße zu bekommen. Längere Märsche sollten jedoch vermieden werden, da Naturkautusch und Co. zwar das Wasser außen, dafür auch den Schweiß im Stiefel halten. Für Ansitzjagden ist ein Gummistiefel jedoch das ideale Schuhwerk.

Ausstattung

Gummistiefel sind keine komplizierten Produkte und sollten auch jedem bekannt sein. Nichtsdestotrotz gibt es einige Aspekte die zweckmäßige Jagdstiefel von nutzlosem „Plastikstiefel“ unterscheiden. Wer sich gerne einen Überblick über aktuelle Modelle verschaffen möchte, findet bspw. im Netz beim Gummistiefelexperten einen großen Überblick.

Das Obermaterial von guten Jagdgummistiefeln sollte aus Naturkautschuk sein, das Material macht den Stiefel deutlich beweglicher, als man es von billigen „Plastik“-Gummistiefeln kennt. Das Laufen gelingt so deutlich angenehmer. Selbst Autofahrer werden durch solche Stiefel nicht bei Ihrer Tätigkeit eingeschränkt. Weiterhin sollte man auf eine griffige Profilsohle achten, um ein sicheres Aufbaumen auf den Hochsitz bzw. einen sicheren Tritt auf matschigem Untergrund zu gewährleisten.

Jagd findet bekanntlich nicht nur während der warmen Jahresabschnitte statt, daher ist auch eine Isolierung hilfreich. Je nach Ausstattung verfügen einige Modelle über ein „Fell“- bzw. Neopreninnenfutter. Die anfängliche Wärme des Fußes bleibt durch die Isolierung weitgehendst erhalten, solche Stiefel können daher auch bei niedrigen Temperaturen getragen werden, ohne dass man kalte Füße fürchten muss. Einige Hersteller geben den Tragebereich bei -20°C an. Dabei sollte stets beachtet werden, dass Kälteempfinden eine höchst subjektive Wahrnehmung ist. Stiefel die dem einen Jäger auch bei 0°C bereits kalte Füße bescheren, findet der andere vielleicht den gleichen Stiefel auch bei -5°C noch als das passende Schuhwerk.

Last but not least sollte auf Komfort geachtet werden. Verstellbare Schäfte, oder gar Reißverschlüsse, erleichtern das Anziehen des Stiefels und sorgen gleichzeitig für enganliegenden Sitz während des Gebrauchs. (Auch ein Gummistiefel ist Schuhwerk und sollte daher während des Gebrauchs nicht hin und her rutschen.) Sehr hilfreich ist auch eine angenehm gedämpfte Sohle. Da man auch als Ansitzjäger nicht umhinkommt gewisse längere Strecken (Bergen und Nachsuchen von Wild) zu gehen, sollte eine Dämpfung den Fuß vor Ermüdung schützen.

Reinigung

Das Reinigen der Stiefel ist extrem einfach, ein wenig Wasser und eine Bürste und jegliche Verunreinigung (Matsch, Schweiß, etc.) sind innerhalb kürzester Zeit entfernt.

Erfahrungen aus der Praxis

Die Nutzung eines Gummistiefels ist im Grunde simpel, wenn einige Dinge bedacht werden. Die bei mir in der Nutzung befindlichen Aigle Parcours 2 Iso verfügen über eine 4,5 mm dicke Neopren Isolierung. Das Neopren sorgt dafür, dass der Stiefel auch bei Minusgraden noch getragen werden kann. Da der „Gummi“ jedoch nicht atmungsaktiv ist bleibt die vom Fuß abgegeben Feuchtigkeit im Stiefel. So kann es vorkommen, dass der Fuß feucht wird, das Neopren hält jedoch die Wärme, so dass der feuchte Fuß trotzdem nicht kalt wird. Dies tritt jedoch meist nur bei starker körperlicher Anstrengung (längere Bergung des Wildes) ein.

In solchen Fällen ist es wichtig die Gummistiefel nach der Nutzung nicht einfach im Kofferraum im Jagdauto oder in die Ecke eines kalten Schuppens zu stellen bevor nicht die Feuchtigkeit aus dem Neopren entwichen ist. Da Naturkautschuk und Neopren keine Hitze vertragen ist das Trocknen direkt an Wärmequellen nicht ratsam. Bei mir hat es sich bewährt die Stiefel über Kopf bei Raumtemperatur trocknen zu lassen.

Während der Jagd selbst trage ich die Stiefel eigentlich nur im Revier. Dies jedoch nur um das Auto nicht unnötig dreckig zu machen. Im Revier angekommen ist man schnell in die Stiefel geschlüpft und wenn man am Ende der Jagd wieder am Auto ist, ist man genauso schnell wieder draußen.

Der ein oder andere wundert sich vielleicht wieso sich Gummistiefel gemäß des meines Eingangsstatements nicht für die Pirsch oder die Bergjagd eignen. Dies ist mit der Stabilität zu erklären. Lederstiefel, bekannt aus dem Outdoorbereich oder dem Militär, bieten dem Knöchel zusätzliche Stabilität und helfen so dabei durchs Umknicken bedingte Verletzungen zu vermeiden. Deswegen müssen diese Art von Schuhen auch Fest an den Fuß geschnürt werden, da sonst keine Stabilität gewonnen wird. Ein Gummistiefel verfolgt ein anderes Konzept. Wie bereits beschrieben ist Naturkautschuk sehr biegsam und flexibel. Daher ist beim Tragen auf unebenem Untergrund mehr Sorgfalt geboten.

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